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Der sprechende Körper

Körpersprache

Die Macht der wortlosen Sprache

Der Körper ist niemals stumm. Wenn Menschen zusammenkommen, reden sie miteinander – sogar wenn sie nicht sprechen. Die vorgereckte Brust ist ebenso eine Botschaft wie die kleine Veränderung der Sitzhaltung, die geöffnete Handfläche, aber auch die Farbe der Krawatte oder das dezente Parfüm.

Mimik, Gestik, Haltung und Bewegung, die räumliche Beziehung, Berührungen und die Kleidung sind wichtige Mittel der nonverbalen Kommunikation – eine uralte Form der zwischenmenschlichen Verständigung. Auf diese Weise klären wir untereinander, ob wir uns sympathisch sind und ob wir uns vertrauen können.

Der Körper verrät unsere wirklichen Gefühle, wer wir sind und was wir eigentlich wollen. Die nonverbalen Botschaften sind oft unbewusst und gerade deshalb so machtvoll. Ohne Körpersprache sind die täglichen sozialen Beziehungen gar nicht denkbar.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass 95 Prozent des ersten Eindrucks von einem Menschen bestimmt werden von Aussehen, Kleidung, Haltung, Gestik und Mimik, Sprechgeschwindigkeit, Stimmlage, Betonung und Dialekt – und nur fünf Prozent davon, was jemand mit Worten sagt.

Und die Einschätzung der Person geschieht in weniger als einer Sekunde. Weil wir das körperliche Verhalten schwerer kontrollieren und beherrschen können als die verbalen Aussagen, gilt die Körpersprache als wahrer und echter.

Weltsprache oder Geheimcode?

Aber lauern da nicht viele Missverständnisse? Stimmt unser Eindruck? Sind unsere Botschaften eindeutig und werden wir verstanden? Die Wissenschaft geht davon aus, dass bestimmte Basis-Gefühle wie Angst, Furcht, Glück, Trauer, Überraschung und Abscheu bei allen Menschen bestimmte nonverbale Ausdrucksformen hervorrufen.

So gilt beispielsweise das Stirnrunzeln in so gut wie allen menschlichen Kulturen als Zeichen von Ärger. Das Lächeln wird weltweit als positives Signal und Sympathiezeichen eingesetzt. Auch die Deutung solcher Signale ist universell, sie werden überall verstanden.

Es gibt aber auch viele Körpersignale, die sich kulturell entwickelt haben und so missverständlich sind wie die verschiedenen Wortsprachen. So kann eine für uns gewöhnliche Haltung in anderen Teilen der Welt Empörung hervorrufen. Zum Beispiel ist das Übereinanderschlagen der Beine für viele Araber und Asiaten eine Beleidigung, weil so die Sohlen von Füßen und Schuhen sichtbar werden – und die gelten in manchen Kulturkreisen als unrein.

Gruppen von Menschen, Gesellschaften und Kulturen entwickeln ein eigenes System von nonverbalen Botschaften, einen eigenen Code. Nur wenn man diesen Code kennt, kann man ihn richtig verstehen und benutzen.

Es gibt also Körpersignale, die wir alle verstehen und anwenden und solche, die kultur- oder regionalspezifisch sind. Hilfreich ist es in jedem Fall, die Möglichkeiten der Körpersprache gut zu kennen, sie lesen und einsetzen zu lernen.

Schau mir in die Augen, Kleines – die Mimik

Der Blick der Augen hinterlässt einen intensiven Eindruck, nicht nur beim Flirten. Wenn wir angeblickt werden, fühlen wir uns beachtet. Blickzuwendung kann Aufmerksamkeit, Zuneigung oder Freundlichkeit bedeuten. Den Blickkontakt zu meiden signalisiert dagegen oft Desinteresse, Gleichgültigkeit oder auch Scham. Und ein zu langes Anstarren wird meist als aufdringlich und aggressiv empfunden.

Die Augenbewegung ist ein wichtiger Bestandteil der sogenannten Mimik, dem Begriff für die Ausdrucksbewegungen des Gesichts. An der Mimik können wir die seelischen Vorgänge in einem Menschen am besten ablesen. Pokerspieler versuchen deshalb, durch starren Gesichtsausdruck zu verhindern, dass ihr Gesicht verrät, wie gut oder schlecht ihre Karten sind.

Wissenschaftler dagegen versuchen, auch den besten Lügnern im Gesicht zu lesen. Kalifornische Forscher haben die kleinen, unbewussten Muskelbewegungen bei Mimikveränderungen intensiv untersucht. Damit wollen sie eine eindeutige Beziehung zwischen der Bewegung der Gesichtsmuskeln und den zugrunde liegenden Gefühlen der Menschen herausfinden.

Reich mir die Hand – die Gestik

Eine Faust mit nach oben gestrecktem Daumen wird in vielen Teilen der Welt als Zeichen der Zustimmung verstanden. Aber in manchen Gegenden ist es eine Geste der Obszönität: in Sardinien zum Beispiel, in Teilen von Westafrika, Kolumbien und Nahost.

So ist es mit vielen der bewusst geformten Handzeichen. Sie sind ein Bestandteil der Kommunikation einer bestimmten Kultur und können auch nur dort richtig verstanden werden.

Diese bewussten Gesten machen jedoch nur einen Teil der Gestik aus, die die Gesamtheit unserer Handbewegungen bezeichnet.

Häufiger und vielfältiger bewegen sich die Hände, während wir sprechen. Diese Gesten sind meist unbewusst. Sie verstärken und begleiten die verbale Rede. Auch Menschen, die glauben, ihre Hände ruhig zu halten, unterstreichen ihre Worte durch Handbewegungen.

Sogar am Telefon gestikulieren wir. Forscher haben herausgefunden, dass im Gehirn die Zentren für Sprache und Handbewegungen im selben Bereich angesiedelt sind und vermuten daher die fast zwangsläufige Verbindung von Wort und Hand.

Mit beiden Beinen fest auf dem Boden – Haltung und Bewegung

Wer sicher steht, hat einen ausgeprägten Realitätssinn, sagt der Volksmund. Und eine gerade Haltung zeige einen aufrechten Charakter. Die Körperhaltung soll demnach Aufschluss über die Wesenszüge des Menschen geben.

So weit geht die wissenschaftliche Theorie nicht, aber einen Zusammenhang zwischen der seelischen und der körperlichen Lage stellt auch sie fest. Wenn wir trauern, sind wir zusammengesunken, die Schultern hängen herab und wir wirken kraftlos und verschlossen.

Eine offene Haltung im Brust- und Halsbereich dagegen signalisiert Furchtlosigkeit und Selbstbewusstsein. Ähnliches gilt für Bewegungen. Wer sich im Gespräch vorbeugt, zeigt Aufmerksamkeit. Wer verkrampft an der Kleidung fummelt und nur auf der Stuhlkante sitzt, gilt als unsicher.

Auch der Gang des Menschen spiegelt die emotionale Befindlichkeit. Versuche haben ergeben, dass wir erkennen, ob die Person, die vor uns läuft, männlich oder weiblich ist, und auch, ob sie fröhlich oder traurig daherkommt.

Körperhaltungen können auch antrainiert sein und gezielt eingesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. So reckt ein Mann seine Brust, um stark und selbstbewusst zu erscheinen. Eine Frau schlägt die Beine übereinander, weil sie anmutig wirken will und ein Jugendlicher hängt lässig auf dem Stuhl, um seinen Protest auszudrücken.

«Störe meine Kreise nicht!» – Nähe und Berührung

«Störe meine Kreise nicht!» So soll Archimedes den anrückenden Römern zugerufen haben und daraufhin erschlagen worden sein. Die Anwesenheit und Nähe eines anderen Menschen bis hin zum Körperkontakt besitzen eine direkte und starke Wirkung. Eine Ohrfeige oder ein Kuss sind körperliche Botschaften, die jeder versteht.

Für die richtige Distanz zu anderen Menschen haben wir ein feines Gespür und instinktiv nehmen wir in einem Raum den Platz ein, der für uns angenehm ist. Wenn wir zu Nähe gezwungen werden, wie zum Beispiel im Fahrstuhl, versuchen wir, die anderen zu ignorieren, und vermeiden jeden Blickkontakt.

Das Distanzempfinden ist kulturell geprägt. In Japan etwa gilt ein größerer Abstand als angenehm als in Europa. Ein Japaner könnte daher einen Europäer im Gespräch als aufdringlich empfinden, wenn dieser immer etwas näher kommen möchte, als es dem Japaner lieb ist. Der Europäer hält dagegen möglicherweise den Japaner für distanziert, wenn dieser immer etwas zurückweicht.

Auch bei Berührungen sind kulturelle Unterschiede festzustellen. In den westlichen Ländern haben sich Berührungen zwischen Freunden und Bekannten, Umarmungen und Küssen auf Wange oder Mund weitgehend durchgesetzt. Dennoch ist Europa eine Region, in der der Körperkontakt im Vergleich zu anderen Kulturen eher selten ist.

Kleider machen Leute – Kleidung und Schmuck

Im Karneval sieht man ganze Gruppen von verkleideten Marsmenschen, Clowns, Hexen – oder auch Cola-Dosen. Durch das gleiche Kostüm zeigen die Menschen ihre Zugehörigkeit zu einem Verein.

Im Alltag ist dies nicht anders. Jede Gemeinschaft oder Gesellschaft hat einen Kleidungs-Code. Vor einem Vorstellungsgespräch überlegen wir sorgfältig, was wir anziehen. Wir wissen, wie wir Trauer durch unsere Kleidung zeigen oder wie wir durch ausgefallene Accessoires im Freundeskreis beeindrucken können.

Auch wer sich den gängigen Kleidernormen nicht anpassen will, sendet eine deutliche Botschaft. Täglich entscheiden wir bewusst oder unbewusst darüber, wie wir durch unsere äußere Erscheinung wirken wollen: indem wir uns schminken, Rock oder Hose anziehen, durch die Wahl der Krawatten-Farbe und den Schmuck, den wir anlegen.

Die Kleidungs-Codes unterscheiden sich stark in den verschiedenen Kulturen – besonders die Ansichten darüber, wie viel nackte Haut in der Öffentlichkeit präsentiert werden darf. Auch werden unterschiedliche Teile des Körpers tabuisiert. In vielen europäischen Ländern zeigen sich Frauen mit unverhüllten Haaren in der Öffentlichkeit, was in islamisch geprägten Ländern undenkbar ist.

Dagegen ist es bei einigen afrikanischen und südamerikanischen Völkern bis heute üblich, dass weder Frauen noch Männer im Alltagsleben ihren Oberkörper bedecken – zum Beispiel bei den Himba in Namibia, den Nyangatom und den Hamar in Äthiopien und den Huaorani in Ecuador –, was wiederum in westlichen Ländern einen Skandal verursachen würde.

Kleidung und Schmuck sind also Ausdrucksformen der Körpersprache, die wie kein anderes Mittel den kulturellen Gepflogenheiten folgen.

Die Profis der Körpersprache

Manche Menschen haben die Körpersprache zu ihrem Beruf gemacht. Die Pantomime ist eine sehr alte darstellende Kunst, bei der die Handlung und der Charakter nur durch Mimik, Gestik und Bewegung ausgedrückt werden. Bereits um 400 vor Christus ist die Pantomime als Kunstform in Griechenland nachgewiesen.

Auch der Clown-Künstler verzichtet meist auf Worte. Da er die Menschen zum Lachen bringen will, setzt er Körpersprache meist übertrieben ein, etwa indem er Grimassen schneidet oder stolpert. Charlie Chaplin war einer der berühmtesten wortlosen Darsteller des vergangenen Jahrhunderts.

Eine weitere besondere Form der Körpersprache ist der Tanz. Bewegung ist ihre Form des Ausdrucks. Die Geheimnisse der nonverbalen Kommunikation beherrschen diese Profis perfekt.

Quelle: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/kommunikation/koerpersprache/index.html

Wie unser Körper spricht und warum wir nichts davon wissen

Wenn wir uns unterhalten, wählen wir unsere Worte genau. Wir versuchen, alles, was wir sagen, passend zu formulieren: nett, aggressiv oder ärgerlich. Doch etwas an uns spricht viel lauter – ohne dass es unser Gegenüber versteht: unser Körper.

Marietta und Ole sitzen sich in der Mittagspause gegenüber. Sie reden über den Unterricht und was sie von der Lehrerin halten. Marietta stützt ihren rechten Ellbogen auf den Tisch vor sich. Sie lächelt. Ole nickt. Er freut sich schon auf die nächste Stunde. Oberflächlich sprechen die beiden nur über die Schule. Wer aber genauer hinsieht, erkennt eine zweite Sprache: die Sprache des Körpers. Auch Ole hat seinen Ellbogen auf den Tisch aufgestellt, aber seinen linken. Er lächelt ebenfalls und sein Oberkörper ist Marietta zugewandt. Die beiden sitzen nebeneinander auf der grauen Holzbank. Es sieht fast so aus, als würde Marietta in einen imaginären Spiegel blicken. Denn Ole spiegelt Mariettas Körperhaltung in vielen Punkten. Was das mit dem Gespräch zu tun hat? Mit dem Inhalt wenig, aber auf einer anderen, der nonverbalen Ebene, sprechen die beiden auch miteinander. Sie sagen: «Hey, ich find’ dich nett. Du bist mir sympathisch.»

Unbewusste Botschaften

Körpersprache ist nicht nur etwas, das wir sehen können. Der Mensch hat fünf Sinne: Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Fühlen. Mit diesen Sinnen nimmt er die Körpersprache seines Gegenübers wahr. Alles, was nonverbal ist, also ohne Worte läuft, zählt zur Körpersprache. Die Kommunikation zwischen zwei Menschen läuft in drei Ebenen ab. Die anscheinend offensichtlichste ist die verbale Ebene. Das, was inhaltlich gesprochen wird. Die tonale Ebene meint das Wie: Wie sage ich etwas. Auf der nonverbalen Ebene spricht dann unser Körper in Mimik, Gestik, Körperhaltung, Kleidung und vielem mehr. «Diese drei Ebenen müssen als Einheit funktionieren», erklärt Meike Fabian. Sie ist die stellvertretende Leiterin der Akademie für Darstellende Kunst in Regensburg und schult ihre Schüler unter anderem auch in der Wahrnehmung der Körpersprache. «Körpersprache geht schon los bei Dingen, die ich selbst beeinflussen kann, also meinen Schmuck, meine Kleidung, mein Make-Up», zählt Meike Fabian auf. «Meine Haltung, meine Mimik und Gestik kann ich auch noch etwas beeinflussen. Das ist aber schon schwerer.» Dinge, die von innen kommen, wie Atmung oder Körpergeruch sind demnach ebenfalls Teil der Körpersprache.

Erster Eindruck entscheidet

Aber auch Eigenschaften, die nicht in meiner Hand liegen, zählen zur Körpersprache. Zum Beispiel: Bin ich ein Mann oder eine Frau. Bin ich dick oder dünn. Durch diese Dinge schließe der Gegenüber sofort auf die Lebenserfahrung eines Menschen. «Jeder erzählt seine Geschichte, schon lange bevor er den Mund aufgemacht hat», bringt es Meike Fabian auf den Punkt.

Das bestätigt auch Andrea Nitzsche. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin und Trainerin für Körpersprache. Der erste Eindruck entsteht innerhalb von Sekunden, in denen wir jemanden wahrnehmen. «Das ist unser Instinkt, der immer noch vorhanden ist. Es war früher besonders wichtig, sofort zu wissen, ob der Mensch gegenüber eine Bedrohung ist oder nicht.

Vorurteil auf. Natürlich könne uns unser Körper verraten, wenn wir gerade schwindeln, aber es reiche eben nicht nur ein Zeichen wie die Hand am Mund aus. Ein weiteres Zeichen dafür könne laut Andrea Nitzsche zum Beispiel ein eingefrorenes Lächeln sein. «Hier lächelt nur der Mund. Das hat ein bisschen was von Zähne zeigen. Bei einem echten Lächeln sieht man das auch an den Augen. Sie strahlen dann richtig», erklärt die Expertin. Nervöse Stressflecken oder auch ein hektisches Stolpern beim Sprechen können ebenfalls darauf hindeuten – müssen es aber nicht.

Den Körper programmieren

Wer nervös ist, neige übrigens auch zu Schattenbewegungen. Es kann sein, dass sich jemand gern die Haare aus dem Gesicht streicht, obwohl sie gar nicht stören. Diese Bewegung gibt demjenigen Sicherheit in einer Situation, in der er sich gerade überfordert fühlt. Das kann bei Referaten in der Schule oder auch beim ersten Date sein. Andrea Nitzsche hat für solche Situationen einen besonderen Tipp: «Mehr ausatmen als einatmen kann helfen, etwas ruhiger zu werden.» Ansonsten helfe es, seinen Körper positiv zu programmieren. «Das geht. Ich muss von dem überzeugt sein, was ich gerade mache. Dann wirkt auch mein Körper souveräner», erklärt Andrea Nitzsche. Will ich also dieses Referat für eine gute Note halten und will ich das für mich selbst, strahlt auch mein Körper mehr Souveränität aus, als wenn ich mir sage: «Hilft ja nicht, da muss ich durch.»

Für besonders Nervöse hat Andrea Nitzsche noch einen Geheimtipp: «Wer seine Lieblingsklamotten anzieht, fühlt sich schon viel wohler. Auch das wirkt auf mein Gegenüber. Außerdem hilft es, sich am Morgen schon seine Lieblingssongs vorzusingen und sich zu sagen: Jetzt geht’s mir gut. Was ich heute mache, ist etwas, wofür es sich lohnt.»

Wer etwas aufmerksam ist und auch darauf schaut, was seine Mitmenschen sagen, obwohl sie eigentlich nichts sagen, versteht seinen Gegenüber oft besser. Das kann auch bei Streitereien helfen. Aber keine Angst: Völlig durchschaubar werden wir deshalb nicht für andere: Körpersprache wirkt genauso wie Wortsprache und Stimmlage nur als Gesamtpaket. Gedankenlesen können auch Körpersprache-Experten nicht.

So wirkt deine Körpersprache auf andere

Selbstbewusst

Wie viel Platz wir brauchen, also wie viel Anspruch wir auf unser Territorium haben, zeigt wie selbstsicher wir sind.

Hier nimmt Marietta viel Platz ein durch die weit auseinanderstehenden Beine, ihren offenen Oberkörper und ihre Hände, die sie in die Hüfte gestemmt hat.

Schüchtern

Hier ist das Gegenteil zu sehen. Marietta braucht so wenig Platz wie sie nur kann. Sie verschränkt ihre Arme vorm Körper genauso wie ihre Beine. Außerdem hat sie ihren Kopf leicht eingezogen.

Misstrauisch

Verschränkte Arme, vom anderen abgewandter Oberkörper, hochgezogene Augenbrauen

Sympathisch

Zugewandter Körper, offene Haltung, Lächeln, lockere Armhaltung

Quelle: https://www.idowa.de/inhalt.koerpersprache-wie-unser-koerper-spricht-und-warum-wir-nichts-davon-wissen.13ded480-f382-451b-8a4b-95986b6dfcc5.html

Gestik: Wenn Körper sprechen

Die Emotion steckt im Detail und benötigt einen geübten Blick, um decodiert zu werden: Gefühle drücken sich oft in Mimik und Gestik aus. Forschern gibt diese wortlose Sprache Rätsel auf.

Das Lächeln, das die Mundwinkel umspielt, der leicht zurückgeneigte Kopf, die sich unmerklich aufrichtende Haltung des Oberkörpers – es handelt sich um die typischen Ausdrücke von Stolz. Auch Scham entfaltet sich innerhalb von nur vier bis fünf Sekunden, in denen eine Reihe von kleinsten Gesten aufeinanderfolgt: der Blick wird abgelenkt, ein Lachen geht in ein Lächeln und wieder in kontrolliertes Lachen über, der Kopf neigt sich nach unten, die Hände fassen unwillkürlich ins Gesicht.

Für Gestikforscher sind solche Körperreaktionen leicht entschlüsselbar. Die Fragen, die sich an das menschliche Gestikrepertoire anschließen, sind indes mannigfaltig und beschäftigen Neurowissenschaftler, Anthropologen und Linguisten gleichermaßen. Wie entsteht gestische Bedeutung? Wie setzen sich verschiedene Gesten zusammen, um eine Emotion abzubilden? Welche Bedeutung haben Gesten für Alltagskonversationen? Welche Gesten sind erlernt, welche gehören zum Grundrepertoire menschlicher Affekte? Sind sie universell oder unterscheiden sich bestimmte Gesten innerhalb der Kulturen?

Es braucht nicht nur Interdisziplinarität, sondern auch ein ganzes Arsenal an Geisteskraft, diesen Fragen nachzugehen, und so kamen jetzt über 300 Wissenschaftler der „Internationalen Gesellschaft für Gestikforschung“ (ISGS) zu einer einwöchigen Konferenz an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder zusammen. Unterteilt in mehrere Themenkomplexe (Zeichensprache, Kunst und Film, Neurobiologie oder Kognitionswissenschaft) widmeten sich insgesamt knapp 200 Vorträge den neuesten Ergebnissen der Gestikforschung. „Nach dieser Konferenz wird es schwierig für die Linguisten zu behaupten, dass Sprache nur aus Wörtern besteht. Vielmehr sind komplexe Körpergesten am Prozess der Bedeutungsproduktion mit beteiligt“, resümiert Cornelia Müller, Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft an der Viadrina und Herausgeberin der Zeitschrift „Gesture“.

Seitdem zum ersten Mal in den frühen 80er Jahren eine Gruppe von Berliner Wissenschaftlern Gesten auch von einem linguistischen Standpunkt aus untersucht, und im Jahr 2000 die Freie Universität Berlin unter der Leitung von Müller das „Berlin Gesture Project“ ins Leben gerufen hatte, hat die Gestikforschung als interdisziplinäres Paradigma par excellence sämtliche Fachbereiche affiziert. Laut Müller hat sich Deutschland international als besonders prominenter Standort für Gestikforschung etabliert. Entsprechend hoch war die Fördersumme der Volkswagen-Stiftung, die das mehrjährig angelegte Projekt „Towards a Grammar of Gesture: Evolution, Brain and Linguistic Structures“ (ToGoG) an der Viadrina mit fast einer Million Euro fördert.

Den Erfolg all dieser Unternehmen sieht Müller nicht zuletzt darin begründet, dass Gesten einerseits ein universales Phänomen sind, also für alle Menschen gleichermaßen Relevanz besitzen. Andererseits seien Gesten auch abhängig von kulturellen Neuentwicklungen, die es zu untersuchen gelte. „Jüngere Kulturtechniken wie das Telefonieren mit dem Handy gehen innerhalb relativ kurzer Zeit in unser Gestenrepertoire über und schaffen neue Codes“, erklärt Müller. Sie hält ihre Faust ans Ohr, Daumen und kleinen Finger abgespreizt, ein Mobiltelefon imitierend – eine Geste, die vor einem Jahrhundert noch unverständlich gewesen wäre.

Zu den Aufgaben der Gestikforschung zählt heute, nicht mehr nur einzelne Gesten auf ihre Bedeutung zu befragen, sondern auch die Wechselwirkung zwischen Sprechakt, Gestik und individueller Körperdisposition zu analysieren. So untersuchten Mary Copple, Mone Welsche und Cornelia Müller vom Exzellenzcluster „Languages of Emotion“ der Freien Universität Berlin das Phänomen der Alexithymie, die sogenannte Gefühlsblindheit: Menschen mit Alexithymie haben Schwierigkeiten, Gefühle adäquat zu beschreiben. „Etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung ist alexithymisch“, so Copple. „Mithilfe der Gestikforschung wollten wir herausfinden, ob diese Menschen bestimmte Gefühle tatsächlich nicht empfinden, oder ob es sich um ein kognitives Problem handelt, sie zu artikulieren.“ 50 Stunden Videomaterial mit Interviews von 100 Versuchsteilnehmern – die Hälfte davon alexithymisch – sollte Aufschluss über das Auftreten sogenannter Posture-Gesture-Mergers (PGMs) geben, die spontan und intuitiv erfolgende Verschmelzung von Körperbewegung und Gestik beim Sprechen. „PGMs sind nicht intentional erlernbar sondern unmittelbare Ausdrücke einer Persönlichkeit, die sich in einem Gesprächsmoment besonders engagiert“, sagte Copple. So beugten sich beispielsweise manche Menschen plötzlich nach vorne, wenn sie etwas ausriefen, oder fielen in sich zusammen, wenn sie verunsichert würden.

Die Analyse des Videomaterials ergab, dass Menschen mit Alexithymie deutlich weniger PGMs produzierten – auffälligerweise jedoch nur dann, wenn sie zu ihren Gefühlen oder emotional besetzen Themen befragt wurden. Sollten sie Fragen aus einem Intelligenztest beantworten, zeigten sie eine normal hohe Anzahl von PGMs. „Das weist darauf hin, dass alexithymische Menschen bei geistiger Arbeit entspannter sind und entsprechend mit einer größeren Selbstverständlichkeit intuitiv gestikulieren“, schlussfolgerte Copple. Bei Alexithymie handele es sich also wahrscheinlich eher um eine kognitive Unzulänglichkeit, Emotionen und deren Ausdruck intuitiv synchronisieren zu können. Daran knüpften sich auch Fragestellungen für zukünftige Forschung: „Wir wollen untersuchen, ob PGMs bei Männern und Frauen unterschiedlich auftreten.“

Die Art und Anzahl der Gesten hängt indes nicht nur vom einzelnen Sprecher ab. Vielmehr müsse auch der kulturelle und sprachliche Raum betrachtet werden, in dem sich jemand bewege, so Tasha Lewis vom Marianopolis College im kanadischen Montreal. Sie stellte die Ergebnisse ihrer Studie vor, in der sie sechs englische Muttersprachler in einem Sprachkurs in Barcelona beobachtet hatte um herauszufinden, ob sich ihre Gestik verändern würde. Der Erwerb des Spanischen bedeutete auch einen Wechsel der Sprachfamilie, denn Englisch ist eine germanische, Spanisch eine romanische Sprache, in der meist bei Aussprechen des Verbs gestikuliert wird. „Ältere Studien haben behauptet, man behalte sein muttersprachliches Gestikmuster bei Erwerb einer Fremdsprache bei“, so Lewis. Die Auswertung ihres Videomaterials hätte jedoch ergeben, dass die Teilnehmer im Verlaufe ihres Sprachkurses zunehmend der spanischen Satzstruktur gemäß ihre Gesten platziert hätten. „Dieses Ergebnis stützt die hohe Bedeutung des Lernens im fremden Land“, bilanzierte Lewis. „Die subtilen Aspekte der Kommunikation, wie Gestik, fördern den umfassenden Erwerb einer Fremdsprache.“

Die nächste Konferenz der ISGS findet 2011 in Lund (Schweden) statt. „Bis dahin wird eine weitere beachtliche Zahl an Publikationen zur Gestikforschung erschienen sein“, so Müller. Vielleicht, hofft sie, schlage sie auch Wellen außerhalb des universitären Rahmens. Nicht zuletzt für Schauspieler dürfte ein detailliertes Wissen über Geschichte und Funktionsweisen von Gesten außerordentlich interessant sein.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/wenn-korper-sprechen-7062616.html

Was Gesten verraten

Die Körpersprache ist reich an versteckten Botschaften: Mit Armen und Beinen, Händen und Füßen geben Menschen so manches über sich preis. Ausladende Gesten und Selbstberührungen sind besonders viel sagend.

Team-Meeting: Ein Kollege kratzt sich am Kopf, ein anderer wippt beständig mit den Füßen, und eine Kollegin zwirbelt versonnen eine Haarsträhne um den Finger. Ob mit Händen oder Füßen: In den meisten Fällen laufen solche Bewegungen völlig unbewusst ab. Körpersprache gilt deshalb als echter, unverfälschter und verlässlicher als die gesprochene Sprache. Stimmt das? Und was verraten Gesten wirklich über das Gegenüber?

Lange hielt man die Körpersprache für bloßes Beiwerk. Dass sie einen Grundpfeiler der Kommunikation darstellt, erkannte als einer der Ersten der Psycholinguist David McNeill von der University of Chicago Anfang der 1990er Jahre. Für ihn waren Gesten »in Form gegossene Gedanken«. Wer genau auf sie achte, könne beinahe in die Köpfe hineinsehen, erklärt er in seinem Buch »Hand and Mind«.

Einstudierte Körpersprache hinkt hinterher

Noch bevor sie zu sprechen beginnen, teilen sich Babys mit Gesten mit. Typischerweise zeigen sie schon mit einem Jahr gezielt auf Dinge in ihrer Umgebung. Ob unsere Vorfahren Gesten benutzten, bevor sie sich mit Lauten ausdrückten, oder ob sich beide Formen der Kommunikation im Lauf der Evolution parallel entwickelt haben, ist noch unklar. Gewiss ist hingegen: Auch wenn wir uns längst verbal ausdrücken können, reden wir weiter mit Händen und Füßen. Und das sogar, wenn niemand zuschaut, denn die Bewegungen helfen beim Denken.

Wir betonen damit zum Beispiel, was uns wichtig ist. Etwa mit der Taktstockgeste, die Politiker häufig nutzen, wenn sie eine flammende Rede halten: Daumen und Zeigefinger formen dabei einen Ring, und wie ein Dirigent verleiht der Sprecher dem Gesagten mit dem Auf- und Abschnellen des unsichtbaren Stabs einen Beat. Sind solche Gesten einstudiert, erkennen wir das recht schnell. Sie wirken nicht spontan und hinken dem Gesagten leicht hinterher.

Südländer reden angeblich besonders viel mit den Händen. Doch das stimmt so nicht: Deutsche und Südeuropäer fuchteln beim Reden gleich viel. Der entscheidende Unterschied: »Südeuropäer neigen zu ausladenderen Gesten«, sagt Cornelia Müller von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Die Professorin für Sprachgebrauch und Multimodale Kommunikation hat die Gestik deutscher und spanischer Sprecher miteinander verglichen: »Nordeuropäer gestikulieren aus dem Handgelenk, Südeuropäer eher aus Schulter und Ellenbogen.« Deswegen spielen sich diese Gesten weiter weg vom Körper auf Kopfhöhe ab, während Deutsche eher verhalten vor der Brust gestikulieren.

Auch das Gegenüber beeinflusst die Gestik. Unbewusst verhalten wir uns zuweilen wie soziale Chamäleons: Wir lehnen uns nach vorne, wenn die andere Person das tut, oder schlagen wie sie die Beine übereinander. Passt sich jemand in seiner Gestik und Körperhaltung auffallend an, so deutet das auf Sympathie hin.

Die Körpersprache lässt aber auf mehr als das schließen. Gesten können verraten, was im Gegenüber gerade vorgeht. Ein Hinweis darauf, dass jemand angespannt, gestresst oder verlegen ist, sind spontane, unbewusste Selbstberührungen. Der Impuls, sich kurz an den Hals, das Kinn, die Nase oder Wange zu fassen, lässt sich nur schwer unterdrücken.

Selbstberührungen wirken beruhigend

Der Psychologe Martin Grunwald vom Haptik-Forschungslabor der Universität Leipzig hat untersucht, warum dieser Impuls vor allem in Stresssituationen auftritt. Er und sein Team gaben Versuchspersonen eine Gedächtnisaufgabe. Während diese sich anstrengten, das Gelernte im Kopf zu behalten, fassten sie sich häufiger ins Gesicht, und die im EEG vor und nach der unbewussten Berührung gemessenen Hirnströme unterschieden sich stark. »Wir erklären diese Veränderungen damit, dass der kurze Berührungsreiz jene Hirnaktivität verstärkt, die für eine Stabilisierung des emotionalen Zustands und eine Stabilisierung des Arbeitsgedächtnisses verantwortlich ist«, sagt Martin Grunwald. Das heißt: Spontane Selbstberührungen helfen offenbar, sich zu beruhigen und zu konzentrieren.

Gesten liefern also Anhaltspunkte zur momentanen Verfassung des Gegenübers. Aber offenbaren sie noch mehr über seine Person? Eine 2021 veröffentlichte Metaanalyse beschäftigte sich mit dieser Frage.

Die Forschungsgruppe um den Psychologen Simon Breil von der Universität Münster analysierte dafür 32 Studien zum Zusammenhang zwischen nonverbalen Signalen und der Persönlichkeit, erhoben mit Fragebogen zu den »Big Five«, den fünf zentralen Persönlichkeitsdimensionen. Zusätzlich erfassten manche Studien noch die Intelligenz. Zu den Merkmalen der Körpersprache zählten Handbewegungen, Haltung, die Breite des Stands und die Schrittlänge. Die große Frage: Spiegelt sich in ihnen der Charakter eines Menschen wider?

Die kurze Antwort: Ja. Den stärksten Zusammenhang fanden die Forschenden für das Merkmal Extraversion. Wer als extravertiert gilt, ist herzlich, gesellig, durchsetzungsfähig, aktiv, abenteuerlustig und fröhlich. Diese Kontaktfreudigkeit sieht man entsprechenden Zeitgenossen offenbar relativ leicht an. Neben einer ausdrucksstarken Mimik, einer lauten Stimme, einem gepflegten und modischen Äußeren wiesen auch eine entspannte, dem Gegenüber zugewandte Haltung und ausholende Gesten auf Extraversion hin.

»Nicht jeder, der gerade wild gestikuliert, ist extravertiert«, stellt Simon Breil klar. »Aber von allen Charaktermerkmalen, die wir uns angeschaut haben, schlug sich Extraversion am stärksten in der Gestik nieder. Wer geselliger ist und gerne auf andere zugeht, gestikuliert tendenziell mehr.« Zudem neigten extravertierte Menschen weniger dazu, sich kleinzumachen oder nervös herumzunesteln. Insgesamt nahmen sie mehr Raum ein und zeigten in der Regel eine entspannte und offene Körpersprache.

Für die anderen Charaktermerkmale fanden sich weniger Hinweise: Verträglichere Menschen machten im Schnitt etwas kleinere Schritte; gewissenhafte berührten sich etwas seltener am Körper und im Gesicht, hatten einen breiteren Stand und eine aufrechtere Haltung. Eine solche Haltung zeugte außerdem auch von Offenheit für neue Erfahrungen. Emotionale Labilität spiegelte sich ähnlich wie Introvertiertheit in einer steiferen Körperhaltung und nervösem Zappeln wider.

Die gefundenen Zusammenhänge waren allerdings nicht sehr groß. »Ja, es gibt Hinweise auf die Validität der Körpersprache im Hinblick auf die Persönlichkeitsdeutung. Die sind aber auf einem sehr, sehr niedrigen Niveau«, sagt Uwe Kanning. Er ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück und beschäftigt sich kritisch mit unwissenschaftlichen Methoden in der Personalauswahl. Ihm zufolge lässt sich nur ein kleiner Anteil der Persönlichkeitsunterschiede aus der Körpersprache vorhersagen.

»Wenn man einzelne körpersprachliche Merkmale betrachtet, bewegt sich das zwischen null und fünf Prozent. Die höchsten Zusammenhänge findet man für Extraversion. Für Intelligenz zum Beispiel gibt es gar keine«, berichtet Kanning. »Fügt man verschiedene körpersprachliche Merkmale zu einem Gesamtbild zusammen, steigt die Zahl wahrscheinlich maximal auf zehn Prozent«, schätzt er. Das heißt umgekehrt: 90 Prozent der Charakterunterschiede lassen sich nicht aus der Gestik herauslesen.

Die Bedeutung der Körpersprache wird überschätzt

An der Idee, dass sich das Innerste in der Gestik offenbart, ist also durchaus etwas dran – nur eben nicht so viel wie vermutet. »Menschen überschätzen die Bedeutung von Körpersprache«, sagt Simon Breil. »Gerade beim ersten Eindruck, wenn wir noch nichts über die Person wissen, verlassen wir uns stark darauf, etwa beim Dating oder im Bewerbungsprozess.«

Quelle: https://www.spektrum.de/news/koerpersprache-was-gesten-ueber-uns-verraten/1912954

„Sei einfach, wie du bist“

Nicht nur was wir sagen, sondern auch das, was in unserer Mimik, im Blickkontakt, in Gestik und Körperbewegung mitschwingt, spiegelt unsere Persönlichkeit wider. Wie wir mithilfe unserer Körpersprache – nicht nur im Vorstellungsgespräch – nonverbale Signale senden und warum sich diese nur schwer steuern lassen, erläutert der Psychologe, Autor und Coach Markus Väth.

Herr Väth, wir kommunizieren, auch wenn wir gerade nichts sagen. Wie das?

Markus Väth: Jeder Mensch sendet neben dem, was er sprachlich mitteilt, bestimmte Signale. Wir sprechen zusätzlich zu inhaltlichen Äußerungen nonverbal mit unserem Körper – durch Mimik, Gestik, Körperhaltung und -bewegung.

Viele haben die Sorge, dass sich ihre Körpersprache – etwa in Vorstellungs­gesprächen – negativ auf das Gesagte auswirkt, weil sie mit dem Fuß wippen oder die Arme verschränken. Beides gilt ja als No-Go, oder?

Markus Väth: Man sollte sich nicht zu viele Sorgen darüber machen, wie bestimmte Verhaltensweisen gedeutet werden könnten. Zuschreibungen wie „No-Go“ empfinde ich als problematisch. Da geistert viel Pseudowissen umher – im Internet, aber auch durch Personaler-Köpfe. Es ist schwierig, Körpersignale zu interpretieren, gerade wenn man dem Gesprächspartner das erste Mal gegenübersitzt. So müssen verschränkte Arme nicht zwangsläufig Zurückweisung signalisieren. Ich selbst etwa nehme diese Haltung ein, wenn ich intensiv nachdenke. Das hat nichts mit Abwehr zu tun. Sitzt ein Bewerber beispielsweise etwas schief da, ist das nicht zwingend mangelndem Respekt und Desinteresse geschuldet, sondern kann einfach nur bedeuten, dass das Hotelbett unbequem war.

Kann man auf seine Körpersprache überhaupt einwirken?

Markus Väth: Körpersprache lässt sich nur äußerst schwer trainieren. Und in Vorstellungsgesprächen schaltet der Stress einstudierte Körpersprache oft schlicht aus. Daher ist es schwierig, seine nonverbale Kommunikation bewusst zu beeinflussen.

Man kann sich also positiv wirkende Signale nicht antrainieren?

Markus Väth: Klar kann man versuchen, Gestik und Mimik gezielt einzusetzen – verbal auf den Gesprächspartner einzugehen und gleichzeitig all das Nichtgesagte, das nebenher mitschwingt, zu kontrollieren und zu steuern, erfordert jedoch jahrelanges konsequentes Üben. Sonst wirkt es schnell künstlich und wenig überzeugend. Es dauert, bis sich solche Verhaltensweisen einschleifen und in Situationen, in denen wir unter Druck stehen, abgerufen werden können. 

Also darf die Mimik Ihrer Meinung nach auch mal entgleisen und das Lächeln verrutschen?

Markus Väth: Meiner Meinung nach ja. Ein eingefrorenes, angespanntes Passfotolächeln wirkt wenig authentisch. Da lächelt nur der Mund, die Augen jedoch nicht, das bleibt dem Gesprächspartner nicht verborgen und verwirrt eher. Ein Funke springt so nicht über.

Und wie verhält es sich mit nervösem Zappeln oder wildem Gestikulieren?

Markus Väth: Gesten unterstreichen ja im besten Fall das Gesagte. Nimmt das Herumfuchteln und Zappeln jedoch überhand, kann es helfen, die Bewegung zu kanalisieren. Zum Beispiel indem man einen Stift in den Händen hält. 

Und was wollen Sie jungen Menschen sonst noch mitgeben, die vor ihrem ersten Vorstellungsgespräch stehen?

Markus Väth: Seid einfach, wie ihr seid. Viel wichtiger als einstudierte körpersprachliche Verhaltensweisen sind die Grundregeln der Höflichkeit. Ein Händedruck zur Begrüßung, dem Gegenüber dabei in die Augen schauen – das kann man in der Familie oder im Supermarkt üben – und sich auf einen kurzen Smalltalk einlassen ist die halbe Miete für einen gelungenen Gesprächsbeginn. Das beste Mittel, die Körpersprache zu verbessern, ist, voller Selbstvertrauen in das Gespräch zu gehen. Wenn man von seinen Fähigkeiten überzeugt ist, dann strahlt man auch leichter Souveränität aus.

Quelle: https://abi.de/bewerbung/vorstellungsgespraech/koerpersprache

Menschen

Kein Krieg Mehr!!!

Mein Name ist Mensch – Ton Steine Scherben

Ich habe viele Väter, ich habe viele Mütter
Und ich habe viele Schwestern und ich habe viele Brüder
Meine Väter sind schwarz und meine Mütter sind gelb
Meine Brüder sind rot und meine Schwestern sind hell

Ich bin über zehntausend Jahre alt und mein Name ist Mensch
Ich bin über zehntausend Jahre alt und mein Name ist Mensch

Ich lebe von Licht und ich lebe von Luft
Ich lebe von Liebe und ich lebe von Brot
Ich habe zwei Augen und kann alles sehn
Ich habe zwei Ohren und kann alles verstehen

Ich bin über zehntausend Jahre alt und mein Name ist Mensch
Ich bin über zehntausend Jahre alt und mein Name ist Mensch

Wir haben einen Feind, er nimmt uns den Tag
Er lebt von unserer Arbeit und er lebt von unserer Kraft
Er hat zwei Augen und er will nicht sehen
Er hat zwei Ohren und will nicht verstehen

Er ist über zehntausend Jahre alt und hat viele Namen
Er ist über zehntausend Jahre alt und hat viele Namen

Ich weiß, wir werden kämpfen und ich weiß, wir werden siegen
Ich weiß, wir werden leben und wir werden uns lieben
Der Planet Erde wird uns allen gehören
Und jeder wird haben, was er braucht

Es wird keine zehntausend Jahre mehr dauern, denn die Zeit ist reif
Nein, es wird keine zehntausend Jahre mehr dauern, denn die Zeit ist reif
(Die Zeit ist reif, die Zeit ist reif)

Schrott

Günter Grass Multitalent und Moralist

Er war einer der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und galt lange als moralische Instanz. Später geriet Günter Grass – unter anderem wegen seiner SS-Vergangenheit – in die Kritik.

1959 wurde der bis dahin unbekannte Autor über Nacht mit seinem Roman «Die Blechtrommel» berühmt. Als ihn die Schwedische Akademie der Wissenschaften 40 Jahre später, am 10. Dezember 1999, mit dem Nobelpreis für Literatur für sein Lebenswerk auszeichnet, begründet das Komitee seine Entscheidung unter anderem mit dem Hinweis, Grass habe «in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet». Die Jury wagte die Vermutung, dass «Die Blechtrommel» zu den «bleibenden literarischen Werken des 20. Jahrhunderts gehören wird».

Günter Grass: Ein Kriegskind

Günter Grass erblickte am 16. Oktober 1927 in Danzig das Licht der Welt. Seine Eltern besaßen im Danziger Vorort Langfuhr ein Kolonialwarengeschäft. Grass besuchte die Volksschule und das Gymnasium Conradinum in Danzig. Als 15-Jähriger meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht. Er war zunächst Luftwaffenhelfer und wurde mit 17 Jahren zu einer Panzer-Division der Waffen-SS einberufen. Als Grass bei Kriegsende in Gefangenschaft geriet, gab er sich den Amerikanern auch als Angehöriger der Waffen-SS zu erkennen. Öffentlich gab er diese Mitgliedschaft allerdings erst im August 2006 zu. Zuvor hieß es in Biografien über Grass stets, er sei 1944 Flakhelfer geworden und danach als Soldat einberufen worden.

Studium der Bildhauerei

Nach Monaten der Kriegsgefangenschaft in Bayern verdiente sich der junge Grass seinen Lebensunterhalt zunächst als Landarbeiter und Arbeiter in einem Kalibergwerk bei Hildesheim. Ab 1947 arbeitete er bei einem Steinmetz in Düsseldorf. 1948 bis 1952 studierte er Grafik und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, dann bis 1956 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Mit ersten Ausstellungen von Plastiken und Grafiken stellte sich Grass in dieser Zeit in Stuttgart und Berlin als Bildhauer vor.

«Die Blechtrommel» macht Günter Grass berühmt

Doch Grass war auch schon als Schriftsteller tätig: Erste öffentliche Anerkennung fand er 1955 bei einem Lyrikwettbewerb des Süddeutschen Rundfunks und bei der gesellschaftskritischen «Gruppe 47». Bis 1958 entstanden vor allem Kurzprosa, Gedichte und Theaterstücke, die Grass selbst dem «poetischen» oder «absurden» Theater zuordnete. An den Bühnen der Stadt Köln wurde 1958 sein Stück «Onkel, Onkel» uraufgeführt. Im selben Jahr erhielt er nach einer Lesung aus dem Manuskript «Die Blechtrommel» den Preis der Gruppe 47.

Wahlheimat von Günter Grass ist Lübeck

In erster Ehe war Günter Grass ab 1954 mit der Schweizer Tänzerin Anna Margareta Schwarz verheiratet. Mit ihr lebte er von 1956 bis 1959 in Paris, dann in Berlin. Aus dieser Ehe stammen seine Tochter Laura und seine drei Söhne: die Zwillinge Franz und Raoul und Bruno. Zudem bekam er mit zwei anderen Frauen die Töchter Helene und Nele. Seit 1979 war Grass in zweiter Ehe mit der Organistin Ute Grunert verheiratet, die zwei Söhne mit in die Ehe brachte. Ende 1995 zog Grass mit ihr nach Lübeck.

«Danziger Trilogie» begründet Ruf als leidenschaftlicher Moralist

Als einer der führenden Epiker seiner Generation etablierte sich Grass mit seiner «Danziger Trilogie». Der Entwicklungsroman «Blechtrommel», mit dem er 1959 den internationalen Durchbruch schaffte, die Novelle «Katz und Maus» (1961) und der Roman «Hundejahre» (1963) fanden mit ihrer exzessiven und provokativen Sprache eine ebenso breite wie kritische Resonanz. Sie belegten nicht nur Grass’ meisterhafte Erzählkunst, sondern begründeten auch seinen Ruf als leidenschaftlicher, politischer Moralist.

Mit seinem für einen deutschen Schriftsteller ungewohnten politischen Engagement vor allem in den 60er-Jahren wurde Grass eine gewichtige Figur in der Bundesrepublik. Er ging 1965, 1969 und 1972 für die SPD auf Wahlkampftournee und repräsentierte den Typus des linksliberalen Intellektuellen, der sich antidemokratischen Praktiken mit großer Konsequenz verweigerte. Im Januar 1967 forderte Grass die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Er sympathisierte mit dem «Prager Frühling» und setzte seinen Dialog mit dem tschechischen Schriftsteller Pavel Kohout auch nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten nach Prag fort. Er beteiligte sich an Protestaktionen in Ost und West gegen die «Notstandsgesetze», gegen «autoritären Klerikalismus», «reaktionäre Bundespolitik» und die «Unterdrückung der Freiheit in der DDR».

Viele seiner Werke aus dieser Zeit befassen sich mit der Verantwortung der Intellektuellen und sind vom politischen Engagement des Autors geprägt – so das deutsche Trauerspiel «Die Plebejer proben den Aufstand» (1966), das Zeitstück «Davor» (1969), der Roman «örtlich betäubt» (1969) und die Erzählung «Aus dem Tagebuch einer Schnecke» (1972) .

Der politische Mensch

Kämpfer für den Frieden

Nach 1972 zog sich Grass für einige Jahre aus der politischen Öffentlichkeit zurück, machte aber mit Zeichnungen, Gedichten, Grafiken und Kunstausstellungen weiterhin von sich reden. Seinen internationalen Ruhm als Epiker unterstrich er mit dem 1977 erschienenen Roman «Der Butt». 1980 folgte das umstrittene Buch «Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus». In den folgenden Jahren befasste sich Grass wieder verstärkt mit Lithografie und Bildhauerei. 1986 legte er das große, auch sein Engagement in der Umwelt- und Friedensbewegung widerspiegelndes Prosawerk «Die Rättin» vor.

Mal mit der SPD, mal weg von ihr

Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition in Bonn 1982 wurde Grass SPD-Mitglied und engagierte sich verstärkt in der Friedensbewegung. Er unterzeichnete das «Heilbronner Manifest», in dem Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler 1983 wegen der Stationierung der Pershing-2-Raketen in der Bundesrepublik zur Wehrdienstverweigerung aufriefen. Grass veröffentlichte die Textsammlung «Widerstand lernen – Politische Gegenreden 1980-1983». Bei der Landtagswahl 1987 in Schleswig-Holstein unterstützte Grass, der zu der Zeit in Wewelsfleth lebte, öffentlich den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm.

Die Rolle des politischen Mahners übernahm Grass wieder, als 1990 die Wiedervereinigung die Tagespolitik bestimmte. Er wandte sich gegen eine «Ruck-zuck-Einheit über den bloßen Anschlussartikel 23 des Grundgesetzes» und warb stattdessen für eine allmählich zusammenwachsende föderalistische deutsche Kulturnation. Mit seiner Erzählung «Unkenrufe» setzte Grass 1992 das Bemühen um die schwierige Versöhnung der Deutschen mit sich und den östlichen Nachbarn fort. Im Januar 1993 trat Grass aus Protest gegen die Asylpolitik der Sozialdemokraten wieder aus der SPD aus. Doch im Bundestagswahlkampf 1998 setzte er sich in den ostdeutschen Städten Schwerin, Weimar, Jena und Erfurt für den SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder und eine rot-grüne Bundespolitik ein.

Grass’ Bücher: Zwischen Fiktion und Autobiografie

Heftige Debatten löste Grass mit seinem 1995 erschienenen Roman «Ein weites Feld» aus, der in der DDR zwischen dem Mauerbau und der Wiedervereinigung spielt und aus den Erinnerungen der Hauptfiguren ein Panorama deutscher Geschichte zwischen der Märzrevolution von 1848 und der Gegenwart entwirft. Vier Jahre später stellte Grass in München sein im Voraus bereits hoch gelobtes Werk «Mein Jahrhundert» vor, in dem er ein teils autobiografisches, teils fiktives Bild von Höhe- und Tiefpunkten des 20. Jahrhunderts entwarf und einen «besonderen Scharfblick für den verdummenden Enthusiasmus» zeigte.

Für politischen und publizistischen Wirbel sorgte Grass im Oktober 1997 mit seiner Laudatio auf den türkischen Schriftsteller Yasar Kemal, der den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt. Unter anderem kritisierte Grass die deutsche Asyl- und Türkeipolitik sowie die Abschiebepraxis der Bundesregierung, die er als «abermalige, diesmal demokratisch abgesicherte Barbarei» bezeichnete.

«Im Krebsgang» über den Untergang der «Wilhelm Gustloff»

2002 nahm Grass sich mit der Novelle «Im Krebsgang» noch einmal eines Wendepunkts der deutschen Geschichte an. In dem Buch geht es um die schwerste Schiffskatastrophe aller Zeiten: den Untergang des «Kraft-durch-Freude»-Kreuzschiffs «Wilhelm Gustloff» am 30. Januar 1945 in der Ostsee mit 10.000 Flüchtlingen an Bord. Kritiker würdigten nicht nur die packende Schilderung, sondern auch die Tatsache, dass sich Grass eines von der deutschen Literatur lange gemiedenen Stoffes angenommen hatte: der deutschen Vertreibung aus dem Osten.

Das Waffen-SS-Geständnis

Am 12. August 2006 – kurz vor Erscheinen der Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» – räumt Grass in einem Zeitungsinterview erstmals ein, als 17-Jähriger zur Waffen-SS einberufen worden zu sein und 1944 seinen Dienst als Panzerschütze angetreten zu haben. An Kriegsverbrechen sei er aber nicht beteiligt gewesen. Das späte Eingeständnis führt zu einer heftigen Debatte in deutschen und internationalen Medien. Es wurden Stimmen laut, die forderten, Grass solle die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Danzig zurückgeben. «Es waren aufregende Tage. Seither ist es etwas ruhiger geworden», sagte Grass ein Jahr danach bei einer Lesung in Berlin.

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/Guenter-Grass-Multitalent-und-Moralist,guentergrass218.html

Interview mit Günter Grass

Zwei Jahrzehnte fasst Günter Grass’ Erinnerungsbuch «Beim Häuten der Zwiebel» ins Auge – den Zeitraum zwischen 1939 und 1959. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war der Autor 12 Jahre alt. 1959 markierte die Veröffentlichung seines Romans «Die Blechtrommel» den Beginn einer internationalen Karriere. Drei Jahre lang hat Günter Grass an dem jetzt vorliegenden autobiographischen Band gearbeitet. Aus seinem Eingeständnis, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine isolierte Nachricht gemacht. Die Medienkarriere dieser Nachricht überrascht den Schriftsteller. Stephan Lohr, Redakteur von NDR Kultur, hat Günter Grass auf seine Schwierigkeit angesprochen, sich selbst als Hauptfigur seines neuen Buches zu beschreiben. Hier der Wortlaut des Interviews.

Günter Grass: Das ist der Versuch einer Annährung an eine eher fremde und erdrückte Person gewesen und nur mit Hilfe der Zwiebel, mit der Erinnerung bestimmter Situationen wie ich z. B. 1958 zum ersten Mal von Paris nach Danzig wieder fahren durfte und in der Stadtbibliothek sitze, sehe ich ihn quasi als Jungen dort, als 13-jährigen in der Bibliothek an den Lesetischen sitzen. Und das sind so Momente, in denen er mir wieder fassbar wird und dann verschwindet er wieder. Ich muss ihn immer wieder mit Hilfe der Erinnerung oder wie es heißt mit dem Häuten der Zwiebel herbeizitieren, und er wehrt sich dagegen und das sind Annährungen, das ist ein ungeheuerer Zeitraum.

Stephan Lohr: Sie bemühen die Zwiebel-Metapher ja schon im Titel des Buches «Beim Häuten der Zwiebel» und Sie selbst weisen darauf hin, dass beim Zwiebelschneiden einem auch die Tränen in die Augen schießen. Das verwischt ja manchmal auch den Blick. Also das Häuten der Zwiebel sind nicht nur die Gedächtnisschichten, die frei werden, sondern manchmal auch der unscharfe Blick?

Grass: Dass die Erinnerung uns auch täuschen kann, das versuche ich mitzuschreiben, dass sie dazu neigt, die Dinge zu schönen oder zu dramatisieren oder verwickelte Fakten so zu ordnen, dass eine Anekdote daraus wird, erzählbar wird. Dieses Misstrauen der Erinnerung gegenüber, das Gedächtnis wiederum, wenn es dann etwas aufbewahrt hat, ist pedantischer. Also auch den Gegensatz zwischen Gedächtnis und Erinnerung versuche ich mit literarischen Mitteln zum Teil auch in Gegensatz zu bringen.

Lohr: Herr Grass, Ihre Mitteilung, von Herbst/Winter 1944 ein Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, bewegt, das bekommen Sie auch mit, international inzwischen die Gemüter. Für Sie war das damals kein Skandalon, das schreiben Sie deutlich. Heute sprechen Sie von Makel und Scham. Wann ist Ihnen klar geworden, daß die Waffen-SS weniger eine Eliteeinheit als vielmehr eine Verbrecherbande war?

Grass: Nach dem Krieg, und zwar so, wie die Informationen auf mich und auf viele Menschen zukamen. Wir erfuhren ja immer mehr von den Greueln, von den Geiselerschießungen, von den Beteiligungen an den Judenmorden. Das sind alles Dinge, die im Verlauf der Jahrzehnte dieses von uns Deutschen begangene Verbrechen eigentlich in eine immer größere Dimension gesteigert haben. Das hat ja bis heute nicht aufgehört, aber zu dem damaligen Zeitpunkt habe ich das nicht gesehen und nicht begriffen. Für mich ist es auch im Umgang mit mir selbst oder mit dem Jungen und dem jungen Mann. Wenn Sie das Buch ja jetzt gelesen haben, werden Sie merken, dass ich mir bestimmte Dinge viel stärker vorwerfe, als dass ich hineingeraten bin in die Waffen-SS, z. B., dass ich versäumt habe, nach dem Erschießungstod meines Onkels, der bei der polnischen Post war, Fragen zu stellen, als mein Mitschüler Wolfgang Heidrichs verschwand, habe ich nicht die entscheidenden Fragen gestellt, als ein Lehrer von der Schule verschwand und im KZ landete und dann wenige Monate später wieder kam und nicht darüber sprach, haben wir und ich keine Fragen gestellt. Es gibt ein ganzes Kapitel, das heißt «Wir tun so was nicht». Es handelt von meiner Zeit beim Arbeitsdienst, und da gab es einen, der gehörte zu den Zeugen Jehovas, der sich selbst nicht artikulieren konnte, nur einen Satz sagte er: «Wir tun so was nicht» und er hat kein Gewehr angefasst, er ließ es fallen und er wurde geschliffen. Wir haben ihn einerseits bewundert, und auch ich habe ihn bewundert und die anderen auch, aber auch gehasst, weil er sich weigerte und wir mit ihm mitgeschliffen wurden. Auch das hat mich nicht zur Einsicht gebracht. Das sind eigentlich die Dinge, die Momente, wo ich am kritischsten mit mir umgehe.

Lohr: Und wie erklären Sie sich, Günter Grass, das beschreiben Sie ja sehr genau, das sagen Sie ja in dem Buch, dass Sie nicht mal rumgefragt haben, diesen Widerspruch ihrer Aufsässigkeit, dieser aufsässige Junge, der Sie auch waren, und der Anpassung andererseits?

Grass: Das ist diese ideologische Verblendung gewesen und der offenbar durch nichts zu erschütternde Glaube, dass es eine gerechte Sache ist, für die Deutschland von Feinden umringt kämpft und die bolschewistische Flut, das war jedenfalls in meiner jugendlichen Umgebung unumstritten.

Lohr: Günter Grass, was sagen Sie den Kritikern, und wir reden jetzt von den ernst zu nehmenden, die Ihnen gar nicht diese Waffen-SS-Mitgliedschaft vorwerfen, sondern die darauf insistieren und sagen, das Geständnis, das Eingeständnis, die Mitteilung ist gut, aber sie kommt zu spät?

Grass: Ja, diese Kritik muss ich wahrnehmen, und es ist eine, die ich mir selber stelle. Auch das wird im Buch deutlich. Ich hab’ es bis dahin nicht geschafft, ich kann nur, nicht entschuldigend, aber erklärend sagen, dass es bestimmte Themen gab, die bei mir lange lagerten, ich habe also auch erst zu einem sehr späten Zeitpunkt, obgleich der Stoff immer da war und auch gestaltet werden wollte, erst sehr spät – «Im Krebsgang» -, den Untergang der Wilhelm Gustloff schreiben können. Und gleiches trifft hier zu. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, ich war nicht in der Lage, das einfach in der Öffentlichkeit mitzuteilen; ich hab’ das mit mir herumgetragen. Es war mit Pausen immer präsent, es war da, und erst als ich für mich die Form des autobiografischen Schreibens gefunden habe, war ich in der Lage, das mitzuteilen.

Lohr: Und was sagen Sie denen, die von Ihnen als moralischer Instanz nun enttäuscht sind?

Grass: Ja, ich muss mit dieser Kritik leben, ich will das alles auch nicht zurückweisen, wenn ich das so zur Kenntnis nehme, werd’ ich an meinen politischen Beurteilungen und meinen Einschätzungen nichts zurücknehmen. Ich habe, glaube ich, in all den Jahrzehnten als Schriftsteller wie auch als Bürger meine politische Position bezogen und habe mich zu einem sehr frühen Zeitpunkt, als das umstritten war, für den Brückenbau zwischen Deutschen und Polen, für das Gespräch zwischen Deutschen und Polen eingesetzt bei all den Schwierigkeiten, die noch während der Zeit der kommunistischen Zeit herrscht und die hat ja bis heute nicht abgenommen, davon nehme ich nichts zurück. Ich habe bestimmte soziale Mißstände in der Bundesrepublik kritisiert und angegriffen. Ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass ein Mann wie Kurt Georg Kiesinger, der ein führender Nazi war, nicht hätte Bundeskanzler werden dürfen. Was soll ich davon zurücknehmen? Das sind Einschätzungen, die ich auch aufgrund meiner Erfahrungen gemacht habe. Ich gehöre zu dieser gebrannten Generation und habe daraus sehr früh dann nach und nach mit dem Wachsen meiner politischen Einsichten und Kenntnisse meine Konsequenzen daraus gezogen. Wenn man mir das zum Vorwurf machen will, gut, das muss ich dann hinnehmen, nur von diesen Dingen bin ich nicht bereit, etwas zurückzunehmen, und ich werde mich auch weiterhin als Schriftsteller wie auch als Bürger äußern.

Lohr: Günter Grass, die von Ihnen im Buch selber an manchen Stellen beklagten Erinnerungslücken und Filmrisse werden zum Teil jetzt durch Dokumente gefüllt, da gibt es jetzt Meldungen, dass aus Ihrer Entlassung bei der Kriegsgefangenschaft Archivfunde vorliegen. Wie bewerten Sie diese bisher gefundenen Schriftstücke?

Grass: Also, was ich bis jetzt gehört habe, ist es eigentlich ’ne Bestätigung dessen, was im Buch steht, dass ich bei der Waffen-SS-Panzerdivision Frundsberg gewesen bin. Das ist bekannt. Ich habe das vergessen, das so etwas registriert wurde; ich bin ja aus dem Lazarett in Gefangenschaft gekommen. Nachdem ich ausgeheilt war, kam ich in Gefangenschaft. Und da ist das sicher aktenkundig geworden und aufbewahrt worden, wie alles aufbewahrt wird, und bestätigt das, was ich im Buch schreibe.

Lohr: Wussten Sie, das möglicherweise Veröffentlichungen bevorstanden?

Grass: Das ist nun wirklich abenteuerlich und reine Spekulation und Behauptung. Ich habe vor drei Jahren angefangen, an diesem Buch zu arbeiten, und habe mich also unter keinerlei Druck durch Veröffentlichung bei Behörden gesehen. Der Zwang, den ich ausgeübt habe, der kam von mir. Ich habe mich gezwungen, darüber zu schreiben.

Lohr: Letzte Frage: Bei aller öffentlichen Erregung, die Sie auch in Ihrem Urlaub erreicht, Günter Grass, fühlen Sie sich erleichtert, dass das jetzt raus ist, dieses Stück Lebensbeichte?

Grass: Diese Erleichterung habe ich schon, bevor es überhaupt zu dieser Diskussion kam, gespürt. Also dieses schwierige Unterfangen, dieses Buch zu schreiben, das aus meiner Sicht mir als geglückt erschienen war. Da setzte diese Erleichterung ein. Ich muss abschließend sagen, jetzt liegt das Buch vor und die Leser können sich ein Bild machen – und ich hoffe, dass das Buch also auch in dem Sinne für mich sprechen wird.

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/nkult354_page-2.html

Günter Grass – Intellektueller und Schriftsteller (Doku)

Die Blechtrommer: Günter Grass’ kontroverser Roman

Im Herbst 1959 sorgte der Debütroman eines bis dahin weitgehend unbekannten Autors auf der Frankfurter Buchmesse für Aufmerksamkeit: die Geschichte eines kleinwüchsigen Monstrums namens Oskar Matzerath, die mit einer Mischung aus kindlicher Naivität und perfider Boshaftigkeit, mit vor Kraft strotzendem Ausdruck und tabuloser Detailfreude das literarische Deutschland durcheinanderwirbelte. «Die Blechtrommel» von Günter Grass war erschienen – ein Roman, so unerhört, dass er unter Deutschlands Kritikern «Schreie der Freude und Empörung» hervorrufen werde, prophezeite im November 1959 Hans Magnus Enzensberger, mit dem Deutschland aber wieder das «Klassenziel der Weltliteratur» erreicht habe.

«Die Blechtrommel» spaltet die Nation

Enzensberger sollte Recht behalten: Die Blechtrommel katapultierte Grass von einem Tag auf den anderen in die Riege der wichtigsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts, in eine Reihe mit Alfred Döblin und Thomas Mann. Sie sorgte gleichzeitig aber auch für einen politischen Skandal: Kirchen und Soldaten gingen gegen das Buch auf die Barrikaden, nannten es «blasphemisch» und «jugendgefährdend». Als Grass den Literaturpreis der Stadt Bremen erhalten sollte, legte der Bremer Senat sein Veto ein. Man könne unmöglich einem Autor diesen Preis geben, dessen Buch bald schon indiziert werden könne, so die damalige Bildungssenatorin. Der Proteststurm gegen diese Entscheidung war groß. Auch die Schriftsteller Ingeborg Bachmann und Paul Celan wandten sich mit empörten Schreiben an den Bremer Senat. «Die Blechtrommel» war zum Politikum geworden.

Ein Trommler gegen das Schweigen

Doch was ist dran, an der Geschichte des Oskar Matzerath, der mit drei Jahren beschließt, nicht mehr zu wachsen, dessen Stimme Glas zerspringen lässt und der mit seiner Blechtrommel den Menschen seinen Willen aufzuzwingen vermag? Eine Geschichte, die 1899 auf einem Kartoffelacker in der Kaschubei beginnt und 1955 in einer geschlossenen Pflegeanstalt in Düsseldorf endet? Dazwischen liegen mehr als fünf Jahrzehnte deutscher Geschichte.

Sie spielt im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik, erzählt von der Zeit des Nationalsozialismus und der Gründung der Bundesrepublik, die sich lange Zeit gegen eine intensive Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit sträubte. Gegen dieses Verdrängen schrieb Günter Grass an, gegen das Verschweigen ließ er seinen Oskar trommeln. Der Gnom aus der Heilanstalt entlarvt mit gespielter kindlicher Unschuld nicht nur die Scheinheiligkeit vieler ehemaliger NSDAP-Mitglieder nach dem Krieg – so steckt er seinem Vater Alfred Matzerath dessen Parteiabzeichen zu, just in dem Augenblick, als sie von russischen Soldaten kontrolliert werden – er wird selbst zum Sinnbild des deutschen Kleinbürgers der Nachkriegszeit: Das genaue Gegenteil des heldenhaften riesigen Herkules, mit dem sich die Deutschen zuvor so gern identifizierten. Ein intelligenter Erwachsener beschließt, Kind zu bleiben, um sich so jeder Verantwortung entziehen zu können, obgleich er selbst mehrfach zum Mörder wird. Erst nach dem Krieg beginnt Oskar wieder zu wachsen, doch er bleibt deformiert. Die Zeit der Verweigerung, sich der Realität zu stellen, hat ihre Spuren hinterlassen.

Am Pranger der Scheinheiligkeit

Gleichzeitig ist Oskar das Brennglas, unter dessen vermeintlich kindlicher Perspektive Grass schonungslos die Verführbarkeit und die Unzulänglichkeit der Menschen in Weimar und unter den Nationalsozialisten aufzeigt. Er seziert ihre Schwächen in Großaufnahme, mit jedem ekelerregenden Detail – etwa beim Tod von Oskars Mutter Agnes oder der ungezügelten Sexualität seiner Stiefmutter Maria. Gleichzeitig thematisiert Grass aber auch die allzu schnelle Re-Integration von Amtsträgern und Kriegsverbrechern der Nazi-Zeit: Der Leiter der Schaustellertruppe, Bebra, bleibt auch nach Kriegsende gut im Geschäft, der Obergefreite Lankes, der den Mord an mehreren Nonnen in der Normandie befehligte, gelingt der Aufstieg zum etablierten Maler – von Nonnenbildern.

Diese Zuspitzungen bis an die Grenze des Perversen mussten schockieren. Denn zum einen hatte es in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur solch eine tabubrechende Sprachgewalt noch nicht gegeben, zum anderen war ihre Aussage an jeden einzelnen gerichtet. Grass forderte mit seiner Blechtrommel zur Auseinandersetzung mit der jeweils individuellen Schuld der deutschen Bürger auf. Nicht einige wenige, nein, das deutsche Volk in seiner Gesamtheit habe den Nationalsozialismus mit allen seinen schrecklichen Auswirkungen mitgetragen, das war Oskars Botschaft. Dieser Aufarbeitung weiter aus dem Wege zu gehen, war mit einem Trommelschlag unmöglich geworden.

Literaturnobelpreis für die «Die Blechtrommel»

Den Werken anderer großer deutscher Schriftsteller des Jahres 1959 wurde solche Aufmerksamkeit nicht zuteil – Heinrich Böll veröffentlichte in diesem Jahr mit «Billard um halbzehn» eines seiner Hauptwerke und der junge Uwe Johnson trat mit «Mutmaßungen über Jakob» erstmals mit einem Roman an die Öffentlichkeit. Doch der Klang der Blechtrommel war weit über die deutschen Grenzen hinaus zu hören und machte damit die deutsche Literatur auch international wieder glaubwürdig. «Die Blechtrommel» sei die «Wiedergeburt des deutschen Romans im zwanzigsten Jahrhundert» gewesen, würdigte 40 Jahre nach dem Erscheinen des Buches die schwedische Akademie Grass’ Erstlingswerk – und verlieh ihm für dieses Buch die höchste Literaturauszeichnung überhaupt: den Nobelpreis.

Und auch bei seinen internationalen Schriftstellerkollegen ist es «Die Blechtrommel», die seinen Ruf festigte: Salman Rushdie, John Irving, Nadine Gordimer, Kenzaburo Oe – sie alle bestätigten, dass es der kleine Oskar Matzerath mit seiner Kindertrommel gewesen sei, der sie in ihrem Schreiben motiviert und inspiriert habe. «‘Die Blechtrommel’ ist der größte Roman eines lebenden Autors», urteilte Irving 1982. Aber, so Irving weiter: Auch Grass selbst habe dieses erste Werk nicht mehr übertroffen.

«Die Blechtrommel»: Ruhm und Fluch für Günter Grass

Grass selbst hat an dieser häufig vorgenommenen Reduktion seines Gesamtwerkes auf «Die Blechtrommel» immer wieder Anstoß genommen. An weiteren großen oder viel diskutierten Werken des Autors mangelt es schließlich nicht: Die Vollendung seiner Danziger Trilogie – mit «Katz und Maus» und «Hundejahre» -, «Der Butt», oder sein halb-autobiografisches Werk «Beim Häuten der Zwiebel», das 2006 wegen Grass’ Bekenntnis, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, für Schlagzeilen sorgte. Doch trotz allem: Der Name Günter Grass bleibt untrennbar verbunden mit seinem ersten Werk, mit der Blechtrommel und mit Oskar Matzerath.

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Die-Blechtrommel-Guenter-Grass-kontroverser-Roman,blechtrommel112.html

Günter Grass: «Die Blechtrommel»

Ein Roman, der einschlug wie eine Bombe. Weltkriegs- und Jahrhundertgeschichte aus der Perspektive eines Kleinwüchsigen – und eine Abrechnung mit dem Deutschland der restaurativen fünfziger Jahre.

Man muss sich tatsächlich vergegenwärtigen, wie die politische Stimmung in der Bundesrepublik der fünfziger Jahre war, um zu verstehen, mit welcher Wucht dieser Roman auf Leser und Kritiker traf. 1959, das war das Deutschland der Adenauer-Ära, das sich noch immer schwer tat mit seiner NS-Vergangenheit. Tätern und Mitläufern des Regimes hatte man stille Absolution erteilt und sie sogar in hohe Positionen in Politik und Verwaltung gesetzt. Und dann erschien «Die Blechtrommel», das Debüt des gelernten Steinmetzes und Bildhauers Günter Grass, der bis dahin lediglich einen Gedichtband veröffentlicht hatte.

Ein Buch, das wie eine Bombe einschlug: derb, böse, in einer deftig-barocken Sprache. Und voller Tabubrüche. Weltkriegs- und Jahrhundertgeschichte aus der Perspektive des kleinwüchsigen Oskar Matzerath, der mit drei Jahren beschließt, nicht mehr zu wachsen. Der mit einem Schrei Gläser zum Zerspringen und mit seiner Blechtrommel ein ganzes Orchester aus dem Takt bringt. Grass hat damit eine unvergessliche literarische Figur geschaffen. Und seiner Heimatstadt Danzig und dem Landstrich Kaschubien ein Denkmal gesetzt.

Der Zwerg mit der Trommel

Schon der Beginn des Romans ist einigermaßen skurril. An einem kalten Herbsttag im Jahre 1899 hockt Anna Bronski auf einem Kartoffelacker, als sie beobachtet, wie ein Mann vor Polizisten flüchtet. Sie bietet ihm Unterschlupf unter ihren vier Röcken, die sie zum Schutz vor der Kälte trägt. In diesem warmen Versteck zeugt Joseph ein Mädchen, Agnes, die 24 Jahre später selbst Mutter wird von Oskar Matzerath, dem Blechtrommler und Erzähler des Romans. Der beschließt als kleiner Junge, nicht mehr zu wachsen.

«Um nicht mit einer Kasse klappern zu müssen, hielt ich mich an die Trommel und wuchs seit meinem dritten Geburtstag keinen Fingerbreit mehr, blieb der Dreijährige, aber auch der Dreimalkluge, den die Erwachsenen alle überragten, der den Erwachsenen so überlegen sein sollte, der seinen Schatten nicht mit ihrem Schatten messen wollte, der innerlich und äußerlich vollkommen fertig war.»

Der kleinwüchsige Oskar betrachtet das Leben von unten. Und kommentiert so scharfsinnig wie bösartig das Leben um ihn herum. Wie der Nationalsozialismus mehr und mehr Einfluss gewinnt und auch sein Vater in die Partei eintritt. Wie seine Mutter von Anfang an ein Doppelleben führt und sich regelmäßig mit ihrem Liebhaber trifft – später wird ihr das zum Verhängnis. Wie er selbst, Oskar, seine ersten sexuellen Erfahrungen sammelt, wie er den Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebt, wie er dann in einem Theater an der Kriegsfront Stimmung macht – und schließlich in einer geschlossenen Pflegeanstalt landet.

Die Bilanz seines Lebens ist ernüchternd.

«Unter Glühbirnen geboren, […] Trommel bekommen, Glas zersungen, Vanille gerochen, in Kirchen gehustet, […] Ameisen beobachtet, […] Trommel begraben, nach Westen gefahren, den Osten verloren, Steinmetz gelernt und Modell gestanden, zur Trommel zurück und Beton besichtigt, Geld verdient, […] verhaftet, verurteilt, eingeliefert, demnächst freigesprochen.»

Das alles vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege und der restaurativen Stimmung der bundesdeutschen Nachkriegszeit, in der die jüngste Vergangenheit kollektiv verdrängt wurde. «Die Blechtrommel» – eine Abrechnung mit der Schlussstrich-Mentalität der fünfziger Jahre.

«Die Blechtrommel» – gehasst, geliebt, und auch international gefeiert

Mit der «Blechtrommel» kehrte die deutsche Nachkriegsliteratur auf die Weltbühne zurück. Auch wenn im gleichen Jahr weitere vielbeachtete Romane erschienen – Heinrich Bölls «Billard um halbzehn» und Uwe Johnsons «Mutmaßungen über Jakob» –, kein anderes Buch hat derart für Furore gesorgt wie «Die Blechtrommel». Hans Magnus Enzensberger, ebenfalls Mitglied der Gruppe 47 war, schrieb in einer ersten Kritik, dass dieses Buch das «Klassenziel der Weltliteratur» erreicht habe.  Grass war mit seinem ersten Roman gleich ein Star.

Aber es gab auch Kritik, an seiner politischen Haltung, an drastischen erotischen Szenen, an seiner Tabulosigkeit gegenüber Kirche, Familie und allem, was Konservativen damals heilig war. Für die galt Grass als blasphemisch und obszön. 

Der Jubel war jedoch von Anfang an größer als die Kritik. Viele, auch internationale Schriftsteller haben Grass verehrt, unter ihnen weltberühmte Autoren wie Gabriel Garcia Márquez, Nadine Gordimer, Salman Rushdie und Kenzaburo Oe. Das amerikanische Time Magazine bezeichnete Grass nach Erscheinen von «The Tin Drum» als größten lebenden Romancier der Welt.

1979 verfilmte Volker Schlöndorff die ersten beiden Teile des Romans – auch das ein Riesenerfolg, ausgezeichnet in Cannes mit der Goldenen Palme, später mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Als Grass 1999, 50 Jahre nach Erscheinen der «Blechtrommel», den Literaturnobelpreis erhielt, da schrieb die Jury in ihrer Begründung, dass dieses Buch die Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert gewesen sei. Ein zwiespältiges Lob, als habe der Schriftsteller nicht noch etliche Romane, Erzählungen und Gedichte geschrieben. Aber selbst John Irving, Schriftstellerkollege und Freund von Günter Grass, meinte, dass dieser nie mehr die Qualität des ersten Romans erreicht hätte. Ein Wermutstropfen, vielleicht. Aber bis heute gibt es keinen deutschsprachigen Schriftsteller der Nachkriegszeit, der so viel Einfluss auf die literarische Welt hatte wie Günter Grass mit seiner «Blechtrommel».

Quelle: https://www.dw.com/de/g%C3%BCnter-grass-die-blechtrommel/a-44769654

Die Blechtrommel – Günter Grass – Kostenlos Online Lesen

Die Blechtrommel – Zweites Buch

Schrott
    Besuchstag: Maria brachte mir eine neue Trommel. Als sie mir mit dem Blech zugleich die Quittung der Spielzeugwarenhandlung übers Bettgitter reichen wollte, winkte ich ab, drückte auf die Klingel am Kopfende des Bettes, bis Bruno, mein Pfleger, eintrat, das tat, was er immer zu tun pflegt, wenn Maria mir eine neue, in blauem Papier verpackte Blechtrommel bringt. Er löste die Verschnürung des Paketes, ließ das Packpapier auseinanderfallen, um es nach dem fast feierlichen Herausheben der Trommel sorgfältig zu falten. Dann erst schritt Bruno — und wenn ich schritt sage, meine ich Schreiten — zum Waschbecken schritt er mit dem neuen Blech, ließ warmes Wasser fließen und löste vorsichtig, ohne am weißen und roten Lack kratzen zu müssen, das Preisschildchen vom Trommelrand. Als Maria nach kurzem, nicht allzu anstrengendem Besuch gehen wollte, nahm sie das alte Blech, das ich während der Beschreibung des Truczinskischen Rückens, der hölzernen Galionsfigur und der vielleicht etwas zu eigenwilligen Auslegung des ersten Korintherbriefes zerschlagen hätte, mit sich, um es in unserem Keller all den verbrauchten Blechen, die mir zu teils beruflichen, teils privaten Zwecken gedient hatten, nahe zu legen.
    Bevor Maria ging, sagte sie: »Na, viel Platz is nich mehr im Keller. Ich mecht mal bloß wissen, wo ich die Winterkartoffeln lagern soll.«
    Lächelnd überhörte ich den Vorwurf der aus Maria sprechenden Hausfrau und bat sie, die ausgediente Trommel ordnungsgemäß mit schwarzer Tinte zu numerieren und die von mir auf einem Zettel notierten Daten und kurzgehaltenen Angaben über den Lebenslauf des Bleches in jenes Diarium zu übertragen, das schon seit Jahren an der Innenseite der Kellertür hängt und über meine Trommeln vom Jahre neunundvierzig an Bescheid weiß.
    Maria nickte ergeben und verabschiedete sich mit einem Kuß von mir. Mein Ordnungssinn bleibt ihr weiterhin kaum begreiflich, auch etwas unheimlich. Oskar kann Marias Bedenken gut verstehen, weiß er doch selbst nicht, warum ihn eine derartige Pedanterie zum Sammler zerschlagener Blechtrommeln macht. Zudem ist es nach wie vor sein Wunsch, jenen Schrotthaufen im Kartoffelkeller der Bilker Wohnung nie wieder sehen zu müssen. Weiß er doch aus ‘Erfahrung, daß Kinder die Sammlungen ihrer Väter mißachten, daß also sein Sohn Kurt auf all die unglückseligen Trommeln eines Tages, da er das Erbe antreten wird, bestenfalls pfeifen wird.
    Was also läßt mich alle drei Wochen Maria gegenüber Wünsche äußern, die, wenn sie regelmäßig befolgt werden, eines Tages unseren Lagerkeller füllen, den Winterkartoffeln den Platz nehmen werden?
    Die selten, ja immer seltener aufblitzende fixe Idee, es könnte sich eines Tages ein Museum für meine invaliden Instrumente interessieren, kam mir erst, als schon mehrere Dutzend Bleche im Keller lagen.
    Hier also kann nicht der Ursprung meiner Sammelleidenschaft liegen. Vielmehr, und je genauer ich darüber nachdenke, um so wahrscheinlicher liegt der Begründung dieses Sammelsuriums der simple Komplex zugrunde: eines Tages könnten die Blechtrommeln ausgehen, rar werden, unter Verbot stehen, der Vernichtung anheimfallen. Eines Tages könnte sich Oskar gezwungen sehen, einige nicht allzu arg zugerichtete Bleche einem Klempner in Reparatur geben zu müssen, damit der mir helfe, mit den geflickten Veteranen eine trommellose und schreckliche Zeit zu überstehen.
    Ähnlich, wenn auch mit anderen Ausdrücken äußern sich die Ärzte der Heil-und Pflegeanstalt über die Ursache meines Sammlertriebes. Fräulein Doktor Hornstetter wollte sogar den Tag wissen, der zum Geburtstag meines Komplexes wurde. Recht genau konnte ich ihr den neunten November achtunddreißig nennen, denn an jenem Tage verlor ich Sigismund Markus, den Verwalter meines Trommelmagazins. Wenn es schon nach dem Tod meiner armen Mama schwierig geworden war, pünktlich in den Besitz einer neuen Trommel zu gelangen, da die Donnerstagsbesuche in der Zeughauspassage zwangsläufig aufhörten, Matzerath sich nur nachlässig um meine Instrumente kümmerte, Jan Bronski jedoch immer seltener ins Haus kam, um wieviel hoffnungsloser gestaltete sich meine Lage, als man das Geschäft des Spielzeughändlers zertrümmerte und der Anblick des am aufgeräumten Schreibtisch sitzenden Markus mir deutlich machte: der Markus schenkt dir keine Trommel mehr, der Markus handelt nicht mehr mit Spielzeug, der Markus hat für immer die Geschäftsbeziehungen zu jener Firma abgebrochen, die dir bisher die schöngelackten weißroten Trommeln fabrizierte und lieferte.
    Dennoch wollte ich damals nicht glauben, daß mit dem Ende des Spielzeughändlers jene frühe, oder verhältnismäßig heitere Spielzeit ihr Ende gefunden hatte, klaubte mir vielmehr aus dem in einen Trümmerhaufen verwandelten Geschäft des Markus eine heile und zwei nur am Rand verbeulte Bleche, trug die Beute nach Hause und glaubte, Vorsorge getroffen zu haben.
    Vorsichtig ging ich mit den Stücken um, trommelte selten, nur noch notfalls, versagte mir ganze Trommlernachmittage und, widerwillig genug, meine mir den Tag erträglich machenden Trommlerfrühstücke. Oskar übte Askese, magerte ab, wurde dem Dr. Hollatz und dessen immer knochiger werdenden Assistentin Schwester Inge vorgeführt. Die gaben mir süße, saure, bittere und geschmacklose Medizin, sprachen meine Drüsen schuldig, die wechselnd nach der Ansicht des Dr.Hollatz durch Überfunktion oder Unterfunktion mein Wohlbefinden zu stören hatten.
    Um dem Hollatz zu entgehen, übte Oskar seine Askese mäßiger, nahm wieder zu, war im Sommer neununddreißig annähernd der alte, dreijährige Oskar, der sich die Rückgewinnung seiner Pausbäckigkeit mit dem endgültigen Zerschlagen der letzten, noch vom Markus stammenden Trommel erkaufte. Das Blech klaffte, klapperte haltlos, gab weißen und roten Lack auf, rostete und hing mir mißtönend vor dem Bauch.
    Es wäre sinnlos gewesen, Matzerath um Hilfe anzugehen, obgleich jener von Natur aus hilfsbereit, sogar gutmütig war. Seit dem Tode meiner armen Mama dachte der Mann nur noch an seinen Parteikram, zerstreute sich mit Zellenleiterbesprechungen oder unterhielt sich um Mitternacht, nach starkem Alkoholgenuß, laut und vertraulich mit den schwarzgerahmten Abbildungen Hitlers und Beethovens in unserem Wohnzimmer, ließ sich vom Genie das Schicksal und vom Führer die Vorsehung erklären und sah das Sammeln für die Winterhilfe im nüchternen Zustand als sein vorgesehenes Schicksal an.
    Ungern erinnere ich mich dieser Sammlersonntage. Unternahm ich doch an solch einem Tag den ohnmächtigen Versuch, in den Besitz einer neuen Trommel zu gelangen. Matzerath, der vormittags auf der Hauptstraße vor den Kunstlichtspielen, auch vor dem Kaufhaus Sternfeld gesammelt hatte, kam mittags nach Hause und wärmte für sich und mich die Königsberger Klopse auf. Nach dem, wie ich .mich heute noch erinnere, schmackhaften Essen — Matzerath kochte selbst als Witwer leidenschaftlich gerne und vorzüglich — legte sich der müde Sammler auf die Chaiselongue, um ein Nickerchen zu machen. Kaum atmete er schlafgerecht, griff ich mir auch schon die halbvolle Sammelbüchse vom Klavier, verschwand mit dem Ding, das die Form einer Konservendose hatte, im Laden unter dem Ladentisch und verging mich an der lächerlichsten aller Blechbüchsen. Nicht etwa, daß ich mich an den Groschenstücken hätte bereichern wollen! Ein blöder Sinn befahl mir, das Ding als Trommel auszuprobieren. Wie ich auch schlug und die Stöcke mischte, immer gab es nur eine Antwort: Kleine Spende fürs WHW! Keiner soll hungern, keiner soll frieren! Kleine Spende fürs WHW!
    Nach einer halben Stunde resignierte ich, langte mir aus der Ladenkasse fünf Guldenpfennige, spendete die fürs Winterhilfswerk und brachte die so bereicherte Sammelbüchse zurück zum Klavier, damit Matzerath sie finden und den restlichen Sonntag fürs WHW klappernd totschlagen konnte.
    Dieser mißglückte Versuch heilte mich für immer. Nie mehr habe ich ernsthaft versucht, eine Konservendose, einen umgestülpten Eimer, die Standfläche einer Waschschüssel als Trommel zu benutzen. Wenn ich es dennoch getan habe, bemühe ich mich, diese ruhmlosen Episoden zu vergessen, und räume ihnen auf diesem Papier keinen oder so wenig wie möglich Platz ein. Eine Konservendose ist eben keine Blechtrommel, ein Eimer ist ein Eimer, und in einer Waschschüssel wäscht man sich oder seine Strümpfe. So wie es heute keinen Ersatz gibt, gab es schon damals keinen; eine weißrot geflammte Blechtrommel spricht für sich, bedarf also keiner Fürsprache.
    Oskar war allein, verraten und verkauft. Wie sollte er auf die Dauer sein dreijähriges Gesicht bewahren können, wenn es ihm am Notwendigsten, an seiner Trommel fehlte? All die jahrelangen Täuschungsversuche wie: gelegentliches Bettnässen, allabendliches kindliches Plappern der Abendgebete, die Angst vor dem Weihnachtsmann, der in Wirklichkeit Greif hieß, das unermüdliche Stellen dreijähriger, typisch drolliger Fragen wie: Warum haben die Autos Räder? all diesen Krampf, den die Erwachsenen von mir erwarteten, mußte ich ohne meine Trommel leisten, war bald kurz vorm Aufgeben und suchte deshalb verzweifelt jenen, der zwar nicht mein Vater war, der mich jedoch höchstwahrscheinlich gezeugt hatte, Oskar wartete nahe der Polensiedlung an der Ringstraße auf Jan Bronski.
    Der Tod meiner armen Mama hatte das zuweilen fast freundschaftliche Verhältnis zwischen Matzerath und dem inzwischen zum Postsekretär avancierten Onkel, wenn nicht auf einmal und plötzlich, so doch nach und nach, und je mehr sich die politischen Zustände zuspitzten, um so endgültiger entflochten, trotz schönster gemeinsamer Erinnerungen gelöst. Mit dem Zerfall der schlanken Seele, des üppigen Körpers meiner Mama, zerfiel die Freundschaft zweier Männer, die sich beide in jener Seele gespiegelt, die beide von jenem Fleisch gezehrt hatten, die nun, da diese Kost und dieser Konvexspiegel wegfielen, nichts Unzulängliches fanden als ihre politisch gegensätzlichen, jedoch den gleichen Tabak rauchenden Männerversammlungen. Aber eine Polnische Post und hemdsärmelige Zellenleiterbesprechungen können keine schöne und selbst beim Ehebruch noch gefühlvolle Frau ersetzen. Bei aller Vorsicht — Matzerath mußte auf die Kundschaft und die Partei, Jan auf die Postverwaltung Rücksicht nehmen — kam es während der kurzen Zeitspanne zwischen dem Tode meiner armen Mama und dem Ende des Sigismund Markus dennoch zu Begegnungen meiner beiden mutmaßlichen Väter.
    Um Mitternacht hörte man zwei-oder dreimal im Monat Jans Knöchel an den Scheiben unserer Wohnzimmerfenster. Wenn Matzerath dann die Gardine zurückschob, das Fenster einen Spalt weit öffnete, war die Verlegenheit beiderseits grenzenlos, bis der eine oder der andere das erlösende Wort fand, einen Skat zu später Stunde vorschlug. Den Greff holten sie aus seinem Gemüseladen, und wenn der nicht wollte, wegen Jan nicht wollte, nicht wollte, weil er als ehemaliger Pfadfinderführer — er hatte seine Gruppe inzwischen aufgelöst — vorsichtig sein mußte, dazu schlecht und nicht allzu gerne Skat spielte, dann war es meistens der Bäcker Alexander Scheffler, der den dritten Mann abgab. Zwar saß auch der Bäckermeister ungern meinem Onkel Jan am selben Tisch gegenüber, aber eine gewisse Anhänglichkeit an meine arme Mama, die sich wie ein Erbstück auf Matzerath übertrug, auch der Grundsatz Schefflers, daß Geschäftsleute des Einzelhandels zusammenhalten müßten, ließen den kurzbeinigen Bäcker, von Matzerath gerufen, aus dem Kleinhammerweg herbeieilen, am Tisch unseres Wohnzimmers Platz nehmen, mit bleichen, wurmstichigen Mehlfingern die Karten mischen und wie Semmeln unters hungrige Volk verteilen.
    Da diese verbotenen Spiele zumeist erst nach Mitternacht begannen und um drei Uhr früh, da Scheffler in seine Backstube mußte, abgebrochen wurden, gelang es mir nur selten, in meinem Nachthemd, jedes Geräusch vermeidend, meinem Bettchen zu entkommen und ungesehen, auch ohne Trommel, den schattigen Winkel unter dem Tisch zu erreichen.
    Wie Sie zuvor schon bemerkt haben werden, ergab sich mir unter dem Tisch seit jeher die bequemste Art aller Betrachtungen: ich stellte Vergleiche an. Doch wie hatte sich seit dem Hingang meiner armen Mama alles geändert! Da versuchte kein Jan Bronski, oben vorsichtig und dennoch Spiel um Spiel verlierend, unten kühn, mit schuhlosem Strumpf Eroberungen zwischen den Schenkeln meiner Mama zu machen. Unter dem Skattisch jener Jahre gab es keine Erotik mehr, geschweige denn Liebe. Sechs Hosenbeine bespannten, verschiedene Fischgrätenmuster zeigend, sechs nackte, oder Unterhosen bevorzugende, mehr oder weniger behaarte Männerbeine, die sich sechsmal unten Mühe gaben, keine noch so zufällige Berührung zu finden, die oben, zu Rümpfen, Köpfen, Armen vereinfacht und erweitert, sich eines Spieles befleißigten, das aus politischen Gründen hätte verboten sein müssen, das aber in jedem Falle eines verlorenen oder gewonnenen Spieles die Entschuldigung, auch den Triumph zuließ: Polen hat einen Grand Hand verloren; die Freie Stadt Danzig gewann soeben für das Großdeutsche Reich bombensicher einen Karo einfach.
    Der Tag ließ sich voraussehen, da diese Manöverspiele ihr Ende finden würden — wie ja alle Manöver eines Tages beendet und auf erweiterter Ebene anläßlich eines sogenannten Ernstfalles in nackte Tatsachen verwandelt werden.
    Im Frühsommer neununddreißig zeigte es sich, daß Matzerath bei den wöchentlichen Zellenleiterbesprechungen unverfänglichere Skatbrüder als polnische Postbeamte und ehemalige Pfadfinderführer fand. Jan Bronski besann sich notgedrungen seines ihm zugewiesenen Lagers, hielt sich an die Leute der Post, so an den invaliden Hausmeister Kobyella, der seit seiner Dienstzeit in Marsza ek Pilsudskis legendärer Legion auf einem um einige Zentimeter zu kurzen Bein stand. Trotz dieses Hinkebeines war der Kobyella ein tüchtiger Hausmeister, mithin ein handwerklich geschickter Mann, von dessen eventueller Gutwilligkeit ich die Reparatur meiner kranken Trommel erhoffen durfte. Nur weil der Weg zum Kobyella über Jan Bronski führte, stellte ich mich fast jeden Nachmittag gegen sechs, selbst bei drückendster Augusthitze in der Nähe der Polensiedlung auf und wartete auf den nach Dienstschluß zumeist pünktlich heimkehrenden Jan. Er kam nicht. Ohne mir eigentlich die Frage zu stellen: was treibt dein mutmaßlicher Vater nach Feierabend? wartete ich oft bis sieben, halb acht. Aber er kam nicht. Ich hätte zur Tante Hedwig gehen können. Womöglich war Jan krank, fieberte oder bewahrte ein gebrochenes Bein im Gipsverband auf. Oskar blieb auf dem Fleck und begnügte sich damit, dann und wann Fenster und Gardinen der Postsekretärswohnung zu fixieren. Eine merkwürdige Scheu hielt Oskar davon ab, seine Tante Hedwig aufzusuchen, deren Blick aus warm mütterlichen Kuhaugen ihn traurig stimmte. Auch mochte er die Kinder der Bronskischen Ehe, die mutmaßlich seine Halbgeschwister waren, nicht besonders. Die gingen mit ihm um wie mit einer Puppe. Die wollten mit ihm spielen, ihn als Spielzeug benutzen. Woher nahm der mit Oskar fast gleichaltrige, fünfzehnjährige Stephan das Recht, ihn väterlich, immer belehrend und von oben herab zu behandeln? Und jene zehnjährige Marga mit Zöpfen und einem Gesicht, in dem ständig der Mond voll und fett aufging: sah sie in Oskar eine willenlose Ankleidepuppe, die man stundenlang kämmen, bürsten, zurechtzupfen und erziehen konnte? Natürlich sahen die beiden in mir das anomale, bedauernswerte Zwergenkind, kamen sich selbst gesund und vielversprechend vor, waren ja auch die Lieblinge meiner Großmutter Koljaiczek, der ich es leider schwer machen mußte, in mir einen Liebling zu sehen. Mir konnte man mit Märchen und Bilderbüchern kaum beikommen. Was ich von der Großmutter erwartete, selbst heute noch breit und genußvoll ausmale, war recht eindeutig und deshalb nur selten zu erlangen: Oskar wollte, sobald er sie sah, seinem Großvater Koljaiczek nacheifern, bei ihr untertauchen und, wenn möglich, nie wieder außerhalb ihres Windschattens atmen müssen.
    Was habe ich nicht alles getan, um unter die Röcke meiner Großmutter zu gelangen! Ich kann nicht sagen, daß sie es nicht mochte, wenn Oskar ihr darunter saß. Nur zögerte sie, wies mich auch meistens zurück, hätte wohl jedem halbwegs dem Koljaiczek Ähnlichen. Zuflucht geboten, nur mir, der ich weder die Figur noch das immer lockere Streichholz des Brandstifters hatte, mußten trojanische Pferde einfallen, um in die Festung gelangen zu können.
    Oskar sieht sich wie ein echter Dreijähriger mit einem Gummiball spielen, bemerkt, wie jener Oskar zufällig den Ball unter die Röcke rollen läßt, dann dem runden Vorwand nachgleitet, bevor Seine Großmutter die List durchschauen, den Ball zurückgeben kann.
    Wenn die Erwachsenen dabei waren, duldete mich meine Großmutter nie lange unter den Röcken. Die Erwachsenen verspotteten sie, erinnerten sie mit oftmals anzüglichen Worten an ihre Brautzeitauf dem herbstlichen Kartoffelacker, ließen die Großmutter, die von Natur her nicht bleich war, heftig und anhaltend erröten, was der Sechzigjährigen unter fast weißem Haar nicht schlecht zu Gesicht stand.
    Wenn meine Großmutter Anna jedoch alleine war — selten kam es vor und immer seltener sah ich sie nach dem Tode meiner armen Mama, und kaum noch, seit sie den Marktstand auf dem Langfuhrer Wochenmarkt hatte aufgeben müssen — duldete sie mich eher, freiwilliger und länger unter den kartoffelfarbenen Röcken. Nicht einmal den dummen Trick mit dem noch dümmeren Gummiball brauchte es, um Einlaß zu finden. Mit meiner Trommel über die Dielen rutschend, ein Bein unterschlagend, das andere gegen die Möbel stemmend, schob ich mich in Richtung des großmütterlichen Berges, hob, am Fuße angelangt, mit den Trommelstöcken die vierfache Hülle, war schon darunter, ließ den Vorhang viermal und gleichzeitig fallen, blieb ein Minütchen lang still und ergab mich ganz, mit allen Poren atmend, dem strengen Geruch leicht ranziger Butter, der immer und durch keine Saison beeinflußt, unter jenen vier Röcken vorherrschte. Erst dann begann Oskar zu trommeln. Wußte er doch, was seine Großmutter gerne hörte, und so trommelte ich oktoberliche Regengeräusche, ähnlich jenen, die sie damals hinter dem Kartoffelkrautfeuer gehört haben muß, als ihr der Koljaiczek mit dem Geruch eines heftig verfolgten Brandstifters unterlief. Einen feinen schrägen Regen ließ ich aufs Blech fallen, bis über mir Seufzer und heilige Namen laut wurden, und es bleibt Ihnen überlassen, hier jene Seufzer und heiligen Vornamen wiederzuerkennen, die damals im Jahre neunundneunzig laut wurden, als meine Großmutter im Regen saß und der Koljaiczek im Trocknen.
    Als ich im August neununddreißig der Polensiedlung gegenüber auf Jan Bronski wartete, dachte ich oft an meine Großmutter. Es hätte ja sein können, daß sie bei der Tante Hedwig zu Besuch war. Wie verlockend auch der Gedanke sein mochte, unter Röcken sitzend ranzigen Buttergeruch einatmen zu können, stieg ich dennoch nicht die zwei Treppen hoch, klingelte nicht an der Tür mit dem Namenschild: Jan Bronski. Was hätte Oskar auch seiner Großmutter bieten können? Seine Trommel war zerschlagen, seine Trommel gab nichts mehr her, seine Trommel hatte vergessen, wie sich ein Regen anhört, der im Oktober fein und schräge auf ein Kartoffelkrautfeuer fällt. Und da Oskars Großmutter nur mit der Geräuschkulisse herbstlicher Niederschläge beizukommen war, blieb er auf der Ringstraße, sah jenen Straßenbahnen entgegen und nach, die den Heeresanger rauf und runter klingelten und alle der Linie Fünf dienten.
    Wartete ich noch auf Jan? Hatte ich es nicht schon aufgegeben und stand nur noch auf meinem Fleck, weil mir noch keine passable Form fürs Aufgeben eingefallen war? Längeres Warten wirkt sich erzieherisch aus. Es kann aber auch längeres Warten den Wartenden dazu verführen, die zu erwartende Begrüßungsszene so ins Detail gehend auszumalen, daß dem Erwarteten jede Chance einer geglückten Überraschung genommen wird. Jan überraschte mich dennoch. Vom Ehrgeiz besessen, ihn, den Unvorbereiteten zuerst zu erblicken, mit den Resten meiner Trommel antrommeln zu können, stand ich gespannt und mit griffbereiten Stöcken auf meinem Fleck.
    Ohne erst lange erklären zu müssen, wollte ich mit großem Schlag und Aufschrei des Bleches meine hoffnungslose Lage deutlich machen, sagte mir: Noch fünf Straßenbahnen, noch drei, noch diese Bahn, stellte mir, Schrecken an die Wand malend, vor, daß die Bronskis auf Jans Wunsch hin nach Modlin oder Warschau versetzt worden waren, sah ihn als Oberpostsekretär in Bromberg oder Thorn, wartete, alle vorherigen Schwüre brechend, noch eine Straßenbahn ab und drehte mich schon in Richtung Heimweg, da wurde Oskar von hinten gefaßt, ein Erwachsener hielt seine Augen zu.
    Ich spürte weiche, nach ausgesuchter Seife riechende, angenehm trockene Männerhände; ich spürte Jan Bronski.
    Als er mich losließ und auffallend laut lachend gegen sich drehte, war es zu spät, um auf dem Blech meine fatale Lage demonstrieren zu können. Beide Trommelstöcke versorgte ich deshalb gleichzeitig hinter den leinernen Trägern meiner halblangen, in jener Zeit, da niemand mir Sorge trug, schmutzigen und an den Taschen ausgefransten Kniehosen. Die Hände frei, hob ich sodann die an jämmerlichem Bindfaden hängende Trommel hoch, anklagend hoch, über Augenhöhe hoch, hoch, wie Hochwürden Wiehnke während der Messe die Hostie hob, hätte auch sagen können: das ist mein Fleisch und Blut, sagte aber kein Wörtchen, hob das geschundene Metall nur hoch, wollte auch keine grundlegende, womöglich wunderbare Wandlung; die Reparatur meiner Trommel forderte ich, sonst nichts.
    Jan unterbrach sofort sein unangebrachtes und, wie ich heraushören konnte, nervös angestrengtes Gelächter. Er erblickte, was nicht zu übersehen war, meine Trommel, löste den Blick vom zerknüllten Blech, suchte meine blanken, immer noch echt wirkenden dreijährigen Augen, sah zuerst nichts, als zweimal dieselbe nichtssagend blaue Iris, Glanzlichter darin, Spiegelungen, all das, was man dem Auge an Ausdruck andichtet, nahm schließlich, nachdem er feststellen mußte, daß sich mein Blick in nichts von einer x-beliebigen spiegelfreudigen Straßenpfütze unterschied, all seinen guten Willen, gerade Greifbares in seinem Gedächtnis zusammen und zwang sich, in meinem Augenpaar, jenen zwar grauen, aber ähnlich geschnittenen Blick meiner Mama wiederzufinden, der ihm ja immerhin etliche Jahre lang Wohlwollen bis Leidenschaft gespiegelt hatte. Vielleicht aber verblüffte ihn auch der Abglanz seiner selbst, was immer noch nicht zu bedeuten hatte, daß Jan mein Vater, genauer gesagt, mein Erzeuger war. Denn seine, Mamas wie auch meine Augen zeichneten sich durch die gleiche naiv verschlagene, strahlend dümmliche Schönheit aus, die nahezu allen Bronskis, so auch Stephan, weniger Marga Bronski, um so mehr aber meiner Großmutter und ihrem Bruder Vinzent zu Gesicht stand. Mir jedoch war bei aller schwarzbewimperten Blauäugigkeit ein Schuß Koljaiczeksches Brandstifterblut — man denke nur an mein Glaszersingen — nicht abzusprechen, während es Mühe gekostet hätte, mir rheinisch-matzerathsche Züge anzudichten.
    Jan selbst, der gerne auswich, hätte in jenem Moment, da ich die Trommel hob und die Augen wirken ließ, direkt befragt, zugeben müssen: es blickt mich seine Mutter Agnes an. Vielleicht blicke ich selbst mich an. Seine Mutter und ich, wir hatten viel zu viel Gemeinsames. Es mag aber auch sein, daß mich mein Onkel Koljaiczek anblickt, der in Amerika ist oder auf dem Meeresgrund. Nur Matzerath blickt mich nicht an, und das ist gut so.
    Jan nahm mir die Trommel ab, drehte, beklopfte sie. Er, der Unpraktische, der nicht einen Bleistift ordentlich anspitzen konnte, tat so, als verstünde er etwas von der Reparatur einer Blechtrommel, faßte sichtbar einen Entschluß, was selten bei ihm vorkam, nahm mich bei der Hand — was mir auffiel, denn so eilig wäre es nicht gewesen — überquerte mit mir die Ringstraße, fand mit mir an der Hand die Insel der Straßenbahnhaltestelle Heeresanger und stieg, als die Bahn ankam, mich nachziehend in den Anhänger für Raucher der Linie Fünf.
    Oskar ahnte es, wir fuhren in die Stadt, wollten zum Heveliusplatz, in die Polnische Post zum Hausmeister Kobyella, der jenes Werkzeug und Können hatte, nach welchem Oskars Trommel seit Wochen verlangte.
    Es hätte diese Straßenbahnfahrt zu einer ungestörten Freudenfahrt werden können, wäre es nicht der Vorabend des ersten September neununddreißig gewesen, an dem sich der Triebwagen mit Anhänger der Linie Fünf, vom Max-Halbe-Platz an vollbesetzt mit müden und dennoch lauten Badegästen des Seebades Brösen, in Richtung Stadt klingelte. Welch ein Spätsommerabend hätte uns nach Abgabe der Trommel im Cafe Weitzke hinter Limonade mit Strohhalmen gewinkt, wenn nicht in der Hafeneinfahrt, gegenüber der Westerplatte, die beiden Linienschiffe »Schlesien« und »Schleswig-Holstein« festgemacht und der roten Backsteinmauer mit darunterliegendem Munitionsbecken ihre Stahlrümpfe, drehbaren Doppeltürme und Kasemattengeschütze gezeigt hätten. Wie schön wäre es gewesen, an der Pförtnerwohnung der Polnischen Post klingeln und eine harmlose Kinderblechtrommel dem Hausmeister Kobyella zur Reparatur anvertrauen zu können, wenn das Innere der Post nicht schon seit Monaten mit Panzerplatten in Verteidigungszustand versetzt, ein bislang harmloses Postpersonal, Beamte, Briefträger, während Wochenendschulungen in Gdingen und Oxhöft in eine Festungsbesatzung verwandelt worden wäre.
    Wir näherten uns dem Olivaer Tor. Jan Bronski schwitzte, starrte in das staubige Grün der Hindenburgalleebäume und rauchte mehr von seinen Goldmundstückzigaretten, als es ihm seine Sparsamkeit hätte erlauben dürfen. Oskar hatte seinen mutmaßlichen Vater noch nie so schwitzen sehen, ausgenommen die zwei-oder dreimal, da er ihn mit seiner Mama auf der Chaiselongue beobachtet hatte.
    Meine arme Mama aber war schon lange tot. Warum schwitzte Jan Bronski? Nachdem ich bemerken mußte, daß ihn kurz vor Erreichen fast jeder Haltestelle die Lust ankam, auszusteigen, daß ihm jedesmal erst im Augenblick des Aussteigenwollens meine Gegenwart bewußt wurde, daß ich und meine Trommel ihn veranlaßten, wieder Platz zu nehmen, wurde mir klar, daß der Polnischen Post wegen geschwitzt wurde, die Jan als Staatsbeamter zu verteidigen hatte. Er war doch schon einmal davongelaufen, hatte dann mich und meine Schrottrommel an der Ringstraße, Ecke Heeresanger entdeckt, die Umkehr zur Beamtenpflicht beschlossen, schleppte mich, der ich weder Beamter war noch zur Verteidigung eines Postgebäudes taugte, mit sich und schwitzte und rauchte dabei. Warum stieg er nicht noch einmal aus? Ich hätte ihn gewiß nicht gehindert. Er war ja noch in den besten Jahren, noch keine fünfundvierzig. Blau war sein Auge, braun sein Haar, gepflegt zitterten seine Hände, und hätte er nicht so erbärmlich schwitzen müssen, wäre es Kölnisch Wasser gewesen und nicht kalter Schweiß, den Oskar, neben seinem mutmaßlichen Vater sitzend, riechen mußte.
    Am Holzmarkt stiegen wir aus und gingen zu Fuß den Altstädtischen Graben hinunter. Ein windstiller Nachsommerabend. Die Glocken der Altstadt bronzierten wie immer gegen acht Uhr den Himmel.
    Glockenspiele, die Tauben aufwölken ließen: »Üb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab.« Das klang schön und war zum Weinen. Aber überall wurde gelacht. Frauen mit sonnengebräunten Kindern, flauschigen Bademänteln, bunten Strandbällen und Segelschiffen stiegen aus Straßenbahnen, die von den Seebädern Glettkau und Heubude tausend Frischgebadete brachten.
    Junge Mädchen leckten mit beweglichen Zungen unter noch verschlafenen Blicken Himbeereis. Eine Fünfzehnjährige ließ ihre Eiswaffel fallen, wollte sich schon bücken, den Schmand wieder aufheben, da zögerte sie, überließ dem Pflaster und den Schuhsohlen künftiger Passanten die zerfließende Erfrischung; bald würde sie zu den Erwachsenen gehören und Eis nicht mehr auf der Straße lecken.
    An der Schneidermühlengasse bogen wir links ein. Der Heveliusplatz, in den die Gasse mündete, wurde von gruppenweise herumstehenden Leuten der SS-Heimwehr gesperrt: junge Burschen, auch Familienväter mit Armbinden und den Karabinern der Schutzpolizei. Es wäre leicht gewesen, diese Sperre, einen Umweg machend, zu umgehen, um vom Rähm aus die Post zu erreichen Jan Bronski ging auf die Heimwehrleute zu. Die Absicht war deutlich: er wollte aufgehalten, unter den Augen seiner Vorgesetzten, die sicherlich vom Postgebäude aus den Heveliusplatz beobachten Ließen, zurückgeschickt werden, um so, als abgewiesener Held, eine halbwegs rühmliche Figur machend, mit derselben Straßenbahn Linie Fünf, die ihn hergebracht hatte, nach Hause fahren zu dürfen.
    Die Heimwehrleute ließen uns durch, dachten wahrscheinlich gar nicht daran, daß jener gutgekleidete Herr mit dem dreijährigen Jungen an der Hand ins Postgebäude zu gehen gedachte. Vorsicht rieten sie uns höflich an und schrien erst Halt, als wir schon durch das Gitterportal hindurch waren und vor dem Hauptportal standen. Jan drehte sich unsicher. Da wurde die schwere Tür einen Spalt weit geöffnet, man zog uns hinein: wir standen in der halbdunklen, angenehm kühlen Schalterhalle der Polnischen Post.
    Jan Bronski wurde von seinen Leuten nicht gerade freundlich begrüßt. Sie mißtrauten ihm, hatten ihn wohl schon aufgegeben, gaben auch laut zu, daß der Verdacht bestanden habe, er, der Postsekretär Bronski, wolle sich verdrücken. Jan hatte Mühe, die Anschuldigungen zurückzuweisen. Man hörte gar nicht zu, schob ihn in eine Reihe, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Sandsäcke aus dem Keller hinter die Fensterfront der Schalterhalle zu befördern. Diese Sandsäcke und ähnlichen Unsinn stapelte man vor den Fenstern, schob schwere Möbel wie Aktenschränke in die Nähe des Hauptportals, um das Tor in seiner ganzen Breite notfalls schnell verbarrikadieren zu können.
    Jemand wollte wissen, wer ich sei, hatte dann aber keine Zeit, auf Jans Antwort warten zu können. Die Leute waren nervös, redeten bald laut, bald übervorsichtig leise. Meine Trommel und die Not meiner Trommel schien vergessen zu sein. Der Hausmeister Kobyella, auf den ich gesetzt hatte, der jenem Haufen Schrott vor meinem Bauch wieder zu Ansehen verhelfen sollte, blieb unsichtbar und stapelte wahrscheinlich in der ersten oder zweiten Etage des Postgebäudes, ähnlich fieberhaft wie die Briefträger und Schalterbeamten in der Halle, pralle Sandsäcke, die kugelsicher sein sollten. Oskars Anwesenheit war Jan Bronski peinlich. So verdrückte ich mich augenblicklich, als Jan von einem Mann, den die anderen Doktor Michon nannten, Instruktionen erhielt. Nach einigem Suchen und vorsichtigem Umgehen jenes Herrn Michon, der einen polnischen Stahlhelm trug und offensichtlich der Direktor der Post war, fand ich die Treppe zum ersten Stockwerk und dort, ziemlich am Ende des Ganges, einen mittelgroßen, fensterlosen Raum, in dem sich keine Munitionskisten schleppende Männer befanden, keine Sandsäcke stapelten.
    Rollbare Wäschekörbe voller buntfrankierter Briefe standen dichtgedrängt auf den Dielen. Das Zimmer war niedrig, die Tapete ockerfarben. Leicht roch es nach Gummi. Eine Glühbirne brannte ungeschützt. Oskar war zu müde, den Lichtschalter zu suchen. Ganz fern mahnten die Glocken von Sankt Marien, Sankt Katharinen, Sankt Johann, Sankt Brigitten, Sankt Barbara, Trinitatis und Heiliger Leichnam: Es ist neun Uhr, Oskar, du mußt schlafen gehen! — Und so legte ich mich in einen der Briefkörbe, bettete die gleichfalls erschöpfte Trommel an meiner Seite und schlief ein.

Quelle: https://www.kostenlosonlinelesen.net/kostenlose-die-blechtrommel/lesen/101

ZWEITES BUCH
SCHROTT
    Besuchstag: Maria brachte mir eine neue Trommel. Als sie mir mit dem Blech zugleich die Quittung der Spielzeugwarenhandlung übers Bettgitter reichen wollte, winkte ich ab, drückte auf die Klingel am Kopfende des Bettes, bis Bruno, mein Pfleger, eintrat, das tat, was er immer zu tun pflegt, wenn Maria mir eine neue, in blauem Papier verpackte Blechtrommel bringt. Er löste die Verschnürung des Paketes, ließ das Packpapier auseinanderfallen, um es nach dem fast feierlichen Herausheben der Trommel sorgfältig zu falten. Dann erst schritt Bruno — und wenn ich schritt sage, meine ich Schreiten — zum Waschbecken schritt er mit dem neuen Blech, ließ warmes Wasser fließen und löste vorsichtig, ohne am weißen und roten Lack kratzen zu müssen, das Preisschildchen vom Trommelrand. Als Maria nach kurzem, nicht allzu anstrengendem Besuch gehen wollte, nahm sie das alte Blech, das ich während der Beschreibung des Truczinskischen Rückens, der hölzernen Galionsfigur und der vielleicht etwas zu eigenwilligen Auslegung des ersten Korintherbriefes zerschlagen hätte, mit sich, um es in unserem Keller all den verbrauchten Blechen, die mir zu teils beruflichen, teils privaten Zwecken gedient hatten, nahe zu legen.
    Bevor Maria ging, sagte sie: »Na, viel Platz is nich mehr im Keller. Ich mecht mal bloß wissen, wo ich die Winterkartoffeln lagern soll.«
    Lächelnd überhörte ich den Vorwurf der aus Maria sprechenden Hausfrau und bat sie, die ausgediente Trommel ordnungsgemäß mit schwarzer Tinte zu numerieren und die von mir auf einem Zettel notierten Daten und kurzgehaltenen Angaben über den Lebenslauf des Bleches in jenes Diarium zu übertragen, das schon seit Jahren an der Innenseite der Kellertür hängt und über meine Trommeln vom Jahre neunundvierzig an Bescheid weiß.
    Maria nickte ergeben und verabschiedete sich mit einem Kuß von mir. Mein Ordnungssinn bleibt ihr weiterhin kaum begreiflich, auch etwas unheimlich. Oskar kann Marias Bedenken gut verstehen, weiß er doch selbst nicht, warum ihn eine derartige Pedanterie zum Sammler zerschlagener Blechtrommeln macht. Zudem ist es nach wie vor sein Wunsch, jenen Schrotthaufen im Kartoffelkeller der Bilker Wohnung nie wieder sehen zu müssen. Weiß er doch aus ‘Erfahrung, daß Kinder die Sammlungen ihrer Väter mißachten, daß also sein Sohn Kurt auf all die unglückseligen Trommeln eines Tages, da er das Erbe antreten wird, bestenfalls pfeifen wird.
    Was also läßt mich alle drei Wochen Maria gegenüber Wünsche äußern, die, wenn sie regelmäßig befolgt werden, eines Tages unseren Lagerkeller füllen, den Winterkartoffeln den Platz nehmen werden?
    Die selten, ja immer seltener aufblitzende fixe Idee, es könnte sich eines Tages ein Museum für meine invaliden Instrumente interessieren, kam mir erst, als schon mehrere Dutzend Bleche im Keller lagen.
    Hier also kann nicht der Ursprung meiner Sammelleidenschaft liegen. Vielmehr, und je genauer ich darüber nachdenke, um so wahrscheinlicher liegt der Begründung dieses Sammelsuriums der simple Komplex zugrunde: eines Tages könnten die

Bürger der Welt

Die Geschichte Berlins

775 Jahre Berlin – das ist die Geschichte der Stadt voller Höhen und Tiefen. Abgesehen von gravierenden Rückschlägen wie der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich Berlin seit seiner Gründung kontinuierlich zu der Stadt der Vielfalt, die heute weltweit respektiert und geschätzt wird.

Von der Gründung Berlins (1183) bis zu Königin Luise († 1810)

Mittelalterliche Handelsstadt

Auch wenn Landesarchäologen 2008 am Petriplatz vermutlich aus dem Jahr 1183 stammende Eichenbalken gefunden haben – offiziell fand die Stadtgründung Berlins 1237 statt. Als Vereinigung der beiden Kaufmannssiedlungen Cölln und Berlin entstand im heutigen Bezirk Mitte bis 1400 eine Doppelstadt mit 8.500 Einwohnern, 1.100 Häusern und drei Rathäusern. Das erste davon befand sich am Platz der Nordwestecke des aktuellen Berliner Rathauses. Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts unterstand Berlin wie Brandenburg den Askaniern (1157-1320), den Wittelsbachern (1323-1373) und den Luxemburgern (1373-1415).

Berlin der Hohenzollern

Ab 1415 herrschten mehr als 500 Jahre die Hohenzollern über Berlin. Von Friedrich I., Kurfürst und Markgraf von Brandenburg, bis zu Wilhelm II. (1888 bis 1918) regierten sie durchgängig – ab 1701 als Könige in Preußen und 1871 mit dem Titel des Deutschen Kaisers. Friedrich II. legte auf der Cöllner Spreeinsel den Grundstein für das spätere Berliner Stadtschloss, das unter Kurfürst Johann Cicero zur ständigen Residenz der Hohenzollern in Brandenburg wurde. Berlins wachsende politische und wirtschaftliche Bedeutung wurde unterstützt durch das Bekenntnis der Brandenburger Kurfürsten zur Reformation (1539) sowie die Ansiedlung der jüdischen und hugenottischen Gemeinde unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1685: Toleranzedikt von Potsdam). Mit diesen konfessionellen und strukturpolitischen Maßnahmen legten sie den Grundstein für Berlins Entwicklung zur Stadt der kulturellen Vielfalt.

Königliche Hauptstadt

Friedrich I.

Das heutige Schloss Charlottenburg geht zurück auf Kurfürst Friedrich III., der es 1695 für seine Frau Sophie Charlotte bei Lietzenburg errichten ließ. Als König Friedrich I. in Preußen vereinigte er 1709 die Städte Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichsstadt zur Haupt- und Residenzstadt Berlin. Für die nun 55.000 Einwohner entstand auf seine Order hin ein Pesthaus außerhalb der Stadtmauern, das sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I. 1727 zu einem Lazarett mit medizinischer Übungsschule umfunktionierte und es Charité nannte.

Friedrich der Große

Im Berliner Stadtschloss geboren, regierte der Alte Fritz im Sinne eines aufgeklärten Absolutismus. Er brachte Preußen neben drei Kriegen und auch den Aufstieg zur europäischen Großmacht. 1763 gründete er die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und ließ bis 1769 das Neue Palais in Potsdam erbauen. Im Zuge der Regentschaft Friedrich II. entstand in Berlin eine repräsentative Architektur, die bis heute Unter den Linden erhalten geblieben ist. Hier bilden Zeughaus (1706/endgültige Fertigstellung 1730), Kronprinzenpalais (1633/Umbau 1732), Prinzessinnenpalais (1737, heute Opernpalais), Staatsoper (1742), Prinz-Heinrich-Palais (1756, seit 1810 Humboldt-Universität zu Berlin), St. Hedwigs-Kathedrale (1773) und Alte Bibliothek (1780) ein barockes Gebäudeensemble.

Salonkultur

Im Anschluss an den Siebenjährigen Krieg entstanden in Preußen die ersten künstlerischen und literarischen Salons nach französischem Vorbild. Bei Damen der Gesellschaft wie Karoline Friederike von Berg fanden sich Literaten wie Herder, Wieland, Goethe oder Jean Paul, aber auch hohe Staatsbedienstete wie der Freiherr vom Stein, zum intellektuellen Austausch zusammen. In den jüdischen Salons von Henriette Herz oder Rahel Levins waren auch Frauen eingeladen – Henriette Mendelsohn, Sophie Mereau-Brentano und Bettina von Arnim trafen hier auf Wissenschaftler wie Alexander und Wilhelm von Humboldt oder Angehörige des Hochadels wie Prinz Louis Ferdinand von Preußen. So konnten vermögende jüdische Familien über den Weg der Geselligkeit ihren Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben umgehen und sich zunehmend emanzipieren.

Königin Luise

Luise von Mecklenburg-Strelitz erlangte bereits zu Lebzeiten Kultstatus. Als Königin Luise nahm sie die Menschen durch ihre Schönheit und ihr unkonventionelles Wesen für sich ein. Über ihre Hofdame Frau von Berg, die einen berühmten literarischen Salon in Berlin Tiergarten unterhielt, erhielt sie direkten Zugang zu zeitgenössischer Literatur von u. a. Goethe, Herder, Jean Paul. In Tilsit stellte sich Königin Luise nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon, erhobenen Hauptes dem Sieger entgegen und erbat von dem Franzosen maßvolle Friedensbedingungen. Die Grabstätte der 1810 mit nur vierunddreißig Jahren verstorbenen, zehnfachen Mutter im Schlosspark Charlottenburg ist bis heute die „Wallfahrtstätte“ der zahlreichen Luise-Fans geblieben.

Deutsche Revolutionszeit (1830er-1870er) und Deutsches Kaiserreich (1871-1918)

Industrielle Revolution

Die zahlreichen Produktionsfeuer sowie die großen Rauchmengen aus den Schornsteinen der sich dort ansiedelnden Eisengießereien und Maschinenbaufabriken brachten Teilen der Oranienburger Vorstadt im 19. Jahrhundert den Namen „Feuerland“ ein. August Borsig baute hier die erste eigenständig in Deutschland entwickelte Lokomotive und in der Schlegelstraße startete Emil Rathenau, Gründer der AEG, mit Edisons Glühbirnen den Siegeszug des elektrischen Lichts in Berlin. Heute weltweit bekannte Unternehmen wie Siemens (1847), Schering (1864) und Schwartzkopff (1852) entstanden und zogen immer mehr Arbeitskräfte vom Land in die Stadt. Berlins Einwohnerzahl inkl. angrenzender Siedlungsgebiete wuchs auf 400.000 Menschen.

Bürgerlich-demokratische Revolution

Mit der Industriellen Revolution verbunden war der Niedergang des Handwerks und das Entstehen eines Industrieproletariats in Berlin. Arbeitsbedingungen, Arbeitslosigkeit, Armut, Missernten und steigende Lebensmittelpreise führten zu wiederholten Aufständen. Schneider- (1830), Feuerwerks- (1835) und Kartoffelrevolution (1847) wurden staatlicherseits rigide bekämpft und mündeten in die Deutsche Revolution von 1848/49. Angesichts der deutschlandweiten bürgerlich-demokratischen und nationalen Einheits- und Unabhängigkeitserhebungen sowie des Berliner Barrikadenaufstands machte König Friedrich Wilhelm IV. im März 1848 zunächst politische Zugeständnisse. Um sie nach dem Zeughaussturm (Juni 1848) im Zuge der Konterrevolution wieder aufzuheben und mit der Auflösung der preußischen Nationalversammlung die alten Machtverhältnisse wieder herzustellen. 1869 zog der Berliner Magistrat in sein neues „Rotes Rathaus“. Zum 150. Jahrestag der Märzrevolution wurden 1998 Gedenktafeln angebracht, die an die Barrikadenkämpfe und deren Opfer (u. a. Ecke Oberwallstraße/Werderstraße, Tauben-/Friedrichstraße, Deutsche Kirche am Gendarmenmarkt) erinnern.

Kaiserliche Reichshauptstadt

Nach Eingemeindung der Vorstädte Wedding, Gesundbrunnen und Moabit sowie Anteilen der Feldmarken Charlottenburg, Schöneberg, Tempelhof und Rixdorf lebten zu Beginn der Deutschen Kaiserreichs 1871 fast 1 Million Menschen in Berlin und seinen Vororten. Es entstanden für Berlin typische „Mietskasernen“ wie die Viktoriastadt sowie die repräsentative Gründerzeit-Villenkolonie in Lichterfeld-West. Nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 legt Reichskanzler Otto von Bismarck anfänglich einen liberalen Kurs gegenüber linken Gruppierungen wie der Sozialistischen Arbeiterpartei August Bebels und Wilhelm Liebknechts an. Um sie ab 1878 mit dem „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ zu bekämpfen. 1890 ging die SADP als stärkste Partei aus den ersten Reichstagswahlen unter Kaiser Wilhelm III. hervor und Bismarck wurde aus dem Amt entlassen. 1906 nutzte der Schuster Wilhelm Voigt die Uniformhörigkeit im Preußischen Staat aus – er lenkte als Hauptmann verkleidet echte Soldaten in das Köpenicker Rathaus, wo er die Stadtkasse und Aufenthaltspapiere für sich raubte. 1907 öffnet am Wittenbergplatz das KaDeWe (Kaufhaus des Westens) mit gehobenem Sortiment und Luxuswaren sein Geschäft.

Groß-Berlin 1920

1911 wurden mit dem „Zweckverbandsgesetz für Groß-Berlin“ die kreisfreien Städte Berlin, Charlottenburg, Deutsch-Wilmersdorf, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg und Spandau sowie die Landkreise Niederbarnim und Teltow zusammengeschlossen. Der Zweckverband mit rund 3500 Quadratkilometern Fläche und 4,2 Millionen Einwohnern führte nicht zu dem erhofften sozialen Ausgleich zwischen den einzelnen Gemeinden. Erst in der Weimarer Republik konnte Berlin durch das so genannte Groß-Berlin-Gesetz von 1920 zu einem eigenständigen Regierungsbezirk mit provinzähnlichen Funktionen und zur flächenmäßig zweitgrößten Stadt der Welt werden – durch die Eingemeindung von Berlin-Lichtenberg, Berlin-Schöneberg, Berlin-Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln und Spandau sowie der Stadtgemeinde Cöpenick, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke aus den Kreisen Niederbarnim, Osthavelland und Teltow.

Die 1920er Jahre

Erster Weltkrieg und Revolution

Der sich auf Grund von Bündnisverpflichtungen flächenbrandartig ausbreitende Erste Weltkrieg brachte weltweit 17 Millionen Menschen den Tod – die Kriegsschulden dafür konnte Deutschland erst 2010 endgültig begleichen. Da sich der Waffengang unerwartet in die Länge zog, musste Deutschland sein bisher liberales Wirtschaftssystem komplett auf Kriegsplanwirtschaft umstellen. In Berlin kam es durch die damit verbundene sinkende Produktivität der Landwirtschaft ab 1915 zu stärker werdenden Versorgungsengpässen bei Grundnahrungsmitteln. Kriegsmüdigkeit, das Auseinderbrechen der bestehenden Familien- und Gesellschaftsstrukturen, Armut und Hunger ließen den Unwillen der Bevölkerung anwachsen.

Unter dem Motto „Frieden und Brot“ beteiligten sich im Frühjahr 1918 in Berlin über 400.000 Menschen an Demonstrationen des Spartakusbundes gegen Krieg. Ihr Protest fand seinen Höhepunkt in der Revolution von 1918, bei der Philipp Scheidemann (SPD) am 9. November vom Balkon des Reichstags die Republik ausrief.

In der Weimarer Republik: Spartakusaufstand

Der Krieg war verloren, der Kaiser hatte abgedankt und die junge Republik suchte nach Stabilität. Mit ihrem Streben nach einer sozialistischen Räterepublik konnten sich die von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wilhelm Pieck neu gegründete Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) nicht durchsetzen. Der von ihnen in Teilen der Berliner Innenstadt sowie dem Zeitungsviertel initiierte Spartakusaufstand vom 5.-12. Januar 1919 wurde von regierungstreuen Freikorps-Einheiten blutig niedergeschlagen.

Die SPD ging aus den Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar als stärkste Fraktion hervor. Friedrich Ebert wurde zum Reichspräsidenten gewählt und Luxemburg sowie Liebknecht von Freikorpssoldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division im Tiergarten ermordet.

Kapp-Putsch

Am 13. März 1920 lehnten sich rechtsextreme Verschwörer um den ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp gegen laut Versailler Vertrag vorzunehmende Reduzierung des deutschen Heers auf. Reichswehrgeneral von Walther von Lüttwitz besetzte mit der ihm unterstehenden Marinebrigade Ehrhardt das Berliner Regierungsviertel und ernannte Kapp zum Reichskanzler.

Die Regierung floh aus Berlin und rief zusammen mit der SPD zum Generalstreik auf. Die Ministerialbürokratie verweigerte sich Kapps Anweisungen und der Streik erreichte den Zusammenbruch der öffentlichen Dienstleistungen – der Staatsstreich scheiterte.

(Kultur-) Metropole Berlin

Dank des „Groß-Berlin-Gesetzes“ vom 1. Oktober 1920 wird Berlin zur größten Industriestadt Europas. Die in der Weimarer Verfassung fixierten Grundrechte und persönlichen Freiheiten ermöglichen den Aufstieg der Spreestadt zu der Kulturmetropole der 20er Jahre. Kunst und Kultur erlebten einen bisher unbekannten Aufschwung. Die wichtigsten Künstler der Zeit trafen sich im Romanischen Café am Kurfürstendamm (Bertolt Brecht, Otto Dix, Max Liebermann, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Billy Wilder u. v. a.) und Josephine Baker brachte den Charleston nach Deutschland – mit ihrem Auftritt 1926 im Nelson-Theater am Kurfürstendamm. 1928 erlebt die „Dreigroschenoper“ im Theater am Schiffbauerdamm ihre Uraufführung und wird ein Welterfolg. Neben dem Boom des Berliner Nachtlebens mit Unterhaltungsshows und Varieté entwickelte sich die Stadt auch bei Tage.

1921 erhielt Berlin mit der AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstrecke) die weltweit erste Autobahn, 1923 ging der Flughafen Tempelhof in Betrieb und 1926 zur dritten Funkausstellung der Funkturm für den Publikumsverkehr geöffnet. Die erste „Grüne Woche“ zog in ihrem ersten Jahr 1926 schon 50.000 Besucher an.

Weltwirtschaftskrise

Die auf Grund der innenpolitischen Wirren zunächst in Weimar tagende Nationalversammlung musste unter dem Druck der Entente-Mächte am 23. Juni 1919 den Versailler Vertrag unterzeichnen und die Zuweisung der alleinigen deutschen Schuld für den Beginn des Ersten Weltkriegs annehmen. Die daraus resultierenden Reparationszahlungen von 132 Milliarden Mark belasteten das Deutsche Reich schwer und lieferten der extremen Rechten eine willkommene Begründung zur Bekämpfung der Republik. Die 1929 auch Berlin erreichende Weltwirtschaftskrise führt zu 664 Konkursen und 450.000 Arbeitslosen. Bis 1932 halbierte sich die industrielle Produktion der Stadt und die Arbeitslosigkeit stieg auf 30,8 Prozent. Die betroffenen 600.000 Berliner konnten nur auf die Unterstützung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hoffen, sofern sie nicht in die seit 1927 bestehende Arbeitslosenversicherung eingezahlt hatten.

Aufstieg der NSDAP

Dolchstoßlegende, Kriegsschuldfrage, Weltwirtschaftskrise, Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit machten die Menschen empfänglich für die Propaganda der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei), die seit 1920 an der Eliminierung der Republik arbeitete. Nachdem Hitlers Redeverbot auch in Preußen aufgehoben wurde, sprach er 1928 erstmals öffentlich im Berliner Sportpalast.

Die sich zum Ende der 20er Jahre häufenden Saal- und Straßenschlachten zwischen der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) und dem kommunistischen Roten Frontkämpferbund (RFB) gipfelten im Berliner „Blutmai“ von 1929 mit 30 Toten, 200 Verletzten und 1.200 Inhaftierungen. Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung am 17. November 1929 brachten der NSDAP 5,8 Prozent der Stimmen und damit 13 Mandate im Stadtparlament ein. 1932 gewann die NSDAP die Reichstagswahlen sowohl im Juli (37,4 Prozent) als auch im November (33,1 Prozent/Berlin: 25,9 Prozent) – woraufhin Hitler die von ihm beanspruchte Reichskanzlerschaft am 30. Januar 1933 vom Reichspräsidenten Hindenburg übertragen bekam.

Nationalsozialistische Reichsregierung (1933-1945) und II. Weltkrieg (1939-1945)

Machtergreifung

Der „Tag der Machtübernahme“ am 30. Januar 1933 feierten die Nationalsozialisten mit Fackelzügen durch das Brandenburger Tor. Schon kurz darauf begann sie mit der Verfolgung ihrer politischen Gegner und der Errichtung der ersten Konzentrationslager. Etwa 3.000 Gefangene, vorwiegend politisch linke Vertreter der Weimarer Republik, Intellektuelle und Künstler, wurden im KZ Oranienburg bis zu dessen Auflösung 1934 inhaftiert, verhört, gefoltert und zu Arbeitsdiensten gezwungen. Die nach dem Reichstagsbrand von Hindenburg unterzeichnete Notverordnung hob die verfassungsmäßigen Grundrechte der persönlichen Freiheit, der Meinungs-, Vereins- und Versammlungsfreiheit auf. Hermann Göring (NSDAP) sorgte als Leiter des „Reichskommissariats für das preußische Innenministerium“ für die faktische Entmachtung des Berliner Oberbürgermeisters Heinrich Sahm, indem er ihm am 15. März 1933 einen „Staatskommissar für die Hauptstadt Berlin“ zur Seite stellte. Die Verabschiedung des „Ermächtigungsgesetzes“ am 23. März 1933 durch den Reichstag ebnete endgültig den Weg für die Diktatur der Nationalsozialisten. Am 1. April tagte die Stadtverordnetenversammlung ohne die 44 Vertreter der Kommunisten – ihre Mandate waren per Verfügung gestrichen worden. Am selben Tag begannen erstmalig von der NSDAP organisierte Boykotte jüdischer Geschäfte, Cafés, Anwaltskanzleien und Arztpraxen. Das Hauptgebäude der Berliner Universität, die Staatsbibliothek, Institute und Kliniken wurden von SA-Abteilungen besetzt.

Bücherverbrennung und Gleichschaltung

Am 10. Mai verbrannten ein „Kampfausschuß wider den undeutschen Geist“ und Studenten aus Leihbüchereien entfernte Bücher auf dem Platz vor der Alten Bibliothek (heutiger Bebelplatz). 1934 wurde die Berliner Verwaltung gleichgeschaltet“, d. h. sämtliche gewählten Gremien entsprechend des „Gesetzes über die Verfassung der Hauptstadt Berlin“ (15. Juli) aufgelöst und die Reichs- und Landeshauptstadt nun „selbständig nach dem Führerprinzip verwaltet“. Der Todestag des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg am 02. August 1934 machte Adolf Hitler per unmittelbar erlassenem Gesetz als „Führer und Reichskanzler“ zum „Obersten Befehlshaber“ über die Wehrmacht.

Olympische Spiele 1936

Während der Olympischen Sommerspiele vom 1. bis 16. August 1936 wurden alle Anzeichen von Antisemitismus in Berlin vermieden. Die deutsche Bevölkerung war aufgerufen worden, sich gegenüber ausländischen Gästen zuvorkommend und höflich zu verhalten. Theodor Lewald durfte als „Halbjude“ Präsident des Organisationskomitees werden und die fechtende „Halbjüdin“ Helene Mayer sowie der kommunistische Ringer durften an den Spielen teilnehmen. Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit errichteten die Nationalsozialisten in Berlin-Marzahn ein Zwangslager für Roma und Sinti sowie das Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg.

700-Jahr-Feiern Berlin

Den 700. Stadtgeburtstag Berlins nutzten die Machthaber, um „die Geschichte der Stadt in die nationalsozialistische Weltsicht zu pressen“*. Joseph Goebbels, Berliner Gauleiter und Propagandaminister, eröffnete eine Freigeländeschau zur Geschichte Berlins am Funkturm, die Bevölkerung wurde in ihren Bezirken mit Volks- und Sportfesten unterhalten (u. v. a. „Stralauer Fischzug“, historisches Reiterfest in Zehlendorf). Das Festspiel „Berlin in sieben Jahrhunderten deutscher Geschichte“ im Olympiastadion und ein Feuerwerk auf dem Königsplatz bildeten den Abschluss der Feierlichkeiten.

Reichsprogromnacht

Der von den Nationalsozialisten immer offener gepflegte Antisemitismus mündete in die Reichspogromnacht vom 09. November 1938. Das Attentat eines polnischen Juden Herschel Grynszpan auf einen deutschen Botschaftsmitarbeiter in Paris als Anlass für die Zerstörung von jüdischen Warenhäusern und Geschäften, Wohnungen und Synagogen in Berlin sowie ganz Deutschland (im annektierten Österreich ab dem 10. November). SA und SS brannten elf der vierzehn Berliner Synagogen komplett nieder und beschädigten die drei anderen schwer. Über 1.000 verhaftete Juden deportierten sie in das Konzentrationslager Sachsenhausen (Oranienburg).

Zweiter Weltkrieg

Im Gegensatz zum I. erreichte der II. Weltkrieg Berlin mit voller Wucht. Bis zur Kapitulation des III. Reiches am 8./9. Mai 1945 warfen die Alliierten 450.000 Tonnen Bomben über Berlin ab, wodurch ca. 20.000 Berliner starben und über 1,5 Millionen obdachlos wurden. Als Antwort auf deutsche Niederlagen an allen Fronten rief Reichpropagandaminister Goebbels am 18. Februar 1943 die Deutschen im Berliner Sportpalast zum „Totalen Krieg“ auf. Im April 1945 bestritten stark dezimierte deutsche Kampfverbände sowie der aus Jugendlichen und alten Männern gebildete „Volkssturm“ in der einmonatigen „Schlacht um Berlin“ (April 1945) einen aussichtslosen Häuserkampf gegen die Rote Armee und die Kapitulation. Am Ende des Krieges war die Hälfte der innerstädtischen Gebäude zerstört worden und die Bevölkerung von 4,3 auf 2,8 Millionen Menschen zurückgegangen.

Wannsee-Konferenz

Die am 20. Januar 1942 in einer SS-Villa am Berliner Wannsee zusammengekommene Konferenz hochrangiger Nationalsozialisten sollte eine „Endlösung der Judenfrage“ organisieren und koordinieren. Die Vertreter von Reichsbehörden und Parteidienststellen stimmten untereinander den zeitlichen und logistischen Ablauf für die Deportation der europäischen Juden in die besetzten Gebiete Osteuropas ab. An ihre dortige gezielte Vernichtung erinnert heute das „Haus der Wannsee-Konferenz“ als Gedenkstätte für den Holocaust.

Hitlerattentat

Ein als Operation „Walküre“ geplanter Putsch der Wehmacht scheitert durch das am 20. Juli 1944 misslungene Sprengstoffattentat auf Hitler. Oberst Graf von Stauffenberg und seine engsten Mitverschwörer wurden im Bendlerblock (heutige Gedenkstätte Deutscher Widerstand in der Stauffenbergstraße) noch am gleichen Abend erschossen. Die anschließende Welle von Verhaftungen, Schauprozessen und Exekutionen kostete ca. zweihundert am Staatsstreich beteiligte Personen das Leben. Die Hinrichtung der vom Volksgerichtshof zum Tode Verurteilten fand im Strafgefängnis Plötzensee, der heutigen Gedenkstätte Plötzensee (Teil der Gedenkstätte Deutscher Widerstand), statt.

Kapitulation

In der „Schlacht um Berlin“ nahmen sowjetische und polnische Truppen ab dem 21. April 1945 das von ihnen belagerte Berlin ein. Hitler beging am 30. April im Führerbunker. Goebbels folgte ihm einen Tag später an gleicher Stelle in den Tod, nachdem er als Reichskanzler vergeblich versucht hatte, Stalin zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Am 1. Mai 1945 hatten die Belagerer den Kampf in Berlin gewonnen. Eine Woche später unterzeichnete Wilhelm Keitel als Chef des Oberkommandos der Wehrmacht im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die Kapitulation aller deutschen Streitkräfte.

Viermächte-Status und Wiederaufbau Berlins (1945-1950er)

Vier Sektoren Stadt

Die Alliierten teilten Berlin auf der Konferenz von Jalta in vier Sektoren ein – Frankreich kontrollierte den nordwestlichen, England den westlichen und die USA den süd-westlichen Teil der Stadt. Der gesamte Ostteil Berlins verblieb unter der Aufsicht der Sowjetunion. Der von der sowjetischen Stadtkommandantur eingesetzte Magistrat mit dem Oberbürgermeister Arthur Werner musste nach der ersten Wahl zur „Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin“ einer SPD-Regierung unter Otto Ostrowski (SPD) weichen. Die zunehmenden Spannungen zwischen den Siegermächten führten zum weltweit wirkenden „Kalten Krieg“, der sich in Berlin auf der Mikroebene abbildete.

Blockade und Luftbrücke

Der Versuch der Sowjets, die West-Sektoren Berlins mit der Blockade des Schienen- und Straßenverkehrs an die wirtschaftliche Versorgung durch Ost-Berlin und das sowjetisch kontrollierte Umland zu binden, scheiterte an der „Luftbrücke“. Um die eigenen Soldaten und die Berliner zu unterstützen, flogen die Vereinigten Staaten von Amerika und England vom Juni 1948 bis zum Mai 1949 rund 2,34 Millionen Tonnen an Kohle, Nahrungsmitteln und Baustoffen über die Flughäfen Tempelhof und Tegel sowie die Berliner Seen ein.

Der Oberbürgermeister Berlins

Als Symbol für Berlins Widerstandswillen gegen das sowjetische Annexionsstreben beeindruckte der Stadtrat Ernst Reuter (SPD) die Bevölkerung und die westlichen Alliierten. Seine Rede an die „Völker der Welt“ verfolgten am 9. September 1948 ca. 300.000 Menschen vor dem Reichtagsgebäude. Nur drei Monate später wurde Ernst Reuter mit absoluter Mehrheit zum Oberbürgermeister von West-Berlin gewählt. Fünf Tage vorher, am 30. November, war es zur politischen Spaltung Berlins gekommen. In Ost-Berlin hatte die Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) die Absetzung des Magistrats forciert, woraufhin Friedrich Ebert, Sohn des ersten Reichspräsidenten, zum Oberbürgermeister von Berlin gewählt worden war. Seinen Geltungsanspruch schränkten die westlichen Militärbehörden auf den Ostsektor der Stadt ein.

Hauptstadtfrage

Sowohl die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland (23. Mai 1949) als auch die der DDR (7. Oktober 1949) erhoben Anspruch auf Groß-Berlin. Für West-Berlin blieb der alliierte Sonderstatus bis zur Wiedervereinigung 1990 erhalten. Bundeshauptstadt und Regierungssitz der BRD wurde Bonn, Ost-Berlin zur Hauptstadt der DDR.

Stadtentwicklung Ost und West

Der von der sowjetischen Militärregierung 1945 mit der Entwicklung eines Wiederaufbaukonzepts für das stark zerstörte Berlin betraute Stadtbaurat Hans Scharoun war ein Visionär. Seine 1946 vorgestellten Pläne sahen den fast vollständigen Abriss der noch vorhandenen Baustruktur und die Einteilung der Stadt in Funktionszonen vor. Stattdessen beschloss die DDR „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“, sprengte das Stadtschloss zugunsten eines Demonstrationsplatzes und erbaute ab 1951 mit den neoklassizistischen Bauwerken in der Stalinallee (heutige Karl-Marx-Allee) die „erste sozialistische Prachtstraße“ des Landes. Im Westteil Berlins entwickelte sich der Bereich zwischen Zoologischem Garten, Kurfürstendamm und Ernst-Reuter-Platz zum neuen Zentrum für Handel, Verwaltung und Kultur. 1957 präsentierte die Internationale Bauausstellung (Interbau) die in Zusammenarbeit mit weltbekannten Architekten wie Le Cobusier, Oscar Niemeyer, Walter Gropius u. v. a. entstandenen Bauten im Hansaviertel sowie die Kongresshalle im Großen Tiergarten. Die einhunderttausendste mit öffentlichen Mitteln gebaute Wohnung in West-Berlin wurde am 21. Juni 1957 übergeben.

Aufstand 17. Juni

Im Bezirk Friedrichshain traten am 16. Juni 1953 Ost-Berliner Bauarbeiter in den Streik gegen eine von der DDR-Regierung verordnete Arbeitsnormenerhöhung. Daraus entwickelte sich ein Volksaufstand, der am 17. Juni mit Demonstrationen und Protesten in der ganzen DDR den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen forderte. Die DDR-Führung flüchtete nach Berlin-Karlshorst zu den sowjetischen Behörden. Diese verhängte den Ausnahmezustand und ließ den Aufstand mit Panzern, 20.000 Soldaten und 8.000 Angehörigen der Kasernierten Volkspolizei niederschlagen. Der am 4. August vom Deutschen Bundestag als „Tag der deutschen Einheit“ erklärte 17. Juni forderte mindestens 55 Tote. Ihm folgten umfangreiche Verhaftungen und Strafverfahren mit Todesurteilen oder langjährigen Haftstrafen in Zwangsarbeiterlagern.

Berlin im „Kalten Krieg“

Mauerbau

Mit dem Bau der „Berliner Mauer“ reagierte die DDR-Regierung auf den starken Anstieg seiner über West-Berlin flüchtenden Einwohner. Die Aussage des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbrichs: „… niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, ließ die Zahl der monatlichen Übersiedler von fast 19.200 im Juni 1961 auf 31.415 Personen im Juli ansteigen. Der am 13. August begonnene Mauerbau entlang der Sektorengrenze blockierte diesen Exodus und hielt die Bürger der DDR bis zum 09. November 1989 in Schach.

Leben mit der DDR

Es dauerte nach dem Mauerbau zehn Jahre bis Ost- und West-Berlin 1971 über zehn direkte Telefonleitungen wieder miteinander verbunden werden konnten. Dem vorausgegangen waren sowohl Annäherungs- als auch Konfrontationsversuche zwischen den beiden Teilen der Stadt. Am 26. Juni 1963 bekannte sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika John F. Kennedy zur Freiheit der West-Sektoren mit den Worten: „Ich bin ein Berliner“. Die Passierscheinabkommen der Jahre 1963, 1964, 1965 und 1966 ermöglichten Besuche von West-Berlinern bei Verwandten im Ostteil der Stadt. Eine Plenarsitzung des Deutschen Bundestages am 7. April 1965 in der Berliner Kongresshalle fasste die DDR als Provokation auf und sperrte temporär den Transitverkehr, während sowjetische „Düsenjäger“ zur Störung der Sitzung das Gebäude in geringer Höhe überflogen. Nach seiner Wahl zum Bundeskanzler am 21. Oktober 1969 begann der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt (SPD) seine „Neue Ostpolitik“ der kleinen Annäherungsschritte, für die er 1971 den Friedensnobelpreis erhielt. Ra

Die 68er

Am 2. Juni 1967 erschoss ein Polizist den Studenten Benno Ohnesorg bei einer Protestaktionen gegen den Berlin-Besuch des Schahs von Persien. Die zögerliche Tataufklärung, die polarisierende Berichterstattung der Bild-Zeitung und das Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 radikalisierten Teile der Studenten-Bewegung. Die 1966/1967 entstandene außerparlamentarische Opposition spaltete sich auf in Parteigänger der SPD sowie Begründer der Neuen sozialen Bewegungen und radikale Splittergruppen wie die terroristische Rote Armee Fraktion (RAF).

Ost-West-Annäherung

Durch die Unterzeichnung des Vier-Mächte-Abkommens zu Berlin am 3. Juni 1972 traten auch die Folgeabkommen zur Erleichterung des Transitverkehrs (17. Dezember) und des Reise- und Besuchsverkehrs (20. Dezember) sowie die „Vereinbarung über die Regelung der Frage von Enklaven durch Gebietsaustausch“ in Kraft. Für weitere nachbarliche Beziehungsverbesserungen sorgte der Grundlagenvertrag vom 21. Juni 1973.

West-Berlin der 80er

In Kreuzberg begannen in den 80er Jahren junge Leute die zum Teil langjährig leerstehenden Wohnungen als „Instandbesetzer“ einzunehmen und dort alternative Wohnformen auszuprobieren. Von 1980/1981 über 160 besetzten Häusern konnten 80 in Verhandlungen mit Besitzern und Senat in legale Wohnverhältnisse überführt werden. Die übrigen Besetzungen räumte der Senat sukzessive, begleitet von Straßenschlachten und dem Tod des Hausbesetzers Klaus-Jürgen Rattay, der bei einer Demonstration von einem BVG-Bus tödlich verletzt wurde. Wie kreativ Berlin in den 80ern war, demonstrierte u. a. die Band Ideal, die mit „Wir stehn auf Berlin“ und ihrem legendären Rockpalast-Auftritt in der Waldbühne die „Neue Deutsche Welle“ auslöste. Beim Abschlusskonzert der Konzerttournee zu ihrem zweiten Album „Der Ernst des Lebens“ trat Ideal zugunsten der Berliner Hausbesetzer auf.

Stadtentwicklung Ost & West

In beiden Teilen Berlins entstanden in den Jahren ihrer Parallelexistenz eindrucksvolle Bauwerke. Die Entwicklung des Zentrums der „Hauptstadt der DDR“ zwischen Alexanderplatz und Marx-Engels-Platz, der Palast der Republik oder auch die „Plattenbausiedlungen“ in Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf im Osten stehen im Westteil die Neue Nationalgalerie (Mies van der Rohe), der Neubau der Staatsbibliothek (Hans Scharoun), das Internationale Kongresszentrum (ICC) sowie die Hochhaussiedlungen Gropiusstadt, Märkisches Viertel und Falkenhagener Feld gegenüber. Dreißig Jahre nach der Interbau von 1957 sollte 1984/1987 eine Internationale Bauausstellung die Innenstadt West-Berlins mit kritischer Rekonstruktion und behutsamer Stadterneuerung als Wohnstandort zurückgewinnen.

750 Jahr-Feier

Anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums Berlins fanden getrennte Feierlichkeiten in Ost- und West-Berlin statt. US-Präsident Ronald Reagan forderte am 12. Juni 1987 bei seiner Rede vor dem Brandenburger Tor: „Mr. Gorbatschow open this gate. Mr. Gorbatschow tear down this wall!“ Schon beim „Concert for Berlin“ auf dem Platz der Republik am 06.-08. Juni hatten „heimliche“ Zuhörer von der Ost-Berliner Seite gerufen: „Die Mauer muss weg!“ und waren dafür von der DDR-Polizei hart attackiert worden. In beiden Teilen Berlins wurden im Vorfeld der 750-Jahr-Feier städtebauliche Maßnahmen umgesetzt. Der Westen gestaltete u. a. den Breitscheidplatz sowie den Rathenauplatz neu und beschloss den Bau des Deutschen Historischen Museums, während die DDR Berlins ältestes Wohnviertel rund um die Nikolaikirche im historisierenden Stil rekonstruieren lies, die U-Bahnhöfe Märkisches Museum und Klosterstraße aufwändig umbaute und im Prenzlauer Berg die Husemannstraße entsprechend ihres Aussehens um die Jahrhundertwende wiederherstellte.

Fall der Mauer

Schon vor der Feier des 40. Jahrestags ihrer Staatsgründung war die DDR-Führung durch eine wachsende Bürgerbewegung, die einen Wandel analog zu „Perestroika“ und „Glasnost“ in der UDSSR einforderte, destabilisiert worden. In seiner Festrede am 07. Oktober 1989 mahnte der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Michael Gorbatschow Reformen bei den Machthabern in Ost-Berlin an. Massendemonstrationen, die Gründung des „Neuen Forums“ und Erich Honeckers Rücktritt zugunsten Egon Krenz waren die Folge. Nach der Erklärung der Reisefreiheit für DDR-Bürger am 9. November überstürzten sich die Ereignisse. Die Medien verbreiteten, dass die Mauer gefallen sei, Grenzsoldaten öffneten den Grenzübergang an der Bornholmer Straße und die Menschen in Ost- und West-Berlin feierten diese Nacht als das Ende der innerdeutschen Grenzziehung.

Das wiedervereinte Berlin (1990-heute)

Ende der deutschen Teilung

Der von den beiden deutschen Staaten sowie den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnete 2+4-Vertrag besiegelte völkerrechtlich die Wiedervereinigung und die volle Souveränität Deutschlands sowie das Ende der Viermächte-Verantwortung für Berlin. Danach konnte auch der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik in Kraft treten und der 3. Oktober 1990 als „Tag der deutschen Einheit“ in der neuen deutschen Hauptstadt Berlin begangen werden. Der Abzug der Alliierten aus Berlin wurde 1994 mit Paraden und einem Großen Zapfenstreich zu Ehren der Schutzmächte auf dem Pariser Platz gefeiert.

Berlin als Hauptstadt Deutschlands

Am 11. Januar 1991 wurde im Berliner Abgeordnetenhaus der erste Gesamtberliner Senat gewählt und am 20. Juni beschloss der neue Deutsche Bundestag seinen Umzug in die Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister verlegte seinen Amtssitz vom Rathaus Schöneberg in das Berliner Rathaus („Rotes Rathaus“) am Alexanderplatz. Mit der Fertigstellung des neu gestalteten Reichstags (1999), des Bundeskanzleramts (2001) sowie der umliegenden Parlamentsgebäude (Paul-Löbe-Haus 2001/Jacob-Kaiser-Haus 2002/Marie-Elisabeth-Lüders-Haus 2003) entstand zwischen dem 2001-2002 restaurierten Brandenburger Tor und dem Humboldthafen das neue politische Machtzentrum Deutschlands.

Neues Gesicht der Hauptstadt

Seit der Wiedervereinigung konnte sich Berlin als weltoffene, international attraktive Stadt der Kreativität etablieren. Insbesondere die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sorgte für ein deutlich verbessertes Ansehen Deutschlands und Berlins. Das so genannte „Sommermärchen“ zog Millionen Besucher aus der ganzen Welt u. a. auf die Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule, wo man gemeinsam friedlich und fröhlich die spielenden Mannschaften anfeuerte. Weiterhin entwickelte sich Berlin zu einer Hochburg der zeitgenössischen Kunst und der Mode. Die seit 2007 zweimal jährlich stattfindende Berlin Fashion Week sowie Kunstmessen wie die im Herbst 2012 erstmals öffnende Berlin Art Week erregen sowohl das Interesse des Fachpublikums als auch das vieler Touristen, die Berlin mit ihrem Besuch beleben.

Quelle: https://www.visitberlin.de/de/die-geschichte-berlins

Warum Berlin einfach cool ist

Wir lieben unsere Hauptstadt, denn sie ist mit keiner anderen auf der Welt vergleichbar. Schon ihre Geschichte ist bemerkenswert: Sie wurde im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört und nach dem Krieg durch die Berliner Mauer in zwei Hälften geteilt. 1989 ist dann die Mauer gefallen. Nach mehreren Jahrzehnten der Teilung konnten sich Familien und Freunde, die sich so lange Zeit nicht mehr sehen konnten, endlich wieder in die Arme nehmen.

Die Spreemetropole hat sowohl sehr gute Zeiten, aber auch sehr schlechte Zeiten hinter sich. Auf jeden Fall ist Berlin eine Stadt, die schon immer Leute aus anderen Ländern willkommen geheißen hat. Und das macht auch die Atmosphäre so einzigartig. Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen und Kulturen zusammen. Kaum eine andere Stadt ist so international geprägt.

Vielen Städten wurde bereits nachgesagt, das „neue Berlin“ zu sein. Aber diesen Status konnte bisher keine halten. Berlin ist und bleibt Berlin in seiner Einzigartigkeit. Wir sind natürlich der Meinung, dass unsere Hauptstadt einfach nur cool ist. Gerne erklären wir dir auch, warum.

Berlin ist künstlerisch

An jeder Ecke kannst du Kunstgalerien, Schallplattenläden und Ateliers besuchen. Du findest nicht nur Meisterwerke klassischer Maler, sondern auch drei UNESCO-Welterbestätten und über 180 Museen.

Die Stadt hat eine äußerst aktive Street-Art-Szene. Auf den meisten Fassaden kannst du lustige, politische oder andere Wandmalereien und Graffitis entdecken. Die Straßenkunst sorgt für eine eher „schmuddelige“ Ästhetik, aber dadurch ist die Kreativität Berlins auch buchstäblich an die Wand geschrieben.

Das beste Beispiel für Street-Art ist die East Side Gallery am Ostufer. Der über 1300 Meter lange Abschnitt der Berliner Mauer ist bis heute erhalten geblieben. Er ist sozusagen eine Freiluftgalerie mit zahlreichen Wandmalereien. Die 1990 entstandenen Originalwerke stellen heute ein Denkmal für die Teilung Berlins und den Mauerfall dar. Erfreulicherweise kannst du die East Side Gallery kostenlos erkunden. Wenn du noch etwas tiefer in die Geschichte und Subkulturen Ostberlins einzutauchen willst, kannst du auch an einer Führung teilnehmen.

Berlin ist musikalisch

Auch musikalisch hat Berlin einiges zu bieten: Der Musikkalender ist das ganze Jahr über vollgepackt mit Konzerten aller Genres. Die Hauptstadt ist für alle Musikschaffenden eine wichtige Station auf ihren Tourneen. Selbst die größten Bands treten in ausverkauften Shows gerne in Berlin auf.

Und natürlich sind auch weltbekannte DJs gerne hier, die die Leute auf Partys zum Tanzen bringen. Die Spreemetropole ist berühmt für sein unvergleichliches Nachtleben. Für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei und selbst für etwas obszönere Fetische wirst du ein Etablissement finden. Die Partyszene ist allgegenwärtig, von den Discos an der Spree über das berüchtigten Berghain bis hin zu den Underground-Clubs.

Berlin ist multikulturell

Als Treffpunkt für alle Nationalitäten ist mit der Zeit ein wunderschöner Schmelztiegel von Sprache, Kultur und Essen entstanden.

Hier kann kommt man auch ohne Deutschkenntnisse gut zurecht!

Sehenswürdigkeiten

Brandenburger Tor

Falls du zuvor noch nie in Berlin warst, solltest du unbedingt das Brandenburger Tor besuchen. Dass du heute einfach so durch die Säulen der bekannten Sehenswürdigkeit durchlaufen kannst, ist nicht selbstverständlich. Denn früher verlief unmittelbar davor die Berliner Mauer und es gab keine Möglichkeit, den Platz zu überqueren.

Das Brandenburger Tor wurde um die Wende der 1790er Jahre auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. errichtet. Erbaut wurde es an der Stelle eines der ehemaligen Verteidigungstore von Berlin. An der Spitze steht die Quadriga – ein von vier Pferden gezogener Wagen. Er wird von 12 Säulen getragen, die zusammen fünf Durchgänge bilden.

Reichstag

Ein weiteres markantes Gebäude, welches die Geschichte Berlins während des 20. Jahrhunderts widerspiegelt, ist der Reichstag, der Tagungsort des Deutschen Bundestages. Dieses neobarocke Gebäude stammt aus dem Jahr 1894. Es beherbergte den Reichstag, bis es 1933 bei einem von den Nationalsozialisten verursachten Brand beschädigt wurde.

Die Ruinen des Gebäudes wurden bis nach dem Fall der Mauer erhalten. Als diese dann gefallen ist, ließ die Stadt mit Hilfe eines Restaurierungsprojekts den Reichstag als Emblem des vereinten Deutschlands wieder im alten Glanz auferstehen.

Museumsinsel

Die Museumsinsel gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Du findest sie im Stadtteil Friedrichshain am Ufer der Spree. Sie ist ein Komplex von fünf Museen der Spitzenklasse. Dort kannst du das Alte Museum, die Alte Nationalgalerie, das Neue Museum, das Bode-Museum und das Pergamonmuseum besuchen.

Die Museen waren in vergangen Zeiten auch eine hervorragende Möglichkeit, den Reichtum und die Raffinesse der königlichen Sammlungen Preußens zu zeigen. Zudem präsentieren sie seine militärischen Siege während des 19. Jahrhunderts.

Die erste Einrichtung war das Alte Museum.  Es wurde von Karl Friedrich Schinkel entworfen und 1830 eröffnet. Das letzte war das Pergamonforum im Jahr 1930. Das Neue Museum von 1859 wurde nach seiner Zerstörung im Krieg im Jahr 2009 wiedereröffnet.

Berliner Mauer

In der Bernauer Straße kannst du einen 70 Meter langen Abschnitt der Mauer besichtigen. Es ist wohl eines der denkwürdigsten Sehenswürdigkeiten für diese weltweit bekannte Grenze, welche Deutschland zweigeteilt hat.

Dieser gesamte Abschnitt ist eine Gedenkstätte für die Menschen, die bei dem Versuch, die Grenze zur BRD im Zeitraum von 1961 bis 1989 zu überqueren, ihr Leben ließen. Auf der anderen Seite der Bernauer Straße findest du das Besucherzentrum. Es dokumentiert die Mauer von ihrer Entstehung bis zu ihrer endgültigen Zerstörung.

Berliner Fernsehturm

Neben dem Alexanderplatz steht der imposante Berliner Fernsehturm, ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt. Er ist das zweithöchste Bauwerk der Europäischen Union und hinterlässt in der Skyline eine unverkennbare Spur.

Der Fernsehturm ist außerdem das höchste für die Öffentlichkeit zugängliche Gebäude Europas. Von der 200 Meter hohen Aussichtsplattform kannst du unsere Hauptstadt von oben betrachten.

Gendarmenmarkt

Ein Stück des ganz alten Berlins zu seiner Blütezeit findest du am Gendarmenmarkt. Der Platz zwischen der Charlottenstraße und der Markgrafenstraße wurde im 17. Jahrhundert vom Architekten Johann Arnold Nering angelegt.

Die Prunkstücke des Platzes sind die Französische und die Deutsche Kirche. Sie stehen sich am nördlichen und südlichen Ende des Platzes gegenüber. Dazwischen befindet sich das neuere und sehr imposante Konzerthaus. Es wurde 1821 vor einer Statue des Schriftstellers Friedrich Schiller errichtet. Im Dezember findet hier auch ein sehr beliebter Weihnachtsmarkt statt.

Grüne Stadt

Berlin verfügt über zahlreiche und weitflächige Grünflächen. Insgesamt kannst du hier mehr als 2500 öffentliche Parks und Gärten erkunden. Auch die Einwohnerschaft liebt die Natur, die ihnen in der Stadt geboten wird.

Besonders in den Sommermonaten strömen die Menschen in Scharen zu den alten Start- und Landebahnen des alten Flughafens Tempelhof.

Wenn du vom vielen Sightseeing müde geworden bist, dann kannst du im Tiergarten eine Pause einlegen. Wie viele andere Stadtparks in Europa war er ein Jagdrevier. Später wurde er vom preußischen Architekten Peter Joseph Lenné neu gestaltet. Hier findest du auch das Bismarck‑Denkmal und andere hübsche Orte wie die Luiseninsel und den Rosengarten.

Berlin ist eine dynamische und aufregende Stadt, die auf keiner Bucket List fehlen darf. Die Hauptstadt ist hip, cool und der Inbegriff von Multikulti. Außer der aktiven Street-Art-Szene kannst du genauso Parks, Sehenswürdigkeiten und noch viel mehr genießen. Wenn du immer noch nicht von einem Besuch überzeugt bist, haben wir immer noch ein überzeugendes Argument: In Berlin bekommst du die mit Abstand besten Döner und Falafeln!

Quelle: https://www.backpackertrail.de/berlin-coolste-stadt/

Mit dem Fahrrad unterwegs

Karlsruhe – Eine Stadt mit Geschichte und Charme

Die Stadt Karlsruhe ist mit knapp 300.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes Baden-Württemberg. Gleichzeitig ist sie auch eine der letzten «Planstädte», die im 18. Jahrhundert gebaut wurden. Den Namen verdankt sie dem ehemaligen Landesfürsten Karl Wilhelm, Markgraf von Baden-Durlach. Heute ist Karlsruhe eine Stadt, in der die Schönheit der Vergangenheit mit der Flexibilität der modernen Zeit vermischt wird. Für Studenten ist sie ideal. Es gibt hier zahlreiche renommierte Fakultäten und Möglichkeiten um sich in der Freizeit zu beschäftigen. Auch das Gewerbe ist in Karlsruhe ein wichtiger Faktor. Viele innovative und moderne Unternehmen haben einen Sitz in Karlsruhe und sind immer auf der Suche nach qualifizierten und motivierten Mitarbeitern. Die Lebensqualität in der Stadt ist ausgezeichnet. Die zahlreichen Parkanlagen tragen ihren Teil dazu bei und machen den Alltag ein wenig grüner. In Karlsruhe leben, das heißt genießen und entspannen.

Allgemeines und die Geschichte der Stadt

Offiziell wurde Karlsruhe erst im Jahre 1715 gegründet und gehört damit zu den jüngeren Städten in Deutschland. Doch die Menschen siedelten schon vorher in der Region und nutzten die natürliche Lage und die ausgezeichneten Böden für ihre Zwecke. Wenn man sich Karlsruhe aus der Vogelperspektive vorstellt, dann muss man eigentlich die komplette Stadt auf ein paar wenige besiedelte Dörfer reduzieren um ein korrektes Bild der damaligen Besiedlungsstufe zu erhalten. Dazwischen befanden sich Wälder und Felder. Die ersten Menschen bewohnten anscheinend schon in der Eisenzeit die Region und stellten hier Werkzeuge her, betrieben Landwirtschaft und bauten Häuser. Zumindest weisen Funde darauf hin, dass die Gegend zumindest als Gräberfeld genutzt wurde. Im Mittelalter war die Region weitestgehend unbedeutend und unterlag der direkten Kontrolle des Marktgrafen. Dieser verlegte seine Residenz im Jahre 1525 nach Durlach, worauf die Stadt einen unglaublichen Aufschwung erlebte. Durch die zentrale Lage und die Struktur des Heilig Römischen Reiches war die Region ein wichtiges Durchgangsgebiet für Händler und Gewerbetreibende. Zudem galt sie als relativ sicher, was eine Seltenheit zu der damaligen Zeit war.

Die Gründung der Stadt Karlsruhe erfolgte aufgrund der visionären Vorstellungskraft des Landesfürsten Karl-Wilhelm. Dieser träumte von einem Schloss, welches ähnlich wie Versailles das Zentrum seiner Regentschaft darstellen sollte. Zugegeben, die Auswüchse des französischen Königshofes konnte sich der Marktgraf zum damaligen Zeitpunkt nicht leisten. Deshalb beschloss er direkt eine kleine Planstadt zu bauen. Karlsruhe gilt als moderne Planstadt. Die Anordnung der Straßen und der Häuser folgt der Form eines Kreises und ist eng an die Regeln der Geometrie gebunden. Der Grundriss der Planung ist bis heute erhalten und wird von der Stadtverwaltung Karlsruhe durchaus gefördert und weiterentwickelt. Die Idee ist insofern innovativ, weil sie die Wege innerhalb der Stadt deutlich verkürzt und die Mobilität so erhöht. Als Zentrum war das Schloss des Marktgrafen auserkoren. Da es sich hier um ein klassisches Jagdschloss handelt waren die Grünflächen zur damaligen Zeit deutlich stärker im Fokus der Stadtplaner. Heute sind sie in Form von zahlreichen Parks innerhalb der Stadt erhalten. Natürlich nicht mehr in dem Ausmaß wie in der früheren Zeit. Schon damals zeigte Karlsruhe seine weltoffene und tolerante Seite. Am Bau waren Menschen aus ganz Europa beteiligt. Diese siedelten sich oftmals in den neuen Häusern an und wurden aufgrund der geltenden Gesetze umgehend in die Gesellschaft der Stadt und des Landes integriert.

Im Zeitalter der Industrialisierung und der Moderne erlebte Karlsruhe einen weiteren Aufschwung. Als Sitz wichtiger Industriebetriebe und zahlreicher Unternehmen war Karlsruhe ein wichtiger Wirtschaftsstandort für das Deutsche Kaiserreich. Beim Bau der Eisenbahn in Deutschland spielte die Stadt als Verkehrsknotenpunkt ebenfalls eine große Rolle. Der Bahnhof in Karlsruhe zeugt noch heute von der ehemaligen Größe und Wichtigkeit der Stadt. Im Zeitalter des Nationalsozialismus hatte Karlsruhe, wie viele andere Städte auch, seine schwarzen Zeiten. Fast alle Sinti und Roma, sowie alle Juden der Stadt wurden deportiert und in Ausschwitz und anderen Vernichtungslagern getötet. Heute bemüht sich die Stadt über alle Maß das entstandene Unrecht wieder gut zu machen und arbeitet aktiv an der Aufklärung der Sachverhalte. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war Karlsruhe schnell wieder ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Vor allem die Dienstleistungsbranche suchte die Nähe und die gute Anbindung in alle Regionen der Bundesrepublik. Zahlreiche Events, darunter die Bundesgartenschau im Jahre 1967, machten Karlsruhe in der ganzen Welt bekannt und sorgten für einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Ihren Ruf als «grüne Stadt» hat Karlsruhe bis heute erhalten können und noch immer wohnen die Menschen hier gerne und günstig. Mit einem Alter von knapp 300 Jahren ist Karlsruhe auch heute eine weltoffene und liebenswerte Stadt mit Charme und Herz.

Sehenswürdigkeiten und Events in Karlsruhe

Karlsruhe ist eine Stadt voller Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Um sie alle zu nennen reicht leider der Platz in diesem Beitrag nicht aus. Aber die wichtigsten müssen natürlich erwähnt werden! Dazu gehört vor allem natürlich das historische Schloss, dass sich im Herzen der Stadt befindet. Dieses erreicht man am besten über die Innenstadt und schon hier kann die Tour quer durch die Geschichte beginnen. Am historischen Stadtkern kommt man zwangsläufig an der Pyramide vorbei. Diese ist das Grabmal des Stadtgründers und wird beidseitig vom Rathaus und von der Stadtkirche gesäumt. Die Christuskirche am Mühlburger Tor ist ebenfalls eine historische Sehenswürdigkeit und ein stiller Zeuge der großen Religionskonflikte. Die alljährliche Chanukka-Feier der jüdischen Gemeinde in Karlsruhe ist jedes Jahr ein wichtiger Höhepunkt. Sie zeugt vom Wiedererstarken und der Freundschaft des Judentums und ist ein wichtiges Zeichen der internationalen Versöhnung der Völker und der Religionen. Wer einmal entspannen möchte, dem sei ein Besuch im Schlossgarten an das Herz gelegt. Hier kann man im Sommer und im Winter die Ruhe und die Schönheit eines historischen Gartens genießen und einmal die Seele baumeln lassen. Auch das Zentrum für Kunst und Medien öffnet seine Tore regelmäßig für Besucher und gilt als einer der architektonischen Höhepunkte der modernen Baukunst. Wer einmal ausgiebig shoppen möchte, der muss auf jeden Fall einmal die Kaiserstraße besuchen. Hier findet man zahlreiche kleine und große Läden, Cafés, Bars und zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Unterhaltung.

Die Wirtschaft in Karlsruhe

Die Stadt war früher ein wichtiger Standort für die Schwerindustrie. Vor allem für die Rüstung spielte Karlsruhe immer eine herausragende und wichtige Rolle. Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich die Lage allerdings deutlich. Heute ist die Stadt ein Zentrum für Dienstleistungen, für Kultur und Kunst und ein wichtiger Sitz für zahlreiche innovative Unternehmen aus der ganzen Welt. Karlsruhe gilt auch als die Stadt der Rechtsanwälte. Die direkte Nähe zu den wichtigen Gerichten der Bundesrepublik trägt ihren Teil dazu bei. Doch auch im Bereich der Architektur kommt fast keine Stadt in Deutschland an die Bedeutung von Karlsruhe heran. Die wichtigsten Architekten der Neuzeit haben einen Sitz in der Stadt und begeistern Bauherren mit innovativen und begeisternden Konzepten. Noch relativ jung, aber nicht minder innovativ ist die IT-Branche vertreten. Aufgrund der exklusiven und ausgezeichneten Hochschulstruktur gilt Karlsruhe bei vielen weltweit tätigen Unternehmen als wichtiger Rekrutierungsstandort für angehende Designer, Entwickler und Hardware-Spezialisten. Mit einer erstaunlich geringen Arbeitslosenquote und einem stabilen Haushalt ist Karlsruhe einer der Mustergemeinden des Bundeslandes Baden-Württemberg.

Studieren und leben in Karlsruhe

Studenten haben in Karlsruhe optimale Bedingungen. Die Lage auf dem Wohnmarkt ist stabil und es gibt für wenig Geld hochwertigen Wohnraum günstig zur Miete. Mit insgesamt 10 Hochschulen mit Fakultäten in allen Fachrichtungen gehört die Stadt zu den größten Studienzentren in der Welt. Über 15.000 Studenten nutzen die ausgezeichnete Infrastruktur und die Möglichkeiten, die sich hier bieten. Dazu kommt, dass Karlsruhe geographisch optimal liegt. Man kommt von der Stadt aus schnell in alle Ecken der Bundesrepublik und nach ganz Europa. Neben dem Studium spielt natürlich auch die Freizeit für Studenten immer eine große Rolle. Hier hat die Stadt einiges zu bieten. Es gibt große Kinos, Nachtklubs und Cafés. Wer es ein wenig entspannter haben möchte, der kann über die Stadtgrenze fahren und die schöne Natur genießen. Die Nähe zu den Vorgebirgen und den mittleren Gebirgen sorgt dafür, dass man auf langen Wanderungen die Schönheit des Bundeslandes einmal für sich entdecken kann. Die Geographie wird im nächsten Absatz noch einmal näher erläutert, wobei das Umland weniger zum Zuge kommt. Deswegen muss es einfach hier noch einmal ausführlich erwähnt werden. Die Region gilt als eine der schönsten in Deutschland und die Gastfreundlichkeit der Baden macht das Leben und die Freizeit zu einem wahren Hochgenuss. Wer es schafft in Karlsruhe zu studieren, der macht wirklich eine tolle Erfahrung für das ganze Leben und kann in einer der schönsten Städte in Deutschland die besten Jahre seines Lebens verbringen.

Die Geographie und die Landschaft in und rund um Karlsruhe

Die Landschaftsgestaltung innerhalb der Stadt erfolgt meist entsprechend der Vorgaben aus der Vergangenheit. Die großzügigen Parkanlagen sind entweder in einem modernen und minimalistischen Stil gehalten, oder aber verspielt wie in den vergangenen Zeiten. Karlsruhe gilt als sehr kinderfreundliche Stadt. Nicht nur wegen der Parks, sondern auch wegen der zahlreichen Spielplätze und Spielstraßen. Geographisch liegt Karlsruhe abseits der großen Überschwemmungsgebiete und westlich des Rheins. Der wichtige Fluss bildet gleichzeitig die Stadtgrenze im Westen. Die Rheinnebenflüsse Alb und Pfinz fließen direkt durch die Stadt und verschönern das Stadtbild. Gleichzeitig sorgen sie für ein besseres Klima im Stadtkern und kühlen im Sommer die Temperatur deutlich herab. Ein Kuriosum gibt es noch: Die Stadt liegt auf dem 49. Breitengrad und damit auf derselben Lage wie die Staatsgrenzen der USA und Kanadas. Ein weiterer Punkt, der für die große Weltoffenheit der Karlsruher spricht. Auch wenn diese Tatsache von dem Gründer der Stadt wahrscheinlich weniger beabsichtigt war und sich als später Zufall der Zeitgeschichte herausstellt. Mit knapp 26% Waldfläche und 6% Erholungsfläche bietet die Stadt Karlsruhe ideale Bedingungen für ein schönes und entspanntes Leben. Trotz der hohen Einwohnerzahl sind insgesamt nur 26,7% der Fläche von Wohn- und Gewerberäumen bebaut. So ist es möglich, dass man in Karlsruhe über die Stadtgrenze geht und schon inmitten der freien Natur steht. Gleichzeitig ist die Stadt mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 10,5 Grad eine der wärmsten Städte in Deutschland. Die geschützte Lage im Graben des Oberrheins sorgt im Sommer für eine leicht schwüle Atmosphäre und speichert im Winter die Wärme optimal. In Karlsruhe ist es oft nebelig, was den Schloss- und Parkanlagen einen ganz eigenen und individuellen Flair verleiht. Karlsruhe wird von der Verwaltung in 27 Stadtteile unterteilt und von Bürgermeistern, und einem Oberbürgermeister regiert. In der Stadt und der direkten Umgebung gibt es insgesamt 8 ausgewiesene und ausgezeichnete Naturschutzgebiete.

Quelle: https://bundesland24.de/staedte/karlsruhe/

DIE STADT KARLSRUHE UND IHRE GESCHICHTE

Die baden-württembergische Stadt Karlsruhe im Süden Deutschlands hat eine Geschichte vor, während und nach der Stadtgründung. Dies bedeutet, dass mit der Planung eines Schlosses durch Karl Wilhelm, Markgraf von Baden-Durlach, für Karlsruhe selbst alles im 18. Jahrhundert begann. Das Schloss sollte ‚Carols Ruhe’ heißen und Ausdruck absolutistischer Planung und Bauweise sein, stand es doch der Legende zufolge in den Träumen des Herrschers sonnengleich im Zentrum der Stadt, während Straßen strahlenförmig von hier aus nach außen verliefen. Der Anfang der Stadt Karlsruhe fand schließlich auf dem Reißbrett statt und ließ den Traum des Markgrafen Wirklichkeit werden. Die Grundsteinlegung des Schlossturms erfolgte am 17. Juni 1717. Im Jahr 1718 wurde Karlsruhe offiziell die Residenz der Markgraftschaft Baden-Durlach. Aus der Rückblende betrachtet erfolgte damit eine der letzten imposanten städtischen Neugründungen Europas.

VON DER BRONZEZEIT ZUM PFÄLZISCHEN ERBFOLGEKRIEG

Funde aus alter Zeit aus der Gegend um Karlsruhe zeichnen ein anderes Geschichtsbild. In Durlach, Rüppurr, Grünwinkel und Knielingen, die heute Stadtteile von Karlsruhe sind, wurden Beile und Bronzebarren aus der Bronzezeit gefunden.

Zu den weiteren archäologischen Entdeckungen gehörten ein Gräberfeld, das auf die jüngere Eisenzeit datiert werden konnte, sowie einige Funde aus der Römerzeit, darunter drei Ziegel- und ein Töpferofen, ein Gräberfeld sowie Einzelgräber, und Münzen. Die Hinweise, dass es in dieser Gegend römische Siedlungen gab, waren eindeutig.

Durlach war bereits lange vor der Gründung von Karlsruhe bedeutend. Dies lag an den Grafen Hohenberg, die im elften Jahrhundert auf dem Turmberg bei Durlach nicht nur eine Burganlage, sondern auch das Benediktinerkloster Gottesaue errichteten.

Die Gegend selbst erlebte stürmische Zeiten gesellschaftlicher und politischer Veränderungen wie den Bauernaufstand, die Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg und den Pfälzischen Erbfolgekrieg.

DER PRIVILEGIENBRIEF KARL WILHELMS

Dass Markgraf Karl Wilhelm am 24. September 1715 einen Privilegienbrief verfasste und veröffentlichte, mag aus heutiger Sicht weniger die Bemühung eines Herrschers gewesen sein, der die Bevölkerung in eine moderne Zeit führen wollte. Vielmehr waren andere Interessen im Spiel, denn der Markgraf wollte seine Stadt vor allem für die Bevölkerung attraktiv machen. In diesem Sinn war sein Angebot, der Karlsruher Bevölkerung rechtliche, religiöse und finanzielle Privilegien zu gewähren, zu verstehen. Karlsruhe begann sich zu beleben und verzeichnete im Jahr 1719 bereits 2.000 Einwohner und Einwohnerinnen.

DIE ENTWICKLUNG BIS HEUTE

Über die Jahrhunderte stiegen die Einwohnerzahlen. Im Jahr 1901 war die Stadtbevölkerung auf 100.000 Menschen angewachsen, 2014 waren es über 300.000. Dazwischen war Karlsruhe Residenz der badischen Großherzöge, hatte eine für damalige Verhältnisse liberale Verfassung und erlebte die badische Revolution. Die Stadt war Sitz des ersten deutschen Verwaltungsgerichts, womit es zum ersten Mal möglich war, verbriefte Bürgerrechte gegenüber staatlichen Rechtsverstößen einzuklagen. Damit waren 1863/64 Voraussetzungen geschaffen, aus Untertanen Bürger zu machen.

Im 20. Jahrhundert erfuhr Karlsruhe erhebliche Zerstörungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Ab 1952 gehörte es zum Land Baden-Württemberg, dessen zweitgrößte Stadt es heute ist. 1969 erhielt die Stadt für hervorragende Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken den Europapreis.

Quelle: https://nabu-karlsruhe.de/die-stadt-karlsruhe-und-ihre-geschichte/

Spaziergang am Rhein

Landeshauptstadt Düsseldorf

1 Was ist eine Landeshauptstadt?

Düsseldorf ist eine Großstadt. Außerdem ist es zugleich die Hauptstadt des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Das kam so: Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Deutschland zerstört und von Soldaten aus Großbritannien, Frankreich, den USA und der Sowjetunion besetzt. Das Land war in vier Besatzungszonen eingeteilt.

Das heutige Land Nordrhein-Westfalen entstand im Jahr 1946 aus den ehemaligen Provinzen Westfalen und Nordrhein sowie dem Land Lippe. Drei Jahre später wurde es ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Düsseldorf wurde zur Hauptstadt bestimmt.

Was ist eine Hauptstadt? In jedem Bundesland gibt es ein Parlament, das über wichtige Gesetze für das Land entscheidet. Es wird Landtag genannt. Dem Landtag gehören Frauen und Männer an, die vom Volk für jeweils fünf Jahre gewählt werden. Außerdem gibt es in jedem Bundesland eine Landesregierung.

An der Spitze steht ein Ministerpräsident oder eine Ministerpräsidentin. Zur Landesregierung gehören Ministerien und Behörden, die für die Verwaltung des Landes zuständig sind. Die Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel sind Beamte oder Angestellte des Landes, ihr Chef ist der Kultusminister oder die Kultusministerin.

Seit 1988 tagen die Abgeordneten des Landtags in einem Gebäude in der Nähe der Rheinkniebrücke. Typisch für das Bauwerk sind seine Kreisformen. Es gibt einen Sitzungssaal, in dem die Abgeordneten zusammenkommen, und sechs weitere halbkreisförmige Gebäude. Im großen Sitzungssaal ist Platz für mehr als 200 Abgeordnete und 350 Besucher.

2 Düsseldorf und das Ruhrgebiet

Düsseldorf hatte am 31. Dezember 2020 genau 620.523 Einwohner. Damit ist es die zweitgrößte Stadt in NRW, nur in Köln leben noch mehr Menschen. Sie liegt überwiegend auf der rechten Seite des Rheins. Seinen Namen hat Düsseldorf von dem kleinen Flüsschen Düssel, die hier in den Rhein mündet. 

Viele Jahrhunderte herrschten hier die Herzöge von Jülich-Berg, die Düsseldorf zu ihrer Hauptstadt bestimmten. Einem dieser Herzöge, Jan Wellem genannt, errichtete man ein Denkmal, das zu einem Wahrzeichen Düsseldorfs wurde. 

Die Stadt ist heute ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Bereits im 19. Jahrhundert entstanden hier viele Industriebetriebe. Dazu trug vor allem die günstige Verkehrslage am Rhein bei. Es entstanden Häfen und Anlagen für den Güterverkehr. Aber auch Handelsmessen und Börsen wurden gegründet, die zum Teil bis heute bestehen.

Zum Aufschwung Düsseldorfs trug bei, dass viele der großen Kohle- und Stahlfirmen des Ruhrgebiets ihre Verwaltungen nach Düsseldorf legten. Düsseldorf galt als der „Schreibtisch des Ruhrgebiets“. Auch heute werden viele große Firmen und staatliche Behörden von Düsseldorf aus geleitet. Außerdem gibt es hier eine Universität.

3 Düsseldorf und der Rhein

Düsseldorfs Innenstadt liegt in unmittelbarer Nähe zum Rhein. Heute kann man auf der Rheinuferpromenade 1,5 km lang am Rhein entlang laufen. Früher verlief hier die Bundesstraße 1. Doch sie wurde in einen Tunnel unter die Promenade verlegt. Seitdem haben Radfahrer und Spaziergänger wieder Zugang zum Rhein, und Treppen führen hinunter zum Fluss.

Aussichtsplattformen bieten eine schöne Aussicht über den Rhein und man kann in Cafés und Restaurants einkehren. Häufig finden auf der Promenade besondere Veranstaltungen statt. Manchmal werden hier spektakuläre Feuerwerke gezündet, so bei Jahrmärkten oder beim jährlich stattfindenden Japan-Tag. Sie sehen über dem Rhein besonders schön aus.

Auch ein Marathonlauf führt hier jedes Jahr entlang und es gab sogar schon einmal einen Wettbewerb im Skilanglauf. Da es in Düsseldorf selten schneit, musste man dafür mit Kunstschnee arbeiten.

4 Jan Wellem und das Rathaus

Jan Wellem hieß eigentlich Johann Wilhelm von der Pfalz. Er war einer der Herzöge, die einst das Herzogtum Jülich-Berg regierten. Er ließ viele prächtige Bauten in Düsseldorf errichten, auch sein eigenes Reiterstandbild, das 1711 vor dem Rathaus aufgestellt wurde.

Bis heute befindet es sich in zentraler Lage auf dem Marktplatz Düsseldorfs. Dieser Marktplatz wird auf drei Seiten vom Düsseldorfer Rathaus umrahmt. Das Rathaus wurde im Lauf der Zeit immer wieder erweitert und besteht heute aus fünf verschiedenen Gebäudeflügeln. Man unterscheidet dabei das „Alte Rathaus» und das «Neue Rathaus“.

Das Neue Rathaus wurde im Jahr 1884 erbaut. Es hatte früher einen hohen Turm, der im Zweiten Weltkrieg aber zerstört wurde. Auf dem Düsseldorfer Marktplatz wird in jedem Jahr am 11.11. um 11:11 Uhr der Beginn des Karnevals gefeiert.

5 Die Tonhalle

Die Tonhalle in Düsseldorf ist ein Konzerthaus, das in den Jahren 1925/26 am Rheinufer entstand. Anfangs diente sie als Ausstellungsraum für Messen. Später sollte sie als Planetarium genutzt werden, deshalb entschied man sich für die kuppelförmige Bauweise. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 38 Metern. Im Zweiten Krieg wurde sie teilweise zerstört.

In den 1970er Jahren baute man sie dann zu einem Konzerthaus um. In dem großen Musiksaal finden heute 1800 Menschen Platz, daneben gibt es hier auch noch einen kleineren Saal mit 300 Plätzen. In Düsseldorf gibt es auch zahlreiche Museen, zum Beispiel die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit drei Ausstellungsorten.

6 Der Rheinturm

Der Fernsehturm in Düsseldorf liegt in der Nähe des Rheins und wird deshalb auch als Rheinturm bezeichnet. Gebaut wurde er in den Jahren 1978 bis 1982. Er ist 240 Meter hoch und damit das höchste Gebäude der Stadt. Von diesem Turm aus werden Funk- und Fernsehwellen verbreitet, er ist aber auch ein beliebtes Ausflugsziel.

In 170 Meter Höhe gibt es ein Café und darüber ein Restaurant. Unter dem Café befindet sich eine Besucherplattform, von der man einen tollen Ausblick über Düsseldorf und den Rhein hat. Das Restaurant dreht sich innerhalb einer Stunde einmal um seine Achse. Eine Besonderheit des Düsseldorfer Fernsehturms ist eine Lichtskulptur, die als größte digitale Uhr der Welt gilt. Durch Lichtsymbole wird die Uhrzeit dargestellt. Die Turmspitze wird nachts blau-violett angestrahlt.

7 Die Königsallee

Sie ist eine der bekanntesten und teuersten Einkaufsstraßen Deutschlands. Abgekürzt wird sie oft «Kö» genannt. Sie wurde im Jahr 1804 als Prachtstraße angelegt und hieß erst Kastanienallee. 1851 wurde sie dann in Königsallee umbenannt.

An dieser Stelle befanden sich vorher die Stadtbefestigungen. Deshalb ist die Straße auch heute noch sehr breit und wird von einem Wassergraben durchzogen. An der Königsallee findet man viele teure Modegeschäfte, Banken, Restaurants und Luxushotels.

8 Die Altstadt von Düsseldorf

Die heutige Großstadt Düsseldorf ging aus der Altstadt hervor, die inzwischen nur noch einer von 50 Stadtteilen ist. Sie liegt unmittelbar an Rhein und Düssel und bildet immer noch das Zentrum der Stadt. Der größte Teil der Altstadt ist Fußgängerzone. Hier gibt es zahlreiche Läden. Auf engem Raum kann man in über 300 Kneipen, Diskotheken oder Restaurants einkehren.

Hier wird gegessen, getrunken und gefeiert. Ein besonders beliebtes Getränk ist das dunkle Altbier. Die Altstadt von Düsseldorf wird manchmal auch als «die längste Theke der Welt» bezeichnet. In der Karnevalszeit herrscht in der Altstadt besonders viel Trubel. Denn Düsseldorf ist nicht nur der «Schreibtisch des Ruhrgebiets», sondern auch eine Hochburg des Karnevals im Rheinland.

Quelle: https://www.hamsterkiste.de/landeshauptstadt-duesseldorf

Stadt Düsseldorf

Die heu­ti­ge Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf liegt an bei­den Ufern des Rheins im nie­der­rhei­ni­schen Ter­ras­sen­land, um­fasst mit den 1908/1909, 1929 und 1975 ein­ge­mein­de­ten Stadt­tei­len 21.700 Hekt­ar und hat (2008) cir­ca 585.000 Ein­woh­ner. 

Vor­mit­tel­al­ter­li­che Be­sied­lung lässt sich im al­ten Stadt­kern nicht nach­wei­sen. Im Nor­den sind auf­grund von stein-, bron­ze- und ei­sen­zeit­li­chen Fun­den meh­re­re Sied­lungs­plät­ze wahr­schein­lich. Auch am Ran­de der Ber­g­aus­läu­fer fin­den sich bron­ze- und ei­sen­zeit­li­che Sied­lungs­spu­ren. Ei­ne Kon­ti­nui­tät zu den mit­tel­al­ter­li­chen Sied­lungs­plät­zen ist nicht ge­ge­ben.

Äl­ter als Düs­sel­dorf und frü­her in den Quel­len ge­nannt sind die ehe­mals selb­stän­di­gen Städ­te Kai­sers­werth und Ger­res­heim so­wie zahl­rei­che Ort­schaf­ten in­ner­halb des heu­ti­gen Stadt­ge­bie­tes (zum Bei­spiel Bilk 799, Kal­kum 892, Him­mel­geist 904, Hub­bel­rath 950, Lu­den­berg 1050, Hamm 1262). 

Ort wechseln

Der äl­tes­te Stadt­teil ist Kai­sers­werth. Das wohl schon En­de des 7. Jahr­hun­derts auf ei­ner Rhein­in­sel von Mis­si­ons­bi­schof Suit­bert ge­grün­de­te Klos­ter wur­de im 11. Jahr­hun­dert in ein Stift um­ge­wan­delt. Ne­ben dem Stift und der auf ei­nen Kö­nigs­hof zu­rück­ge­hen­den Pfalz mit Reichs­zoll (1174) ent­wi­ckel­te sich ei­ne Sied­lung. Pfalz und Sied­lung wa­ren seit 1424 an den Erz­bi­schof von Köln ver­pfän­det, der die Pfalz zu ei­ner mäch­ti­gen Burg­an­la­ge aus­bau­te, die 1689 und 1702 zer­stört wur­de. 1591 wur­de hier der Dich­ter und Be­kämp­fer des He­xen­wahns, Fried­rich Spee, ge­bo­ren. 1768/1772 ging Kai­sers­werth an Jü­lich-Berg über, wur­de 1808 Mai­rie und 1816 Bür­ger­meis­te­rei. 1836 grün­de­te der evan­ge­li­sche Pfar­rer Theo­dor Flied­ner hier sei­ne welt­weit tä­ti­ge Dia­ko­nis­sen­an­stalt. 1929 wur­de der Ort, der im Kern bis heu­te sei­nen früh­neu­zeit­li­chen Cha­rak­ter ­be­wahrt hat, nach Düs­sel­dorf ein­ge­mein­det.

Das 873/874 erst­mals be­zeug­te Ger­res­heim geht wohl auf den Ade­li­gen Ger­rich zu­rück, der hier ein Ka­no­nis­sen­stift stif­te­te. Schon im 12. Jahr­hun­dert bil­de­te sich bei dem Stift (St. Mar­ga­re­tha) ei­ne Sied­lung, die 1368 vom Gra­fen von Berg Stadt­rech­te er­hielt. Bis zur Ein­ge­mein­dung nach Düs­sel­dorf 1909 war der Ort klein­städ­tisch und agra­risch struk­tu­riert, wenn man von der 1864 von Ferd. Heye ge­grün­de­ten Glas­fa­brik (ge­schlos­sen 2005) ab­sieht. 

Der Na­me Düs­sel­dorf lei­tet sich von dem Bach Düs­sel ab, der, bei Ne­vi­ges im ber­gi­schen Land ent­sprin­gend, im Alt­stadt­be­reich in den Rhein mün­det. Der Na­me Düs­sel (1065 Thus­se­la) wird mit „to­sen» in Ver­bin­dung ge­bracht. Die ers­te Nen­nung von Düs­sel­dorf wird auf 1135-1159 da­tiert; 1162 als Thus­sel­dorp be­zeich­net, wird der Ort ver­mut­lich 1206 aus der Pfar­rei Bilk aus­ge­löst und zur selb­stän­di­gen Pfar­re. 1263 ver­lieh der Gra­fen von Berg Fähr­rech­te an Ein­woh­ner. 

Am 14.8.1288, nur sechs Wo­chen nach der Schlacht von Worrin­gen (5.6.1288) ver­lieh Graf Adolf V. von Berg (Re­gie­rungs­zeit 1259-1296) Düs­sel­dorf Stadt­rech­te. Gleich­zei­tig grün­de­te er ein Ka­no­ni­ker­stift an der St. Lam­ber­tus­kir­che, das am 8.9.1288 vom Papst be­stä­tigt wur­de. Der wohl zu­nächst nur mit Wall und Gra­ben be­fes­tig­te Ort um­fass­te le­dig­lich 3,8 Hekt­ar; er lag auf ei­ner hoch­was­ser­frei­en Land­zun­ge, die im Nor­den durch ei­nen al­ten Rhein­arm, im Wes­ten durch den Rhein und im Nor­den durch die Düs­sel ge­schützt war. 

Im ers­ten Jahr­hun­dert nach der Grün­dung ent­wi­ckel­te sich die Stadt nur we­nig. Erst un­ter Graf Wil­helm von Berg (1360-1408), der 1380 Her­zog wur­de, er­leb­te sie ei­nen Auf­schwung. Durch An­la­ge ei­ner Neu­stadt er­wei­ter­te er die Stadt auf 22,5 Hekt­ar. Er bau­te das Schloss aus, rich­te­te ei­nen Rhein­zoll ein und ließ ei­ne stei­ner­ne Be­fes­ti­gung für die ge­sam­te Stadt an­le­gen. Au­ßer­dem grün­de­te er das bes­ser aus­ge­stat­te­te Stift un­ter dem Na­men Ma­ri­en­stift neu, ließ ei­ne spät­go­ti­sche Hal­len­kir­che er­rich­ten und ein Spi­tal (Gast­haus) an­le­gen. Der Er­werb der Re­li­qui­en des Hei­li­gen Apol­li­na­ris be­grün­de­te ei­ne re­gio­na­le Wall­fahrt. An­sät­ze ei­ner Re­si­denz­bil­dung wur­den un­ter sei­nen Nach­fol­gern nicht fort­ge­führt

Ein Bür­ger­meis­ter er­scheint erst­mals 1306, ein Rat 1358; in die­sem Jahr ist Düs­sel­dorf auch in den ber­gi­schen Land­stän­den ver­tre­ten. Als ers­te To­re wer­den 1396 das Ber­ger und 1408 das Flin­ger Tor ge­nannt, ei­ne Schüt­zen­bru­der­schaft ist für 1435 be­legt. Um 1443 lie­ßen sich die Kreuz­her­ren in der Stadt nie­der. Auf Han­del und be­schei­de­nes Hand­werk im Düs­sel­dorf des 15. Jahr­hun­derts weist die Wein­schrö­der­ord­nung (1417) und die ers­te Zunf­tord­nung (Schuh­ma­cher 1453) hin, ei­ne Bad­stu­be exis­tier­te 1462. Ei­ne neue Epo­che be­gann für die klei­ne Stadt Düs­sel­dorf mit dem 16. Jahr­hun­dert. Durch die Ver­ei­ni­gung der Ter­ri­to­ri­en Jü­lich, Berg, Kle­ve, Mark und Ra­vens­berg 1521 ent­stand ei­ne ­Län­der­mas­se, die un­ter den Her­zö­gen aus dem Hau­se Kle­ve weit­ge­hend von Düs­sel­dorf aus re­giert wur­de. Da­mit wur­de Düs­sel­dorf ei­ne auf­stre­ben­de Re­si­denz­stadt. Rech­net man für 1435 noch mit cir­ca 2.000 Ein­woh­nern, so dürf­ten es 1542 schon 4.200 bis 4.300 ge­we­sen sein. Be­son­ders un­ter den Her­zö­gen Jo­hann III. (Her­zog 1511-1539) un­d Wil­helm dem Rei­chen er­leb­te die zur Fes­tung aus­ge­bau­te Stadt ei­nen wirt­schaft­li­chen un­d kul­tu­rel­len Auf­schwung. In den Re­li­gi­on­s­aus­ein­an­der­set­zun­gen des 16. Jahr­hun­derts ver­such­ten die ka­tho­li­schen Fürs­ten, ei­nen „mitt­le­ren Weg», ei­ne am Hu­ma­nis­mus ori­en­tier­te Kir­chen­po­li­tik. In Düs­sel­dorf bil­de­ten sich in die­ser Zeit re­for­mier­te und lu­the­ri­sche Ge­mein­den.

Nach dem Tod des kin­der­lo­sen Jo­hann Wil­helm I. 1609 und dem Jü­lich-Kle­vi­schen Erb­streit (1609-1614) gin­gen die Her­zog­tü­mer Jü­lich und Berg an das Haus Pfalz-Neu­burg über, das un­ter Wolf­gang Wil­helm s­ei­ne Re­si­denz nach Düs­sel­dorf ver­leg­te. Ihm ge­lang es, die Stadt weit­ge­hend aus dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg her­aus­zu­hal­ten; auch sie­del­te er zahl­rei­che ka­tho­li­sche Or­den (un­ter an­de­rem die Je­sui­ten) an. Be­deu­tends­ter Ver­tre­ter die­ser Dy­nas­tie war sein En­kel Kur­fürst Jo­hann Wil­helm II. (Jan Wel­lem), der Schloss und Stadt aus­bau­te, ei­ne Ge­mäl­de­ga­le­rie an­leg­te und Düs­sel­dor­f ­durch sei­ne lu­xu­riö­se Hof­hal­tung Glanz ver­lieh. Sein noch heu­te auf dem Markt­platz er­hal­te­nes Rei­ter­stand­bild trug zu sei­ner gro­ßen Po­pu­la­ri­tät bei. Nach sei­nem Tod wur­de Düs­sel­dorf von Mann­heim und Mün­chen aus re­giert und er­leb­te in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts un­ter Karl Theo­dor ei­ne ge­wis­se Blü­te. In die­ser Zeit ent­stan­den die Karl­stadt, Schloss Jä­ger­hof und das Ro­ko­ko­schloss Ben­rath. Jo­han­n ­Wolf­gang von Goe­the (1749-1832) be­such­te 1774 und 1792 sei­nen Freund, den Phi­lo­so­phen Fried­rich Hein­rich Ja­co­bi, in Pem­pel­fort. 

Erst un­ter Na­po­le­on Bo­na­par­te (1769-1821) wur­de das von 1795-1801 von den Fran­zo­sen be­setz­te Düs­sel­dorf wie­der Haupt­stadt ei­nes Ter­ri­to­ri­ums. Im März 1806 über­nahm Joa­chim Mu­rat (1767-1815) als Gro­ßher­zog von Berg die Herr­schaft, gab sie aber 1808 an Na­po­le­on selbst ab, der der Stadt im No­vem­ber 1811 ei­nen Be­such ab­stat­te­te. Die Stadt, seit 1806 mit ei­nem Mai­re an der Spit­ze, bil­de­te mit den um­lie­gen­den Ort­schaf­ten, ei­nen ei­ge­nen Kan­ton im Ar­ron­dis­se­ment Düs­sel­dorf, das zum Rhein-De­par­te­ment ge­hör­te. In die­ser Zeit wur­den zahl­rei­che Re­for­men durch­ge­führt, die spä­ter ge­gen die preu­ßi­sche Re­gie­rung ver­tei­digt wer­den muss­ten.

Im Ok­to­ber 1813 von rus­si­schen Trup­pen be­setzt (10.11.1813 wur­de Jus­tus Gru­ner [1777-1820] Ge­ne­ral­gou­ver­neur), wur­de Düs­sel­dorf durch den Wie­ner Kon­gress 1815 Preu­ßen zu­ge­schla­gen und zu ei­ner Pro­vinz­stadt her­ab­ge­stuft, die im­mer­hin Sitz ei­nes Re­gie­rungs­prä­si­den­ten, des rhei­ni­schen Pro­vin­zi­al­land­ta­ges (1824) und ei­ner Kunst­aka­de­mie (1819) wur­de. 1820 ver­lor die Stadt ih­re Selb­stän­dig­keit und wur­de dem Land­kreis Düs­sel­dorf zu­ge­ord­net, bei dem sie bis 1872 blieb.

Auf den 1801 ge­schleif­ten Fes­tungs­an­la­gen leg­te un­ter an­de­rem der Gar­ten­di­rek­tor Ma­xi­mi­li­an Fried­rich Wey­he den Hof­gar­ten mit der spä­ter Kö­nigs­al­lee ge­nann­ten Stra­ße an. Es folg­te ein klas­si­zis­ti­scher Aus­bau der Stadt. Für die ers­te Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts be­saß Düs­sel­dorf zu Recht den Bei­na­men „Kunst- und Gar­ten­stadt». Die Ma­ler Pe­ter von Cor­ne­li­us und Wil­helm von Scha­dow, der Kom­po­nist Fried­rich Au­gust Burg­mül­ler (1806-1874) mit den nie­der­rhei­ni­schen Mu­sik­fes­ten, Karl Le­be­recht Im­mer­mann, Chris­ti­an Diet­rich Grab­be (1801-1836) und Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dy (1809-1847), spä­ter auch Ro­bert Schu­mann präg­ten die kul­tu­rel­le At­mo­sphä­re der Stadt. Der 1797 in der Bol­ker­stra­ße ge­bo­re­ne Dich­ter Hein­rich Hei­ne er­in­nert in sei­nen Schrif­ten viel­fach an Düs­sel­dorf.

Die güns­ti­ge La­ge am Rhein, die Nä­he zum Ruhr­ge­biet, die Mög­lich­keit, sich un­ge­hin­dert in das Um­land aus­zu­deh­nen und der An­schluss an ver­schie­de­ne Ei­sen­bahn­li­ni­en (ab 1838) be­güns­tig­ten Düs­sel­dorf in der Zeit der In­dus­tria­li­sie­rung. Hat­te noch 1848/1849 die Ar­mut der Hand­werks­ge­sel­len und Ar­bei­ter, die bis­her vor­nehm­lich in klei­nen Tex­til­be­trie­ben ihr Aus­kom­men fan­den, zu Un­ru­hen ge­führt, so wuchs mit der An­sied­lung zum Teil aus Bel­gi­en oder der Ei­fel stam­men­der In­dus­tri­el­ler, die ab 1852 Pud­del­stahl­wer­ke, Kes­sel­fa­bri­ken so­wie Blech- und Na­gel­wer­ke grün­de­ten, der Be­darf an Ar­bei­tern. Vor al­lem in den Au­ßen­be­zir­ken, De­ren­dorf, Golz­heim, Bilk, Lie­ren­feld und Rath sie­del­ten sich zum Bei­spiel die Fa­bri­ken von Pied­boef, Po­ens­gen, „Ha­ni­el & Lueg» (1874), Ja­gen­berg (1878), Hen­kel (1887), Rhein­me­tall (1889) und Man­nes­mann (1897) an. Zu der Ei­sen- und Stahl ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie (un­ter an­de­rem Röh­ren­in­dus­trie) ge­sell­te sich die che­mi­sche In­dus­trie, gleich­zei­tig sie­del­ten sich zu­neh­mend Ver­ei­ne, Ver­bän­de, Kon­zern­zen­tra­len und In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen in Düs­sel­dorf an, so dass die Stadt, be­son­ders nach der Jahr­hun­dert­wen­de, zum „Schreib­tisch des Ruhr­ge­bie­tes» wur­de. So konn­te sich Düs­sel­dorf in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts schnell zu ei­ner be­deu­ten­den In­dus­trie- und Han­dels­stadt ent­wi­ckeln, ein Merk­mal, dass die Stadt bis in die ers­ten Jahr­zehn­te nach dem Zwei­ten Welt­krieg be­hal­ten soll­te.

Be­saß die Stadt um 1815 cir­ca 20.000 Ein­woh­ner, so wa­ren es 1850 schon 40.000, 1875 80.000, 1882 100.000 und 1900 213.000. Be­reits 1854 war ein neu­er Be­bau­ungs­plan be­schlos­sen wor­den, der 1885, nach der Ent­schei­dung, die Ei­sen­bah­nen um die da­ma­li­ge Stadt her­um­zu­le­gen und ei­nen zen­tra­len Bahn­hof zu er­rich­ten, er­neu­ert wur­de. Über­re­gio­na­le Aus­stel­lun­gen (1880, 1902), der Aus­bau des Ha­fens (1896), der Bau ei­ner Rhein­brü­cke (1898) und sys­te­ma­ti­sche Neu­an­sied­lung von In­dus­trie (In­dus­trie­ter­rain Reis­holz), ver­bun­den mit zahl­rei­chen In­fra­struk­tur­maß­nah­men führ­ten zu ei­ner star­ken Er­wei­te­rung der be­bau­ten Flä­che. 1908 und 1909 wur­den die teil­wei­se schon in­dus­tria­li­sier­ten Ge­mein­den Wers­ten, Ger­res­heim, El­ler, Heerdt, Him­mel­geist, Lu­den­berg, Rath, Stock­um und Venn­hau­sen ein­ge­mein­det. Der Ers­te Welt­krieg brach­te der Stadt, die auch Gar­ni­sons­stadt und Rüs­tungs­stand­ort war, star­ke Ein­bu­ßen, zu­mal sie seit 1918 teil­wei­se von bel­gi­schen und bri­ti­schen und dann 1921-1925 von fran­zö­si­schen Trup­pen be­setzt war. Nach de­ren Ab­zug ge­lang es durch den Aus­bau des Flug­ha­fens 1925, ei­ner neu­en gro­ßen Aus­stel­lung 1926 („Gro­ße Aus­stel­lung Düs­sel­dorf 1926 für Ge­sund­heits­pfle­ge, so­zia­le Für­sor­ge und Lei­bes­übun­gen», kurz „Ge­sol­ei»), de­ren Dau­er­bau­ten heu­te das mu­se­um kunst pa­last und das Fo­rum Kul­tur und Wirt­schaft be­her­ber­gen, und der Ein­ge­mein­dung von Ben­rath mit Ga­rath, Has­sels, It­ter, Kai­sers­werth, Lo­hau­sen, Reis­holz und Ur­den­bach (1929), an die Vor­kriegs­ent­wick­lung an­zu­knüp­fen. Mit der Ein­ge­mein­dung von Heerth mit Ober- und Nie­der­kas­sel dehn­te sich die Stadt auf das lin­ke Rhein­ufer aus, die Ein­woh­ner­zahl hat­te sich auf 472.000 Ein­woh­ner er­höht. Nach dem Brü­cken­bau und der Er­rich­tung ei­ner elek­tri­schen Klein­bahn nach Kre­feld durch die Rhei­ni­sche Bahn­ge­sell­schaf­t war ab cir­ca 1900 das ge­gen­über der Alt­stadt Düs­sel­dorf lie­gen­de Vor­land (Ober­kas­sel) sys­te­ma­tisch be­baut und als Wohn­ge­biet er­schlos­sen wor­den. 

Die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, die auch in Düs­sel­dorf ab 1933 al­le Geg­ner, Miss­lie­bi­ge und An­ders­den­ken­den ver­haf­te­ten und aus dem öf­fent­li­chen Le­ben her­aus­dräng­ten, woll­ten in Düs­sel­dorf mit der Aus­stel­lung „Schaf­fen­des Volk» 1937 die Wirt­schafts­kraft des „Drit­ten Rei­ches» de­mons­trie­ren. 1938 be­gann mit dem No­vem­ber­po­grom und der Zer­stö­rung der Syn­ago­gen im Stadt­ge­biet die sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung und Er­mor­dung auch der Düs­sel­dor­fer Ju­den.

Düs­sel­dorf war In­dus­trie­stadt und Rüs­tungs­stand­ort, in dem wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs zu­neh­mend Zwangs­ar­bei­ter ein­ge­setzt wur­den. Al­lei­ne über 400 La­ger und Wohn­plät­ze für Kriegs­ge­fan­ge­ne, Zwangs­ar­bei­ter und KZ-Häft­lin­ge konn­ten nach­ge­wie­sen wer­den. Durch 243 Luft­an­grif­fe ab 1940 und Be­schuss wur­de über die Hälf­te der Stadt zer­stört, wo­bei es über 6.000 To­te un­ter der Zi­vil­be­völ­ke­rung gab. Noch in den letz­ten Kriegs­ta­gen wur­den un­ter ma­ß­geb­li­chem Zu­tun des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gau­lei­ters von Düs­sel­dorf, Flo­ri­an, Bür­ger, die die Stadt kampf­los ­über­ge­ben woll­ten, hin­ge­rich­tet. 

Am 17.4.1945 be­setz­ten ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen die Stadt, die am 10./12.6.1945 un­ter bri­ti­sche Mi­li­tär­ver­wal­tung kam. Am 21.6.1946 ent­schied die bri­ti­sche Re­gie­rung, ein Land Nord­rhein-West­fa­len mit der Haupt­stadt Düs­sel­dorf zu schaf­fen. War die Stadt­ver­wal­tung über die Eh­re, Haupt­stadt ei­nes neu­en Lan­des zu­ ­sein, we­gen der schwie­ri­gen Woh­nungs- und Ver­sor­gungs­la­ge zu­nächst we­nig er­freut, so hat sie dann seit den 1960er Jah­ren die neue Rol­le ak­zep­tiert.

Das Wirt­schafts­le­ben be­gann mit der Wie­der­er­öff­nung der Rhei­nisch-west­fä­li­schen Bör­se und der Grün­dung der Nord­west­deut­schen Aus­stel­lungs­ge­sell­schaft 1946. Die Pres­se­aus­stel­lung (1947), die Aus­stel­lung „Al­le sol­len bes­ser le­ben» so­wie die Wie­der­auf­nah­me des zi­vi­len Flug­ver­kehrs 1949 zei­gen den be­gin­nen­den Auf­schwung an. In den 1950er und 1960er Jah­ren folg­ten Hoch­haus­pro­jek­te (Man­nes­mann-Hoch­haus 1958, Thys­sen-Dreischei­ben-Haus 1960), Brü­cken­bau­ten (Theo­dor-Heuss-Brü­cke 1957, Rhein­knie­brü­cke 1969) so­wie der Aus­bau neu­er Sied­lun­gen (Ga­rath ab 1959). Wie­der­auf­bau und Kon­so­li­die­rung nach dem Zwei­ten Welt­krieg wa­ren En­de der 1950er Jah­re ab­ge­schlos­sen. Hat­te Düs­sel­dorf zu­nächst an sei­ne Tra­di­ti­on als In­dus­trie­stadt an­ge­knüpft, wan­del­te es sich zu­neh­mend von der In­dus­trie- zur Me­di­en- und Dienst­leis­tungs­stadt. Im Jah­re 1963, noch vor den Ein­ge­mein­dun­gen von 1975, die die eher länd­lich struk­tu­rier­ten Ge­mein­den An­ger­mund, Witt­la­er, Hub­bel­rath und Has­sel­beck ein­glie­der­ten, hat­te die Stadt mit 705.400 Ein­woh­nern ih­ren Höchst­stand er­reicht. Die 1975 zu­nächst eben­falls ein­ge­mein­de­ten Ge­mein­den Mon­heim und Meer­busch konn­ten ih­re Selb­stän­dig­keit be­haup­ten. 1975 wur­de die Stadt auch in zehn Stadt­be­zir­ke mit ei­ge­nen Be­zirks­ver­tre­tun­gen ein­ge­teilt. 

Mit dem Bau des Fern­seh­turms 1982 und dem Um­zug des Land­tags in das neue Ge­bäu­de am Ber­ger Ha­fen 1988 be­gann die Er­schlie­ßung des so ge­nann­ten Me­di­en­ha­fens, der heu­te sei­nen Cha­rak­ter durch ex­pe­ri­men­tel­le Ar­chi­tek­tur (Frank O. Gehry, Wil­liam Al­sop) und die Um­wand­lung al­ter Ha­fen­ge­bäu­de völ­lig ge­än­dert hat. An der Pe­ri­phe­rie und auf al­ten In­dus­trie­bra­chen, so am See­stern, in Ober­bilk und in De­ren­dorf ent­stan­den seit 1974 neue Bü­ro­kom­ple­xe so­wie Nie­der­las­sun­gen der Gra­phik-, De­si­gner- und Mo­de­bran­che. 1966 hat­te das Land die Me­di­zi­ni­sche Aka­de­mie zur Uni­ver­si­tät er­ho­ben, die 1988 den Na­men „Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät» er­hielt und wo ge­gen­wär­tig (2008) cir­ca 15.000 Stu­den­ten ein­ge­schrie­ben sind.

1973 be­gann die Stadt mit dem Bau ei­ner U-Bahn, de­ren ers­tes Teil­stück 1981 in Be­trieb ge­nom­men wur­de, und de­ren Bau wei­ter an­hält. Ei­nen Wan­del im Stadt­bild be­wirk­te auch die Tief­le­gung der Rhein­ufer­stra­ße 1990-1993 in ei­nen cir­ca zwei Ki­lo­me­ter lan­gen Tun­nel und der Bau des „Stadt­to­res», in dem un­ter an­de­rem der Mi­nis­ter­prä­si­dent sei­nen Sitz hat. Mar­kan­tes Zei­chen der Rhein­front ist auch seit 1997 das Hoch­haus der Vik­to­ria-Ver­si­che­rung. 

Mit dem Aus­bau des Mes­se­ge­län­des (neue Mes­se im Nor­den der Stadt 1971) und des Flug­ha­fens wuchs auch die Zahl ja­pa­ni­scher Fir­men (seit cir­ca 1970), zu de­nen in jüngs­ter Zeit auch chi­ne­si­sche Fir­men­ver­tre­tun­gen ge­tre­ten sind. 

Heu­te ver­steht sich die Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf als in­ter­na­tio­na­le Dreh­schei­be des Han­dels, Stand­ort neu­er Me­di­en, als Mo­de-, De­si­gner- und Mes­se­stadt mit ho­hem kul­tu­rel­len An­spruch.

Quelle: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/stadt-duesseldorf/DE-2086/lido/57cd5d070b7153.05336683

Vom Dorf zur Macht: Landeshauptstadt Düsseldorf (Video)

Ein Zimmer im Kloster Arnsburg

Gießen 

IN GIEßEN BLÜHT DIE WISSENSCHAF

DÜRFEN WIR VORSTELLEN: DAS IST GIESSEN

Mitten in Hessen liegt die Universitätsstadt Gießen. Ein großer Teil der rund 89.000 Einwohner sind Studierende, was Gießen zu Hessens Stadt mit der jüngsten Bevölkerung macht. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl gibt es dort so viele Studenten wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. Die 400 Jahre alte Justus-Liebig-Universität war schon von jeher ein bedeutendes Zentrum für Wissenschaft und Forschung. Dazu gesellen sich andere Lehr- und Forschungseinrichtungen, wie die Technische Hochschule Mittelhessen oder die Freie Theologische Hochschule. Wie in jeder Universitätsstadt freuen sich Nachteulen über eine lebendige Kneipenszene.

Überhaupt ist in Gießen einiges geboten: ob gediegener Opernabend im traditionsreichen Stadttheater, modernes Tanztheater auf der kleinen Studiobühne, Lesungen im Literarischen Zentrum, oder Live-Musik in den Clubs und Kneipen der Stadt – das Angebot ist groß und vielfältig. Nicht zuletzt wegen der vielen internationalen Studenten ist Gießen ein Ort kultureller Vielfalt. Auch die Museumslandschaft hält spannende Einblicke für Wissenschaftsbegeisterte wie auch Kulturinteressierte bereit und lässt außerdem die Herzen von Gießkannenliebhabern höher schlagen. Ganz richtig, im Gießkannenmuseum können unterschiedlichste Exponate des Gartenhelfers bestaunt werden.

5 DINGE, DIE MAN IN GIESSEN NICHT VERPASSEN SOLLTE

BEIM WORT MATHEMATIK denken viele zuerst an Kopfzerbrechen in der Schulzeit. Dabei kann Mathe richtig Spaß machen! Den Beweis bringt ein Besuch im Mathematikum, das übrigens das erste Mathematische Mitmach-Museum der Welt ist. Fast 200 Exponate stellt das Mathematikum in der Gießener Innenstadt aus und entführt damit Besucher egal welchen Alters in die Welt der Mathematik. Wie man aus Geraden etwas Rundes formt? Was Musik mit Mathematik zu tun hat? Und warum die kürzeste Strecke nicht immer die schnellste ist? Nicht nur Mathe-Überfliegern geht bei den vielen interaktiven Experimenten ein Licht auf. Publikumsliebling ist die Riesenseifenhaut: Wer für wenige Sekunden inmitten der glitzernden Riesenblase steht, muss die Minimalfläche nicht wie in der Schule berechnen, sondern kann sie tatsächlich sehen. Für die Kleinen hält das Mini-Mathematikum einige spannende Experimente bereit – fühlen, knobeln, kniffeln und ganz nebenbei Mathematik begreifen.

GERADE EINMAL 21 JAHRE war Justus Liebig, als er 1824 zum Professor der Chemie ernannt wurde. In den Jahren danach hat Liebig, einer der bedeutendsten Chemiker Deutschlands, an der Universität Gießen gewirkt und unterrichtet. Im Liebig-Museum, das sich im historischen Labor des berühmten Chemikers befindet, sind die Hörsäle erhalten geblieben. Das Besondere: Sie sehen fast genau so aus wie im 19. Jahrhundert! Auch heute werden dort chemische Versuche durchgeführt –  allerdings nicht vor Studenten, sondern vor den Augen der Museumsbesucher. Fast schon magisch sieht es aus, wenn sich Flammen grün färben. Wer in den Reihen des Laboratoriums sitzt, hört und sieht es knallen, rauchen und brennen. Das passt, denn es war Liebig, der den experimentellen Unterricht erfand – eine Unterrichtsweise, die schon bald weltweit angewandt wurde. Der Originalhörsaal, in dem die Museumsbesucher während den Experimental-Vorlesungen sitzen, war dann auch der erste chemische Hörsaal weltweit. Neben den Experimental-Vorlesungen werden auch Führungen durch das historische Gebäude angeboten.

AN MANCHEN TAGEN GIBT ES NICHTS SCHÖNERES, als stundenlang durchs Museum zu schlendern. Das geht prima im Oberhessischen Museum, das sich gleich über drei Gebäude in der Innenstadt Gießens erstreckt. Im Alten Schloss warten eine Gemäldegalerie sowie Ausstellungsräume für Porzellan, Skulpturen und Film. Wechselnde Ausstellungen widmen sich auch namhaften Künstler, die in Gießen gelebt und gewirkt haben – wie zum Beispiel dem Maler und Bühnenbildner Hein Heckroth, der es sogar bis nach Hollywood geschafft hat, wo er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Wie die Menschen in Gießen in den letzten Jahrhunderten gelebt haben und warum es in den 80er-Jahren dort zu Protesten kam? Dies and vieles andere zur Stadtgeschichte und Volkskunde erfahren Besucher im Leib’schen Haus, übrigens eines der ältesten Fachwerkhäuser Hessens. Wer wissen möchte, was die Welt im Inneren zusammenhält, begibt sich ins Wallenfels’sche Haus, in dem die Erd- und Menschheitsgeschichte im Fokus steht. Natürlich können alle Ausstellungsräume des Oberhessischen Museums auf eigene Faust erkundet werden. Oder man nimmt an einer Führung teil und durchwandert die Räume gemeinsam mit Kunsthistorikern, Archäologen und Ethnologen.

VOR ÜBER 100 JAHREN haben Bürger es ins Leben gerufen; seitdem ist es fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Gießen: Das Stadttheater, an dessen Eingang die Worte „Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns“ immer noch an die Bürgerinitiative erinnern. Theaterklassiker wie Goethe, Kleist und Schiller stehen ebenso auf dem Spielplan wie Uraufführungen moderner Schauspiele und Inszenierungen bekannter Musicals. Musikliebhaber lauschen den Klängen von Sinfonie- und Kammerkonzerten oder verdrücken bei den herzzerreißenden Arien bekannter Opern schon mal die ein oder andere Träne. Und auch jüngeres Publikum kann sich vom Kinder- und Jugendtheater in andere Welten versetzen lassen. Warum Gregor Samsa in Kafkas Die Verwandlung sich über Nacht in einen Käfer verwandelt? Auf diese und andere Fragen rund um die Produktionen laden die Diskussionsrunden, Vorträge und Lesungen im Jugendstil-Foyer ein.

SEIT MEHR ALS 400 JAHREN wird hier gegärtnert und geforscht – im Botanischen Garten der Justus-Liebig-Universität, der einst als kleines Heilpflanzengärtchen am Schlossturm angelegt wurde. Sein Standort ist unverändert, und so ist er Deutschlands ältester botanischer Universitätsgarten, der sich noch an seinem Ursprungsort befindet. Mehr als 7.000 verschiedene Pflanzensorten wachsen in dem schönen Fleckchen Grün inmitten der Stadt. Wer so bunt ist, zieht natürlich nicht nur Studenten und Forscher der Biologie und Botanik an. In den Sommermonaten ist der Botanische Garten ein beliebter Ort für alle, die sich eine kurze Auszeit vom Stadtleben gönnen möchten. Platz für einsame Spaziergänge jedenfalls gibt es genug, denn mittlerweile ist das kleine Schlossturmgärtchen circa 3 Hektar groß geworden. Geöffnet ist der Botanische Garten von Ende März bis Ende Oktober; der Eintritt ist gratis.

Quelle: https://www.hessen-tourismus.de/de/stadterlebnis/stadtportraits/giessen/

Gießen hautnah! (Video)

Kloster Arnsburg

Zur Geschichte des Klosters

Kloster Arnsburg blickt mittlerweile auf eine 848-jährige Geschichte zurück. Nachdem die letzten Zisterziensermönche ihr Kloster vor über zweihundert Jahren verlassen mussten, verfielen Kirche und Kreuzgang. Seit 1960 kümmert sich der Freundeskreis Kloster Arnsburg e.V. um den Erhalt der Ruine.

Gründung und Aufbau: 12. bis 13. Jahrhundert

Im Jahre 1174 stifteten Kuno Ⅰ. von Münzenberg und seine Frau Luitgard von Nürings das Zisterzienserkloster Arnsburg. Es war der zweite Anlauf der Familie, ein Kloster zu gründen. Bereits 1151 hatten Kunos Eltern, Konrad (Ⅱ.) von Hagen-Arnsburg und Luitgard von Bickenbach, den Benediktinern Land und Güter übergeben, damit sie auf dem Gelände des verfallenen Römerkastells Alteburg ein Kloster errichteten. Gut zwanzig Jahre später hatten diese den Ostteil der Kirche vollendet, aber weiter kamen sie nicht. Kuno bewegte sie zu einem Verzicht, woraufhin die Mönche in ihre Heimatabtei Siegburg zurückkehrten. Warum genau die Benediktiner die Wetterau wieder verließen (oder verlassen mussten), wissen wir nicht – nur soviel, dass Kuno mit »Geld und guten Worten« nachhalf.

Die Zisterzienser kamen 1174 aus der Abtei Eberbach, die wiederum 1136 von Mönchen aus Clairvaux gegründet worden war, einem der ersten vier Filialklöster der Mutterabtei Cîteaux. Diese zweite Gründung war erfolgreich und die Zisterzienser blieben bis 1802/03 in Arnsburg, als das Kloster aufgelöst wurde.

Kuno und Luitgard hatten das Kloster zur Grablege der Familie bestimmt und übertrugen den Zisterziensern all jene Ländereien, die zuvor die Benediktiner erhalten hatten. Außerdem übergaben sie ihnen auch das Gelände der abgebrochenen Arnsburg, denn mittlerweile lebten sie auf der neuen Burg Münzenberg. Klostergründer Kuno von Münzenberg war keine unwichtige Figur. Er stand im Dienst der beiden Stauferkaiser Friedrich Ⅰ. Barbarossa und Heinrich Ⅵ., wurde seit 1162 als Reichskämmerer bezeichnet und begleitete Heinrich Ⅵ. lange Jahre auf dessen Reisen durch das Reich und nach Italien. Insgesamt statteten er und seine Frau das neue Kloster mit etwa 700 Morgen Land aus (175 Hektar). Allerdings befanden sich nicht alle Ländereien so nah wie Hof Güll oder Kolnhausen, vielmehr lag der Großteil verstreut in der Wetterau.

Unter ihrem Abt Ruthardus lebten und arbeiteten die Zisterzienser zunächst auf dem Areal der ehemaligen Arnsburg in einem sogenannten Baukloster. Spätestens Ende des 12. Jahrhunderts, zur Zeit des Abtes Mengot, begannen sie im Wettertal mit dem Bau der Kirche, des Kreuzgangs und der übrigen Klostergebäude. Erstmals erwähnt wird die Kirche 1246. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der zuerst errichtete Ostteil schon früher geweiht wurde, damit die Mönche dort den Gottesdienst feiern konnten. Möglicherweise geschah dies etwa 1225, denn in dieser Zeit können wir eine wachsende Zahl von Schenkungen und Stiftungen an das Kloster beobachten.

Die Mönche errichteten ihre Klosterbauten nicht allein. Zum einen gehörten nicht nur Mönche zum Konvent, sondern auch Konversen. Dies waren Laienbrüder ohne klerikale Weihen, die hauptsächlich praktische Arbeiten zu erledigen hatten. Zum anderen beschäftigten die Mönche professionelle Bauleute und Lohnarbeiter. Die Zweiteilung der Klostergemeinschaft in Mönche und Konversen spiegelt sich auch in der Architektur. Die Mönche betraten die Kirche vom Kreuzgang aus durch das Mönchsportal oder nutzten den direkten Zugang vom Dormitorium, ihrem Schlafsaal. Die Konversen hingegen wohnten im Bursenbau und von dort führte ein überdachter Gang zum Laienportal, ihrem Kircheneingang. Den Kreuzgang durften die Konversen nicht betreten. Das Zusammenleben war nicht konfliktfrei. Vermutlich um 1240, also noch während des Baus der Klosterkirche, rebellierten die Laienbrüder gegen ihre Arbeitslast und forderten besseres Essen und bessere Kleidung.

Die Konversen waren gleichsam Mönche zweiter Klasse. Gerade in Zisterzienserklöstern spielten sie jedoch eine wichtige Rolle, da nach den Grundsätzen des Ordens die Angehörigen des Konvents ihr Land selbst bewirtschaften und nicht verpachten sollten. Dies war in der Wetterau nicht einfach. Denn das Kloster lag hier nicht abgeschieden in der Wildnis, sondern mitten in einer schon lange besiedelten und kultivierten Landschaft. Recht idealtypische eigenwirtschaftliche Höfe, sogenannte Grangien, errichteten die Arnsburger Zisterzienser in Hof Güll und in Kolnhausen, später auch in Wickstadt. An vielen anderen Orten entstanden schließlich Mischformen – einen Teil des Landes bewirtschafteten die Zisterzienser selbst, einen anderen verpachteten sie. Die Zisterzienser und ihre Pächter produzierten mehr, als die Klostergemeinschaft verbrauchte. Die Stadthöfe, die das Kloster unter anderem in Marburg, Wetzlar, Gelnhausen, Frankfurt und Mainz besaß, dienten nicht zuletzt dazu, die überschüssigen Produkte zu vermarkten.

Wirtschaftlich ging es den Arnsburger Zisterziensern gut im 13. Jahrhundert und auch rechtlich war ihre Position gefestigt. Im August des Jahres 1219 hatte der spätere Kaiser Friedrich Ⅱ. das Kloster Arnsburg in seine Obhut genommen und die Reichsburg Friedberg damit beauftragt, die Zisterzienser vor Gewalt und Erpressung zu schützen. Sein Sohn Konrad Ⅳ. erneuerte diesen Schutz. Allerdings wechselte das Kloster, genauso wie die Herren von Münzenberg, um die Mitte des 13. Jahrhunderts auf die Seite der Staufergegner und der Gegenkönig Wilhelm von Holland bestätigte 1252 die Rechte und Privilegien des Klosters. Später erlangte Arnsburg zudem einen Schutzbrief Richard von Cornwalls, der bei der Doppelwahl 1256/57 genauso wie Alfons von Kastilien zum deutschen König gewählt worden war.

Auch in der Wetterau wurden die politischen Verhältnisse Mitte des 13. Jahrhunderts unübersichtlicher. 1255 starb die Münzenberger Stifterfamilie in männlicher Linie aus und das Erbe wurde unter den sechs Schwestern Ulrichs Ⅱ. von Münzenberg aufgeteilt. Außer dem Sechstel, das Adelheid von Münzenberg und ihr Mann Reinhard von Hanau geerbt hatten, konnten Isengard von Münzenberg und ihr Ehemann Philipp Ⅰ. von Falkenstein in den folgenden Jahren das Erbe wieder vereinen. Sowohl die Falkensteiner als auch die Hanauer förderten das Kloster mit Stiftungen und Schenkungen. Mitglieder beider Familien ließen sich in Arnsburg begraben, unter anderem Adelheid Gräfin von Hanau († 1344) und Johann I. von Falkenstein († 1365), dessen bemerkenswerter Grabstein heute im Kapitelsaal steht.

Fehden, Geldnot, Reformation: 14. bis 16. Jahrhundert

Für das späte 13. Jahrhundert kennen wir die Größe des Klosters. Im Jahr 1289 wurde entschieden, dass zukünftig nur noch 120 Mönche und Konversen in Arnsburg leben sollten – anstatt der bisherigen 200. Anfang des 14. Jahrhunderts litt das Kloster unter einem ersten Pestausbruch, kurze Zeit später unter Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Nassau und den Landgrafen von Hessen (Dernbacher Fehde) und seit den 1380er Jahren zog der langwierige Konflikt zwischen den Mainzer Erzbischöfen und den hessischen Landgrafen das Kloster zunehmend in Mitleidenschaft. Und obwohl Arnsburg Ende des 14. Jahrhunderts in mehr als 250 Orten Grundbesitz, Rechte und Einkünfte besaß, lassen sich in dieser Zeit auch ansehnliche Schulden nachweisen: 1382 allein 1.800 Gulden bei der Stadt Wetzlar. Nach einem Bericht des Abtes von Kloster Eberbach war der gesamte Schuldenberg 1405 auf 12.150 Gulden angewachsen. Etwa 100 Mönche und Konversen lebten seinerzeit in Arnsburg.

Die Situation verschlimmerte sich Anfang des 15. Jahrhunderts weiter. Erzbischof Johann Ⅱ. von Mainz hatte 1404 die Arnsburger Zisterzienser dazu aufgefordert, seinen Kampf gegen den hessischen Landgrafen finanziell zu unterstützen. Sie weigerten sich und verwiesen darauf, dass Zisterzienserklöster von jeglichen Steuern befreit seien. Johann Ⅱ. reagierte unmissverständlich: Er ließ Arnsburger Besitz beschlagnahmen, bannte das Kloster und drohte damit, es zerstören zu lassen. Der Trierer Erzbischof Werner, ein geborener Falkensteiner und Verbündeter des Landgrafen, stationierte daraufhin 400 Mann in Arnsburg, um es gegen Mainzer Übergriffe zu sichern. So war das Kloster zwar beschützt, musste aber auch deutlich mehr Menschen versorgen. Und so ordnete das Generalkapitel der Zisterzienser 1422 an, die Finanzen des Klosters zu untersuchen. Zu einer grundlegenden Verbesserung kam es im 15. Jahrhundert anscheinend nicht. Der Konvent schrumpfte weiter und 1525 lebten noch 37 Mönche und zehn Konversen in Arnsburg.

Trotzdem überstand das Kloster die Reformation und existierte seit 1562, als die Solmser Grafen sich dem lutherischen Bekenntnis anschlossen, als katholische Enklave in einem protestantischen Umland. Gerade 1525 hatte es jedoch zunächst nicht gut ausgesehen. Wetterauer Grafen nahmen das Kloster ein und planten seine Auflösung. Allerdings konnten sich die Mönche freikaufen: Sie lieferten Kelche, Kannen und anderes liturgisches Gerät ab und brachten so die von Landgraf Philipp dem Großmütigen geforderte Menge Silber auf – insgesamt 40 Mark, also etwa neun Kilogramm. 1551 und 1552 stellte Kaiser Karl Ⅴ. dem Kloster Schutzbriefe aus, 1575 sein Nachfolger Maximilian Ⅱ. Zudem sicherte eine Vereinbarung zwischen den Arnsburger Zisterziensern, dem Mainzer Erzbischof, den Grafen Philipp von Solms und Christian von Königstein sowie den Herzögen Georg und Otto von Solms den Fortbestand des Klosters. Konfliktfrei war die Nachbarschaft jedoch nicht. Die Solmser beanspruchten Hoheitsrechte über das Kloster, welches jedoch auf seiner Reichsunmittelbarkeit beharrte. 1715 urteilte der Reichshofrat zugunsten der Zisterzienser, aber die Solmser legten Widerspruch ein. Der Prozess lief noch, als das Kloster 1802/03 aufgelöst wurde.

Zerstörung und Wiederaufbau: 17. und 18. Jahrhundert

Auch während des Dreißigjährigen Kriegs war die Existenz des Klosters bedroht. Im November 1631 überfielen die protestantischen Schweden von Hanau aus das Kloster, der Abt Johann Adam Güll floh mit einigen Mönchen und erreichte 1632 Clairvaux. Die Schweden übergaben das Kloster ihrem Verbündeten Graf Philipp von Solms-Lich als Ersatz für seine Kriegskosten. Abt Johann Adam Güll kehrte jedoch 1634 nach Arnsburg zurück, nachdem die kaiserlichen Truppen in der Schlacht von Nördlingen den Schweden und ihren Verbündeten eine entscheidende Niederlage zugefügt hatten. Der Westfälische Frieden von 1648 sicherte schließlich den Fortbestand des Klosters.

Arnsburg befand sich allerdings in einem beklagenswerten Zustand. Die Kirchenausstattung und sonstiges Inventar waren weitgehend verloren, einige Bücher waren in der königlich schwedischen Bibliothek gelandet. Bursenbau, Kreuzgang, Mühle und Brauhaus waren stark beschädigt, die Dächer der Kirche, des Dormitoriums und des Abtshauses abgetragen. In diesen Ruinen lebten noch zehn Mönche. Der Wiederaufbau kam nur langsam voran. Erst 1672 feierten die Zisterzienser wieder einen Gottesdienst in ihrer Kirche. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts stieg ihre Zahl wieder auf 35, die Klostermühle wurde errichtet und auch die Schmiede, deren Fachwerkturm heute noch steht. Willigis Petrelli, der 1774 anlässlich der 600-Jahrfeier eine Geschichte des Klosters verfasste, schrieb sehr lobend über den damaligen Abt Robert Kolb (1673–1701): »Zur größeren Ehre Gottes stellte er die Kirche wieder prächtig her, versah sie mit einem Turm und einem Kreuzgang.«

Die zahlreichen Neubauten des 18. Jahrhunderts führen deutlich vor Augen, dass es den Arnsburger Zisterziensern in dieser Zeit sehr gut ging, wobei auch sie allerdings unter den Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges litten. Die barocken Bauten, die bis heute das Erscheinungsbild des Klostergeländes prägen, ließen die Mönche unter ihren Äbten Anton Antoni (1714–1745), Petrus Schmitt (1746–1772) und Bernhard Birkenstock (1772–1799) errichten: den Prälatenbau (1727), das Abteigebäude (1745), den Küchenbau (1747), das Gartenhaus des Abtes (1751) und den Pfortenbau (1774–1777). Der Bibliotheksbau von 1762 steht nicht mehr in Arnsburg; er wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen und in Birklar als Kirche wiedererrichtet. Im Jubiläumsjahr 1774 beteten und arbeiteten wieder 42 Mönche in Arnsburg.

Das 19. Jahrhundert brachte dann das Ende des Klosters. Dem napoleonischen Frankreich hatte das Reich, hatten Österreich und Preußen nichts entgegenzusetzen. Im Frieden von Lunéville trat das Alte Reich 1802 seine linksrheinischen Gebiete an Frankreich ab. Die Fürsten, Herzöge, Grafen, die dadurch Landbesitz einbüßten, sollten mit Ländereien der geistlichen Territorien – der Kurbistümer Köln, Mainz und Trier sowie der reichsunmittelbaren Klöster und Abteien – entschädigt werden.

Und so bestätigte der Reichs­deputa­tions­haupt­schluss am 25. Februar 1803, dass Kloster Arnsburg in das Eigentum der Fürsten und Grafen zu Solms übergehe, samt seines Grundbesitzes von mittlerweile 22.652 Morgen – etwa 5.650 Hektar. Die Solmser hatten die Herrschaften Rohrbach, Kratz-Scharfenstein und Hirschfeld verloren – sie seien »sämmtlich so unbekannt, daß man sie selten in Büchern und auf Charten findet«, wie ein zeitgenössischer Autor anmerkte.* Das Klostergelände selbst fiel der Laubacher Linie zu. Die 22 Arnsburger Mönche waren schon im November 1802 pensioniert worden. Der 53. und letzte Abt, Alexander Weitzel, erhielt eine jährliche Pension von 4.000 Gulden und lebte bis zu seinem Tod 1819 in Rockenberg. Sein Vorgänger Bernhard Birkenstock starb in Erbach, ebenfalls im Jahr 1819.

Ein Kloster ohne Mönche: 19. und 20. Jahrhundert

Nach dem Abzug der Zisterzienser begannen in Arnsburg bald die Abbrucharbeiten. Das Kloster lieferte Baumaterial für die Bellersheimer Kirche und die Birklarer Kirche entstand wie oben erwähnt aus der ehemaligen Bibliothek. Seit 1812 wurde die Kirche abgetragen. Nicht zuletzt auf Betreiben des solms-Laubach’schen Rentamtmanns Christian Wilhelm Fabricius stoppte die darmstädtische Regierung 1820 schließlich den weiteren Abriss.

Das Gartenhaus vermieteten die Laubacher Grafen 1847 an den Pestalozziverein, der hier ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder eröffnete. 1877 übernahmen Darmstädter Diakonissen das Heim und nutzten auch Bursenbau und Paradies. Letzteres diente seit den 1880er Jahren wieder als Kirche. Im Zweiten Weltkrieg bezog 1944 die Frauenklinik der Gießener Universität Paradies und Bursenbau. Sie blieb bis 1950, dann nutzte das Kinderheim wieder Gartenhaus und Bursenbau. Das Heim zog 1961 nach Lich, der Pachtvertrag in Arnsburg war nicht verlängert worden. Der Bursenbau diente daraufhin als Altersheim, später als Hotel und heute als Appartementhaus. Auch Küchenbau, Prälatenhaus und Abteigebäude sind heute vermietet.

Der Kriegsopferfriedhof im ehemaligen Kreuzgang wurde 1960 eröffnet. Im gleichen Jahr gründete sich auch der Freundeskreis Kloster Arnsburg e.V.

Quelle: https://www.kloster-arnsburg.de/geschichte.htm

Die Stadt der Musikanten

Bremen – Stadtstaat mit einer über 1000 Jahre zurückreichenden Geschichte

Bremen gehört wie Berlin und Hamburg zu einem der drei Stadtstaaten Deutschlands. Streng genommen ist Bremen jedoch ein zwei Städte Staat, da offiziell auch das 50 km entfernte Bremerhaven zum Bundesland Bremen zählt. Beide sind nicht nur politisch, sondern ebenfalls über den Fluss Weser miteinander verbunden. Die gemeinsame Vergangenheit in der Hanse ist bis heute in beiden Städten mehr als nur im Stadtbild präsent. Der Name findet sich ebenfalls in der offiziellen Bezeichnung des Bundeslandes als Freie Hansestadt Bremen wieder. Als offizielle Hauptstadt des Bundeslandes Bremen fungiert die Stadt Bremen. Beide Städte dieses Bundeslandes sind komplett umgeben vom Bundesland Bremen, agieren politisch jedoch komplett unabhängig von den dort geltenden landesrechtlichen Verfügungen und Gesetzen. Mit einer Fläche von etwas weniger als 420 km ist Bremen das kleinste Bundesland Deutschlands. Das spiegelt sich auch in der Anzahl an Einwohnen wider, welche ebenfalls mit 670.000 Menschen zu dem Bundesland mit den wenigsten Einwohnern zählt.

Die Geschichte der Freien Hansestadt Bremen

Das Fleckchen Erde, welches heute auf den Namen Bremen hört, wurde aufgrund der geographischen Lage am Fluss Weser bereits sehr frühzeitig besiedelt. Obwohl Funde bei Ausgrabungen belebten, dass Menschen schon in der Bronzezeit auf diesem Gebiet lebten, dauerte es doch bis zum ersten Jahrhundert nach Christus als auch die ersten Siedlungen nachgewiesen werden konnten. Zur damaligen Zeit waren Regionen rund um Flüsse und Seewege besonders beliebt, da diese einen unkomplizierteren Handel ermöglichten. Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde die Besiedlung der Region durch den aus Alexandria stammenden Geografen Claudius Ptolemäus. Menschen wie diese bereisten damals weite Teile Europas, um die ersten wirklich aussagekräftigen Landkarten anzufertigen.

Der Namen Bremen taucht dagegen erst acht Jahrhunderte später zum ersten Mal in gefundenen Aufzeichnungen auf. Aus den damals noch geläufigen Begriffen wie Brema und Bremun entwickelte sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte der bis heute geläufige Städtename Bremen. Zur gleichen Zeit trat auch eine zweite Entwicklung ein. Da die Menschen zunehmend geschickter im Umgang mit Baumaterialien und den Leben an Flüssen wurde, konnten die Siedlungen wesentlicher näher am Fluss gebaut werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde aus beiden Flussseiten ein kilometerweiter Abstand gehalten, um im Falle des Hochwassers die wirtschaftliche Existenz nicht in Gefahr zu bringen.

Ab dem Mittelalter begangen die Siedlungen deutlich stärker anzuwachsen, was zur Bildung erster Städte mit einer deutlich weitreichenderen Infrastruktur führte. Ein Hauptgrund dafür war die Schifffahrt, welche nun nicht nur einzelne Städte, sondern auch Kontinente miteinander verband. Bremen war daher bereits zu einem frühen Zeitpunkt ein Handelsplatz mit einem internationalen Charakter. Ein zweiter sehr wesentlicher Punkt für die Geschichte Bremens ist die Christianisierung. Die Religion war bereits ab dem siebten Jahrhundert nach Christus eng mit der Stadtgeschichte verbunden. Dies zeigt sich auch in der Ernennung zum Bistum durch Karl den Großen, welches ebenfalls in diesem Zeitpunkt stattfand. Weiteren Einfluss auf die Stadt übte auch der Kaiser Friedrich Barbarossa aus. Dieser sicherte den Bürgern Bremens im Jahr 1196 vollen Schutz und alle damals bekannten Bürgerrechte im Rahmen der Gelnhauser Privilegien zu. Dies unterstrich die Bedeutung des Handelsplatzes Bremens und des dortigen Wachstums weit über die Stadtgrenzen hinaus.

In den folgenden Jahrhunderten war die Geschichte Bremens in erster Linie durch die Blütezeit der Hanse geprägt. In dieser Zeit entstanden die ersten Zollunionen und viele weitere Handelsstandards, welche bis heute in der Wirtschaft Gültigkeit besitzen. Seine Sonderstellung als selbstverwalteter Stadtstaat begann nicht erst in der Bundesrepublik. Bereits durch die erklärte Reichsunmittelbarkeit während des dreißigjährigen Kriegs sichert Bremen seinen Status und verhinderte eine Fremdverwaltung durch Dritte. Erst im 1811 gelang es mit dem französischen Feldherrn Napoleon dem ersten Fremden Bremen zu besetzen und somit unter Fremdherrschaft zu stellen. Doch bereits drei Jahre später mussten sich die französischen Truppen dem schweren Widerstand geschlagen geben.

In den nächsten zwei Jahrhunderten veränderte die Industrialisierung die Wirtschaft in Bremen und ganz Europa. Kurz gebremst durch die Auswirkungen des zweiten Weltkriegs gelang es Bremen sich wirtschaftlich rasch zu erholen und in Verbindung mit Bremerhaven zu einem der Bundesländer des damals noch geteilten Deutschlands zusammenzuschließen. Traditionell wird in Bremen anstatt eines Landtags die Bürgschaft gewählt. Hierbei wird ein neuer Landeschef für die nächsten vier Jahre gewählt. Dieser bildet neben dem Posten als Regierungschef auf das Oberhaupt des Senats im Landesparlament. In jeder der bisher durchgeführten 19. Wahlperioden gelang es der SPD die meisten Stimmen zu erhalten und somit ihren politischen Einfluss in diesem Bundesland voll geltend zu machen.

Interessantes in und zu Bremen

Obwohl Bremen offiziell eines der kleinste Bundesländer Deutschlands ist, gilt dies nicht für die Bevölkerungsdichte. Hier liegt Bremen hinter Berlin und Hamburg auf Platz 3. Durchschnittlich leben hier 1600 Menschen auf einem km². Dies zeigt, dass so gut wie das ganze Gebiet Bremens besiedelt ist. Dies spielt eine wichtige Rolle für die Erhaltung der Souveränität Bremens.

30.000 der 670.000 Einwohner Bremens sind Studenten. Diese verteilen sich auf vier Hochschulen und zwei Universitäten. Bremen bildet damit nicht nur für die Metropolregion Bremen/Oldenburg einen Hot Spot für Studenten, sondern besitzt auch über die Grenzen der Region einen guten Ruf für die dort zu erhaltende Ausbildung. 2005 konnte sich Bremen zudem gegen 37 weitere Bewerber durchsetzen und sich den Titel Stadt der Wissenschaft, vergeben durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sichern.

Das Land Bremen konnte sich im Jahr 2009 über ein Flächenwachstum von 14,95 km² freuen. Dieser war dem Land Niedersachsen sowie dem abgeschlossenen Staatsvertrag zu verdanken. Im Jahre 2010 wurde die Luneplatte offiziell in das Stadtgebiet von Bremen integriert.

Die Wirtschaft in Bremen

Die Wirtschaft in Bremen steht noch immer stark mit der Schifffahrt in Zusammenhang. Nach Hamburg ist Bremen nach wie vor der zweitwichtigste Platz in Deutschland für den nationalen und internationalen Handel mit per Schiff transportierten Gütern. In Bremerhaven ist zudem ein gesonderter Fischereihafen vorhanden. Bis heute sind daher die Auswirkungen der Hanse spürbar und tief im Leben der Bremer Bevölkerung verwurzelt.

Neben der Schifffahrt florieren in Bremen auch weitere Wirtschaftszweige. Zu dem neuesten gehören fast 350 Hightechfirmen, welche sich im Technologiepark von Bremen angesiedelt haben. Diesen gehört ebenso wie auch der Wind- und Elektrotechnik die Zukunft der Wirtschaft im Bundesland Bremen. Zudem gehört Bremen zu den zehn beliebtesten Städten bei Touristen. Bis zu 1,4 Millionen Hotelübernachtungen können somit in einem Jahr gezählt werden. Ein Großteil der Besucher hält sich zu geschäftlichen Zwecken in Bremen auf. Dies ist ein zusätzliches Symbol für die wirtschaftlichen Verflechtungen innerhalb Deutschlands sowie auf allen sechs Kontinenten.

Das Bruttoinlandsprodukt liegt über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Das Wachstum lag allein im Jahr 2015 1 % schneller als im Rest Deutschlands. Nur Hamburg verfügt im direkten Vergleich über eine bessere Bilanz. Mit dem zweiten Platz ist jedoch gleichfalls eine hohe Attraktivität für Bremen als Standort zur Ansiedlung von Unternehmen verbunden. Im Hinblick auf die Arbeitslosenzahlen ist ebenfalls eine interessante Entwicklung zu beobachten. Denn auch diese liegt etwas über dem gesamtdeutschen Schnitt. Mit bis zu 3 % mehr ist es wichtig diese Zahl etwas genauer zu untersuchen. Was dabei auffällt ist, dass Bremen selbst in etwa den Zahlen im Rest Deutschlands entspricht. In Bremerhaven sind die Arbeitslosenzahlen jedoch erhöht, was das schlechtere Ergebnis von aktuell 10 % Arbeitslosenquote für das Bundesland Bremen erklärt.

Die Geographie in Bremen

Die geographische Lage Bremens erstreckt sich auf eine Fläche von insgesamt knapp 420 km². Aufgeteilt sind diese auf jeweils 325 km² der Stadt Bremen sowie 95 km² für Bremerhaven. Beide Gebieten sind komplett getrennt voneinander. Dies bezieht sich jedoch nur auf die Landmasse. Über die Weser ist die Distanz von 50 km relativiert, da die Schifffahrt weiterhin den führenden Wirtschaftszweig darstellt. Trotz des dicht besiedelten Gebiets besteht Bremen zu 8,5 % aus unberührten Naturschutzgebieten. Diese verteilen sich auf 20 unterschiedliche Flächen, welche sich zum Großteil in Gewässernähe befinden. Mit der Kennzeichnung als Naturschutzgebiet wird trotz der Schifffahrt ein Gegengewicht hergestellt, um die natürliche Flora und Fauna der Gegend zu erhalten. Noch einmal 30 km² der Fläche entfallen auf die Häfen in Bremen sowie Bremerhaven. Diese bilden das Fundament der Wirtschaft und besitzen zeitgleich einen hohen Identifikationfaktor innerhalb der Bevölkerung.

Die beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Bremen

Wer den Namen Bremen hört, denkt fast zwangsläufig an die Bremer Stadtmusikanten. Das berühmte Kunstwerk bestehend aus Esel, Hund, Katze und Hahn haben nicht nur den Gebrüdern Grimm zu internationaler Popularität verholfen. Die gleichnamige Statue ziert nicht nur zahlreiche Souvenirs aus der Hansestadt Bremen, sondern kann in Form der Bronzestatue von Gerhard Marcks auch jederzeit vor Ort bewundert werden. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt bildet der Bremer Roland. Diese Statue mit einer stattlichen Höhe von knapp über zehn Meter thront seit mehr als sechs Jahrhunderten über der Stadt. Der Roland wurde 1404 als Zeichen für die Unabhängigkeit der Hansestadt errichtet. Bis heute ist es Bremen gelungen diesen Status zu behalten und den Geist der Freiheit zu bewahren. Dieser Symbolcharakter über so viele Generationen ist auch der UNESCO nicht verborgen geblieben, welche den Bremer Roland in das Weltkulturerbe aufgenommen hat.

Diese Ehre ist auch dem Bremer Rathaus zuteil geworden. Mit einem Alter von ebenfalls mehr als 600 Jahren, hat dieses Gebäude die Blütezeiten der Hanse erlebt und ist bis heute ein sehr lebendiger Zeitzeuge bedeutender geschichtlicher Momente. Das Bremer Rathaus bildet bis heute einen zentralen Anlaufpunkt auf dem Marktplatz. Eingerahmt von weiteren historischen Gebäuden ist das Rathaus ebenso wie die komplette Altstadt ein Muss für jeden Besucher. Hier zwischen diesen Gebäuden zu schlendern entspannt nicht nur die Seele, sondern lässt auch die Augen auf Wanderschaft über die Fassaden gehen. Heute zählt der Marktplatz von Bremen zu einer der wenigen aus dem Mittelalter, die noch immer so gut wie unverändert den Glanz vergangener Epochen und Jahrhunderte widerspiegeln.

Wer in Bremen sein Herz für die Vergangenheit entdeckt hat, wird sich im Schnoorviertel wie Zuhause fühlen. Hier befindet sich ein ganzer Stadtzug, der heute noch an die Anfänge der Hanse erinnert und dort für viele Jahre den Fischern und Hafenarbeitern ein Zuhause bot. Die engen Gassen und kleinen Geschäfte sind eine willkommene Abwechslung zu den großen Shoppingcentern und spiegeln zudem den historischen Charakter Bremens wider. Ein ganz besonderes Cafe befindet sich in der Mühle am Wall. Diese ist eingerahmt von Blumen und zeigt weitere Züge des historischen Stadtbildes in einem modernen Gewand. Zu den neueren Sehenswürdigkeiten in Bremen zählt das Universum Museum. Dieses erinnert von außen an einen Wal und zeigt im Inneren verschiedene interaktive Ausstellungsstücke, welche für die ganze Familie ein attraktives Ausflugsziel darstellt.

Quelle: https://bundesland24.de/staedte/bremen/

WAS IHR IN DER HANSESTADT BREMEN NICHT VERPASSEN SOLLTET

Das UNESCO-Welterbe Rathaus und Roland

Es ist das Schmuckstück am Marktplatz, der „guten Stube“ von Bremen: das vor über 600 Jahren errichtete und bis heute fast unveränderte Rathaus. Der gotische Bau wurde zwischen 1405 und 1409 errichtet und die davorgesetzte Renaissance-Fassade mit üppiger Steinmetzkunst 1612 fertiggestellt, mit Reliefs, Fabeltieren und Figuren, so weit das Auge reicht. Nicht minder prächtig ist das Innere. Unbedingt ansehen: die Güldenkammer, die vom Künstler Heinrich Vogeler im reinsten Jugendstil gestaltet wurde. Die Obere Halle ist Bremens Festsaal und dient heute unter anderem als Kulisse für die berühmte Schaffermahlzeit, das älteste Brudermahl der Welt.

Seit 2004 zählt das Rathaus zum UNESCO-Welterbe, genau wie sein Nachbar, der Roland. Diese 10 Meter hohe Skulptur steht mitten auf dem Marktplatz, trägt gewelltes Haar, Kettenhemd und Schwert – so wacht sie seit 1404 über die Freiheit und Rechte der Stadt. Sie stellt den Neffen Karls des Großen dar, den man im Mittelalter als Volksheld feierte, und wurde von den UNESCO-Experten zum schönsten Rolanddenkmal Deutschlands erklärt. Zum Abschluss kann man dann gut den Bremer Ratskeller besuchen – dort werden seit 1405 deutsche Weine ausgeschenkt.

Die Bremer Stadtmusikanten

Jeder will sie sehen, diese kauzigen Musikfreaks. Westlich vom Rathaus steht die berühmte Tierpyramide aus Esel, Hund, Katze und Hahn. Sie versinnbildlicht das Märchen von vier Haustieren, die sich aufmachten, ihr Glück zu finden. Das war zu einer Zeit, als eine Flucht in die Stadt als Ausweg aus der Knechtschaft galt. 1819 wurde das Märchen der Bremer Stadtmusikanten erstmals von Jacob und Wilhelm Grimm notiert. Die Geschichte der vier wilden Gesellen machte Bremen berühmt – und das, obwohl die Tiere in der Legende gar nicht bis in die Hansestadt kamen.

In Folge irrten immer wieder Besucher durch die City auf der vergeblichen Suche nach den berühmten Vier. 1951 gab der Bremer Verkehrsverein daher dem Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) den Auftrag, eine Skulptur zu schaffen. Heute zählen die Bremer Stadtmusikanten zur Nummer Eins der Sehenswürdigkeiten und zum ersten Selfie-Stop. Übrigens: Wer die beiden bronzenen Vorderläufe des Esels umfasst, dem bringt das Glück, so heißt es. Wobei man dabei Hygienemaßnahmen nicht außer acht lassen sollte…

Der Schnoor, Bremens ältestes Viertel

Der Name Schnoor bedeutet auf Plattdeutsch so viel wie Schnur. Kein Wunder, denn hier reihen sich Bürgerhäuser aus dem 15. bis 18. Jahrhundert wie an der Perlenkette aneinander. Nur gut 300 Meter Luftlinie vom Marktplatz entfernt liegt Bremens ältestes Stadtviertel. In den engen Gassen sorgen kleine Läden, Kunsthandwerker-Ateliers, Cafés und Restaurants für ein charmantes Flair. In der Wüstestätte Nr. 5 etwa findet sich das historische „Hochzeitshaus“ – im Mittelalter benutzten Paare vom Land diese Adresse zur Eheschließung. Mit seinen gerade mal 48 Quadratmetern ist es heute eines der kleinsten Hotels der Welt.

Für Unterhaltung im Schnoor sorgen unter anderem das Packhaustheater, das Theaterschiff Bremen sowie das Geschichtenhaus. Letzteres hat den Beinamen „lebendiges Museum“. Besucher werden hier nämlich während der Besichtigung von Akteuren begleitet, die dabei alte Bremer Persönlichkeiten darstellen. Darunter ist auch Heini Holtenbeen (Holzbein), der von 1835 bis 1909 im Schnoor lebte und nur Platt sprach. Durch einen Unfall hatte er ein steifes Bein, was ihm seinen Spitznamen einbrachte – und er war stadtbekannt, weil er auf dem Marktplatz stets Tabak schnorrte. Nahe der Weser erinnert heute ein Denkmal an dieses Original.

Die Kunstmeile Böttcherstraße

Bremens expressionistische Kunstgasse wurde vom hiesigen Kaffeekaufmann Ludwig Roselius ins Leben gerufen. Der Mann, der den koffeinfreien Kaffee in Bremen erfand, wünschte sich für seine Stadt ein Ensemble aus Handel, Kunst und Genuss. Zwischen 1922 und ’31 wurde sein Wunsch von den zwei Architekten und dem Bildhauer Bernhard Hoetger umgesetzt. Die Häuser an der 108 Meter kurzen Böttcherstraße waren damals weitgehend marode und sollten eigentlich abgerissen werden. Roselius ließ sie nach und nach instand setzen und verwandelte die Straße so in ein Gesamtkunstwerk aus Architektur und traditionellem Handwerk.

In dem altbremischen Patrizierhaus des 16. Jahrhunderts mit den Hausnummern 6 bis 10 verbirgt sich heute das Ludwig Roselius Museum, das Kunst und Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zum Barock zeigt. Auch das Paula Modersohn-Becker Museum hat hier einen festen Platz, die Malerin (1876–1907) gilt als Wegbereiterin der Moderne und bekam in der Böttcherstraße als erste Frau der Welt eine eigene Dauerausstellung. Ebenfalls schön anzusehen und zu hören ist das Haus des Glockenspiels – zu jeder vollen Stunde erklingen 30 Meißner Porzellanglocken, und parallel dazu rotieren zehn geschnitzte Holztafeln an der Hausfront, die alte Seefahrer zeigen.

Das alternative Quartier „Viertel“

Wer es weniger touristisch mag, sollte einmal ins „Viertel“ spazieren. Vom Ostertorsteinweg geht es hinein in dieses alternative Quartier. Schon ein farbenfroh gespraytes Chamäleon an einer Hausfront nahe des Bremer Theaters macht klar: Dieses Viertel ist bunt! Street Art ist dort überall zu finden.

Individuelle Läden, Cafés, vegane Restaurants, Secondhand-Shops, Kulturzentren und Programmkinos gibt es hier ohne Ende. Viele Bars und Kneipen locken abends die Partygänger. Das „Bermuda-Dreieck“ aus den Straßen Fehrfeld, Römerstraße und Humboldtstraße zählt zu den Top-Ausgehmeilen, die Dichte an Kneipen und die Schnapsvariationen sind hier enorm hoch. Bremen-Neulinge müssen unbedingt einen Krabeldiwandenuff im „Eisen“ probieren – so heißt eine Kneipe im Sielwall 9, die seit über 25 Jahren Punk und Rock’n’Roll spielt und genau wie der Schnaps ein echtes Unikum ist.

Quelle: https://entdecke-deutschland.de/bundeslaender/bremen/was-ihr-in-der-hansestadt-nicht-verpassen-solltet/

Zwischen Rathaus und Roland: Unesco-Stadt Bremen

Wahrscheinlich verbinden die Meisten die Stadt Bremen als Erstes mit einem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm: die „Bremer Stadtmusikanten“. Bekannt wurde die Hansestadt aber auch dadurch, dass zwei wichtige Sehenswürdigkeiten seit 2004 auf der Unesco-Weltkulturerbeliste stehen. Wie in einigen anderen deutschen Städten kann man auch in Bremen eine Rolandstatue besichtigen. Die wohl beeindruckendste frei stehende Statue ihrer Art wurde 1404 errichtet und symbolisiert seitdem für die Handels-, Markt- und Freiheitsrechte der Hansestadt.

Das Rathaus mit seinem funkelnden Dach

Daneben ist auch das Rathaus ein geschütztes Weltkulturerbe. Das ursprünglich gotische Gebäude stammt aus dem Jahr 1405. Im 17. Jahrhundert wurde die Fassade des Rathauses von dem Architekten Gabriel von Siedl und dem Bildhauer Julius Siedler erneuert und schmückt seitdem im Stil der Renaissance den Marktplatz: Zahlreiche Figuren, Symbole und Verzierungen erzählen in Stein gehauene Geschichten. Noch heute dient das Rathaus als Regierungs- und Senatssitz der freien Hansestadt Bremen. Bekannt ist das Gebäude eigentlich für sein grünes Dach – doch momentan funkelt es bronzefarben in der Sonne. Erst vor Kurzem wurden die Sanierungsarbeiten am Dach abgeschlossen, weshalb es wohl erst in zwanzig Jahren wieder seine charakteristisch grüne Farbe angenommen haben wird. Allerdings befinden sich auch im Rathaus viele Sehenswürdigkeiten.

Millionenfach verknotet

Zunächst wäre da der Senatssaal – ein Treffpunkt für die zwei Bürgermeister, die Senatoren und ihre Stadträte, die hier einmal pro Woche Sitzung halten. Auch der Oberbürgermeister der Seestadt Bremerhaven nimmt regelmäßig daran teil. Das Besondere an diesem Raum ist ein wertvoller Teppich, der aus insgesamt 19 Millionen Knoten besteht und den Bremer Schlüssel abbildet. Eine originalgetreue Nachbildung des ursprünglichen Teppichs kostete 110.000 Euro. Nicht weniger sehenswert ist die obere Rathaushalle, die  einst als Fest- und Sitzungssaal des Rates und des Gerichts diente. Auch eine interessante Tradition hat hier ihren Ursprung: Seit 1545 treffen sich in der Rathaushalle jährlich Kaufleute, Reeder und Kapitäne zum Erfahrungsaustausch bei einem sogenannten „Schaffermahl“. Der Raum ist mit Kunstwerken, allerlei Raritäten und vier prunkvoll von der 13 Meter hohen Decke hängenden Modellschiffen geschmückt. Doch trotz seiner 40 Meter Länge ist er nicht der größte Raum des Rathauses.

Zwischen Behaglichkeit und Feierstimmung

Der bis heute größte Saal wurde erst in den Jahren 1909 bis 1913 nachträglich ergänzt, es handelt sich dabei um den Festsaal des Rathauses. Das Landesparlament tagte hier nach dem Zweiten Weltkrieg, bis sein eigentlicher Tagungsort, das Haus der Bürgerschaft, von den Abgeordneten, bezogen werden konnte. Heutzutage finden im Festsaal besondere Feierlichkeiten statt, wie zum Beispiel der traditionelle Neujahrsempfang des Senats. Kleinere Feierlichkeiten werden im kleineren Kaminsaal ausgetragen, der sich durch eine behagliche, feierliche Atmosphäre auszeichnet. Diese erzeugen der namensgebende Kamin aus französischem Marmor, warmes schwarzbraunes Parkett, dunkelrote Damasttapete, eine weiße Stuckdecke und schwere Kristalllüster.

Walfischkierfer, Gobelins und Ledertapeten 

Zu den kleineren Sehenswürdigkeiten zählt die Wandelhalle. Sie befindet sich in der ersten Etage des Rathauses und führt in den Sitzungssaal des Kabinetts sowie zu den Büroräumen des Bürgermeisters. Allerdings ist sie mehr als ein bloßes Durchgangszimmer: In der Wandelhalle kann man eine eindrucksvolle Lampenkonstruktion aus einem Walfischkiefer bewundern. Außerdem sehr bekannt ist das Gobelinzimmer. Ursprünglich plante es der Architekt des neuen Rathauses, Gabriel von Siedl, als Büro des Bürgermeisters. Stattdessen wurde ein kleiner Empfangs- und Beratungsraum eingerichtet, in dem auch Eheschließungen möglich sind. Zuletzt ist die Güldenkammer von großer Bedeutung. Ihren Namen erhielt sie aufgrund der vergoldeten Ledertapeten, die in den Jahren von 1618 bis 1620 an ihren Wänden angebracht waren. Jedoch verwahrloste der zwar prunkvolle, aber ungenutzte Raum, bis er 1905 von Heinrich Vogeler im Jugendstil neu gestaltet wurde. Heute ist die Güldenkammer eines der wenigen vollständig im Jugendstil erhaltenen Zimmer.

Quelle: https://karpatenblatt.sk/bremen-rathaus-und-roland-unesco/

Eine Stadtrundfahrt durch Bremen (1963) (Video)

Gesicht und Gesichter von Bremen (1965) (Video)

Die Bremer Stadtmusikanten

“Weißt du was”, sprach der Esel, “ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und lass dich auch bei der Musik annehmen…” Und der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn machten sich gemeinsam auf den Weg nach Bremen….

Auch wir haben uns nach Bremen begeben, zwar nicht um Stadtmusikant zu werden, aber wir wollten ein bißchen Bremer Stadtluft schnuppern und die Stadt erkunden. Klar, dass wir uns auch nach dem wahrscheinlich bekanntesten Wahrzeichen Bremens umgesehen haben.

Das Märchen

Die Brüder Grimm haben das Volksmärchen “Die Bremer Stadtmusikanten” geschrieben und 1819 in den Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht.

Das Märchen erzählt von 4 Tieren – dem Esel, dem Hund, der Katze und dem Hahn. Alle diese Tiere sind alt geworden und nützen ihren Besitzern nicht mehr. Bevor sie getötet werden, können sie entkommen. Zufällig treffen die Tiere aufeinander und folgen dem Vorschlag des Esels nach Bremen zu gehen. Dort wollen sie als Stadtmusikanten ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Nacht müssen die Tiere in einem Wald verbringen. Glücklicher Weise entdecken sie ein Räuberhaus. Mit lautem Gesang verscheuchen sie die Räuber und beschließen für immer in dem kleinen Haus im Wald zu bleiben.

Bremer Stadtmusikanten

Schon 1938 kamen in Bremen die ersten Überlegungen auf, ein Denkmal für die Bremer Stadtmusikanten zu errichten. Gerhard Marcks, ein Bildhauer, setzte die Idee schließlich um und so konnte 1953 eine Bronzestatue errichtet werden. Sehr beliebt waren die Stadtmusikanten zunächst nicht. Die Bremer fanden die Tiere nicht lustig genug. Dennoch entwickelte sich die Plastik neben dem Bremer Roland zum Wahrzeichen der Stadt.
Die Stadtmusikanten stehen an der Westseite des Rathauses und werden gerne von den Stadtbesuchern als Fotomotiv und Wunscherfüller besucht. Wer die Vorderbeine des Esels anfasst, dem würde ein Wunsch in Erfüllung gehen – so heißt es.
Heute steht die Skulptur unter Denkmalschutz.

Wer durch Bremen läuft “stolpert” nahezu überall über die Bremer Stadtmusikanten. Nicht nur in Souveniershops sondern von den gemalten Tieren bis hin zu einer Neugestaltung – es gibt überall etwas zu entdecken.

Neben der Bürgerschaft haben wir zum Beispiel die kunterbunten Stadtmusikanten der Bremer LeseLust entdeckt. Die Tiere lesen hier in Büchern. Hund und Katze haben es sich dabei auf dem Rücken des Esels bequem gemacht.
In der Böttcherstraße findet man steinerne Stadtmusikanten des Künstlers Engelhardt Tölken und aus Holz stehen sie im Schnoorviertel.
Aber auch als Streetart haben wir die Stadtmusikanten entdeckt.

Quelle: https://vonortzuort.reisen/deutschland/bremen/bremen-stadt/bremer-stadtmusikanten/

Die Bremer Stadtmusikanten. Ein Märchen der Brüder Grimm

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so daß er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, daß kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen; dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden. Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. «Nun, was jappst du so, Packan?» fragte der Esel. «Ach,» sagte der Hund, «weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Reißaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?» – «Weißt du was?» sprach der Esel, «ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und laß dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute und du schlägst die Pauken.» Der Hund war’s zufrieden, und sie gingen weiter. Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze an dem Weg und macht ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. «Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?» sprach der Esel. «Wer kann da lustig sein, wenn’s einem an den Kragen geht,» antwortete die Katze, «weil ich nun zu Jahren komme, meine Zähne stumpf werden, und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als nach Mäusen herumjagen, hat mich meine Frau ersäufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: wo soll ich hin?» – «Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden.» Die Katze hielt das für gut und ging mit. Darauf kamen die drei Landesflüchtigen an einem Hof vorbei, da saß auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskräften. «Du schreist einem durch Mark und Bein,» sprach der Esel, «was hast du vor?» – «Da hab’ ich gut Wetter prophezeit,» sprach der Hahn, «weil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil morgen zum Sonntag Gäste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der Köchin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heut abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich kann.» – «Ei was, du Rotkopf,» sagte der Esel, «zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muß es eine Art haben.» Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle vier zusammen fort.

Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die Äste, der Hahn aber flog bis an die Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da deuchte ihn, er sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es müßte nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: «So müssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht.» Der Hund meinte: «Ein paar Knochen und etwas Fleisch dran täten ihm auch gut.» Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer größer, bis sie vor ein helles, erleuchtetes Räuberhaus kamen. Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. «Was siehst du, Grauschimmel?» fragte der Hahn. «Was ich sehe?» antwortete der Esel, «einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen’s sich wohl sein.» – «Das wäre was für uns,» sprach der Hahn. «Ja, ja, ach, wären wir da!» sagte der Esel. Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müßten, um die Räuber hinauszujagen und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mußte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf, und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte. Dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, daß die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen nach Herzenslust.

Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafstelle, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Tür, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken, und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, daß kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: «Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen,» und hieß einen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Küche, ein Licht anzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, daß es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertüre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und biß ihn ins Bein, und als er über den Hof an dem Miste vorbeikam, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß; der Hahn aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: «Kikeriki!» Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: «Ach, in dem Haus sitzt eine greuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt. Und vor der Tür steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen. Und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen. Und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: ‘Bringt mir den Schelm her!’ Da machte ich, daß ich fortkam.» Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiel’s aber so wohl darin, daß sie nicht wieder heraus wollten.

Quelle: https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/die_bremer_stadtmusikanten

Die Bremer Stadt∙musikanten (Text & Audio)

Die Bremer Stadtmusikanten (TV-Film)

The daily routine – Der Alltag – La rutina diaria: frases en inglés, alemán y español (con vídeo subtitulado)

In this video we are going to learn some vocabulary on the daily routine in English, German and Spanish.

In diesem Video lernen wir Wortschatz um den Alltag auf Englisch, Deutsch und Spanisch.

En este vídeo vamos a aprender vocabulario sobre la rutina diaria en inglés, alemán y español.

The daily routine – Der Alltag – La rutina diaria

I wake up at 06:45.

Ich wache um 06:45 auf.

Me despierto a las 06:45.

I get up at 7 o’clock.

Ich stehe um 7 Uhr auf.

Me levanto a las 7 en punto.

I go to the bathroom.

Ich gehe ins Badezimmer.

Voy al baño.

I wash my face.

Ich wasche mir das Gesicht.

Me lavo la cara.

I comb my hair.

Ich kämme mir die Haare.

Me peino el pelo.

I drink a big glass of water.

Ich trinke ein großes Glas Wasser.

Bebo un vaso grande de agua.

I have breakfast.

Ich frühstücke.

Desayuno.

I drink a glass of orange juice and a cup of coffee with milk.

Ich trinke ein Glas Orangensaft und eine Tasse Milchkaffee.

Bebo un vaso de zumo de naranja y una taza de café con leche.

I eat a piece of bread or cake.

Ich esse ein Stück Brot oder Kuchen.

Como un trozo de pan o de pastel.

I brush my teeth.

Ich putze mir die Zähne.

Me cepillo los dientes.

I get dressed.

Ich ziehe mich an.

Me visto.

I go to work at 8 o´clock.

Um 8 Uhr fahre ich zur Arbeit.

Me voy a trabajar a las 8 en punto.

I work from 9.00 in the morning to 5.00 in the afternoon.

Ich arbeite von 9.00 morgens bis 5.00 nachmittags.

Trabajo de 9.00 de la mañana a 5.00 de la tarde.

I have a break at midday.

Am Mittag habe ich eine Pause.

Al mediodía tengo un descanso.

I have lunch.

Ich esse zu Mittag.

Como al mediodía.

I go to the gym at 5:15 in the afternoon.

Um 17:15 nachmittags gehe ich ins Fitnessstudio.

Voy al gimnasio a las 17:15 de la tarde.

I do sport.

Ich mache Sport.

Hago deporte.

I go shopping to the supermarket at 7:30 in the evening.

Um 7:30 abends gehe ich in den Supermarkt einkaufen.

Voy de compras al supermercado a las 7:30 de la tarde (noche).

I come back home at 8.15 in the evening.

Um 8.15 abends komme ich nach Hause zurück.

A las 8.15 de la noche regreso a casa.

I cook supper.

Ich koche das Abendessen.

Preparo la cena.

I have supper.

Ich esse zu Abend.

Ceno.

I watch TV from 10.00 to 11.30 at night.

Von 10.00 bis 11.30 in der Nacht sehe ich fern.

Veo la tele de 10.00 a 11.30 de la noche.

I go to bed at 11:45 at night.

Um 11:45 in der Nacht gehe ich ins Bett.

Me voy a la cama a las 11.45 de la noche.

And now I´m going to make a description of my daily routine.

Und jetzt mache ich eine Beschreibung meines Alltags.

Y ahora voy a hacer una descripción de mi rutina diaria.

I usually get up at 6.00 o´clock. First of all I go to the bathroom, then I drink a glass of water and a cup of coffee. After that I do meditation for about 20 or 30 minutes.

Ich stehe normalerweise um 6.00 Uhr auf. Zuerst gehe ich ins Badezimmer, dann trinke ich ein Glas Wasser und eine Tasse Kaffee. Danach mache ich etwa 20 oder 30 Minuten Meditation.

Me levanto normalmente a las 6.00 en punto. En primer lugar, voy al baño, entonces bebo un vaso de agua y una taza de café. Después hago unos 20 o 30 minutos de meditación.

I have breakfast at 7.00 o’clock. I drink a big glass of juice with orange, lemon, banana and papaya and I have a cup of coffee with milk. I eat a piece of bread with olive oil or a piece of cake.

Ich frühstücke um 7.00 Uhr. Ich trinke ein großes Glas Saft mit Orange, Zitrone, Banane und Papaya und habe eine Tasse Milchkaffee dazu. Ich esse ein Stück Brot mit Olivenöl oder ein Stück Kuchen.

Desayuno a las 7.00 en punto. Bebo un vaso grande de zumo de naranja, limón, plátano y papaya y tomo una taza de café con leche. Como un trozo de pan con aceite de oliva o un trozo de pastel.

After that I brush my teeth and get dressed. I go to work with my bike at 7:45 and I teach German or English from 8.00 to 1.00.

Dann putze ich meine Zähne und ziehe mich an. Um 7.45 fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit und unterrichte Deutsch oder Englisch von 8.00 bis 1.00.

Después me cepillo los dientes y me visto. A las 7.45 voy en bicicleta al trabajo y enseño alemán o inglés de 8.00 a 1.00.

I come back home at 2.10 and make lunch for me and my two kids. I usually cook vegetables, beans, pasta, rice, fish or salad.

Um 2.10 fahre ich nach Hause zurück und mache für mich und meine Kinder das Mittagessen. Normalerweise koche ich Gemüse, Bohnen, Nuddeln, Reis, Fisch oder Salat.

A las 2.10 vuelvo a casa y preparo la comida del mediodía para mí y mis hijos. Normalmente cocino verduras, legumbres, pasta, arroz, pescado o ensalada.

I go to work again at 3.30 and I teach German from 4.00 to 8.00 o´clock. Then I go to the swimming pool and swim for an hour. Sometimes I go to the sauna.

Um 3.30 fahre ich noch einmal zur Arbeit und unterrichte Deutsch von 4.00 bis 8.00 Uhr. Dann gehe ich ins Schwimmbad und schwimme eine Stunde. Manchmal gehe ich in die Sauna.

A las 3.30 voy otra vez al trabajo y enseño alemán de 4.00 a 8.00. Entonces voy a la piscina y nado una hora. A veces voy a la sauna.

I come back home at about 10.15 and eat a bit, for example, a salad with tomato, onion, cucumber, avocado, appel, raisins. Then I surf the internet, read emails, visit social media sites and watch a movie or a documentary online. Finally, I go to bed to sleep between 11:30 and 12:00 o´clock.

Gegen 10.15 komme ich nach Hause zurück und esse etwas, zum Beispiel, einen Satal mit Tomate, Zwiebel, Gurke, Avocado, Apfel und Rosinen. Dann surfe ich im Internet, lese E-mails, besuche soziale Netzwerke und shaue mir online einen Film oder einen Dokumentarfilm an. Zwischen 11.30 und 12.00 gehe ich ins Bett schlafen.

Hacia las 10.15 vuelvo a casa y como algo, por ejemplo, una ensalada con tomate, cebolla, pepino, aguacate, manzana y uvas pasas. Después, navego en internet, leo los emails, visito las redes sociales y miro una película o un documental online. Entre las 11.30 y las 12.00 voy a la cama a dormir.

Now it’s your turn! Can you describe your daily routine?

Jetzt seid ihr dran! Könnt ihr euren Alltag beschreiben?

¡Ahora os toca a vosotros y vosotras! ¿Podéis describir vuestra rutina diaria?

The weather – Das Wetter – El tiempo / Vocabulario en inglés, alemán y español (con vídeo subtitulado).

In this video we are going to learn vocabulary, expresions and sentences on the WEATHER in English, German and Spanish.

In diesem Video lernen wir Wortschatz, Ausdrücke und Sätze um das WETTER auf Englisch, Deutsch und Spanisch.

En este vídeo vamos a aprender vocabulario, expresiones y oraciones sobre el TIEMPO en inglés, alemán y español.

The weather – Das Wetter – El tiempo

First, seasons and months of the year – Zuerst, die Jahreszeiten und Monate – En primer lugar, las estaciones y los meses del año

autumn – der Herbst – el otoño

September / October / November – September / Oktober / November – septiembre / octubre / noviembre

When does autumn start?

It usually starts on 22nd September.

Wann beginnt der Herbst?

Normalerweise beginnt er am 22. September.

¿Cuándo empieza el otoño?

Normalmente empieza el 22 de septiembre.

When does autumn finish?

It usually finishes on 21st December.

Wann endet der Herbst?

Normalerweise endet er am 21. Dezember.

¿Cuándo acaba el otoño?

Normalmente acaba el 21 de diciembre.

winter – der Winter – el invierno

December / January / February – Dezember / Januar / Februar – diciembre / enero / febrero

When does winter start?

It usually starts on 22nd December.

Wann beginnt der Winter?

Normalerweise beginnt er am 22. Dezember.

¿Cuándo empieza el inviero?

Normalmente empieza el 22 de diciembre.

When does winter finish?

It usually finishes on 21st March.

Wann endet der Winter?

Normalerweise endet er am 21. März.

¿Cuándo acaba el invierno?

Normalmente acaba el 21 de marzo.

spring – der Frühling – la primavera

March / April / May – März / April / Mai – marzo / abril / mayo

When does spring start?

It usually starts on 22nd March.

Wann beginnt der Frühling?

Normalerweise beginnt er am 22. März.

¿Cuándo empieza la primavera?

Normalmente empieza el 22 de marzo.

When does spring finish?

It usually finishes on 21st June.

Wann endet der Frühling?

Normalerweise endet er am 21. Juni.

¿Cuándo acaba la primavera?

Normalmente acaba el 21 de junio.

summer – der Sommer – el verano

June / July / August – Juni / Juli / August – junio / julio / agosto

When does summer start?

It usually starts on 22nd June.

Wann beginnt der Sommer?

Normalerweise beginnt er am 22. Juni.

¿Cuándo empieza el verano?

Normalmente empieza el 22 de junio.

When does summer finish?

It usually finishes on 21st September.

Wann endet der Sommer?

Normalerweise endet er am 21. September.

¿Cuándo acaba el verano?

Normalmente acaba el 21 de septiembre.

And now, the weather – Und jetzt, das Wetter – Y ahora, el tiempo

What´s the weather like today? – Wie ist das Wetter heute? – ¿Qué tiempo hace hoy?

What will the weather be like tomorrow? – Wie wird das Wetter morgen? – ¿Qué tiempo hará mañana?

The weather’s fine. – Das Wetter ist schön. – Hace buen tiempo.

Today it’s sunny. – Heute ist es sonnig. – Hoy está soleado.

The sun is shining. – Die Sonne scheint. – Brilla el sol.

It’s warm. – Es ist warm. – Hace calor.

I’m hot. – Es ist mir warm. – Tengo calor.

The sky is blue. – Der Himmel ist blau. – El cielo está azul.

The sky is clear. – Es ist heiter. – Está despejado.

Is it hot today? – Ist es heiß heute ? – ¿Hace calor hoy?

It’s very hot today. – Es ist sehr heiß heute. – Hace mucho calor hoy.

heat – die Hitze – el calor

The weather is dry. – Das Wetter ist trocken. – El tiempo está seco.

Next week the weather will be fine. – Nächste Woche wird das Wetter gut. – La próxima semana hará buen tiempo.

Today it will be cloudy with sunny intervals. – Heute ist es teils heiter, teils bewölkt. – Hoy habrá nubes y claros.

The sun isn’t shining today. – Heute scheint die Sonne nicht. – Hoy no brilla el sol.

The sky is grey. – Der Himmel ist grau. – El cielo está gris.

It’s cloudy. – Es ist wolkig. – Está nuboso.

clouds – die Wolken – la nubes

The sky is cloudy / overcast. – Der Himmel ist bewölkt / bedeckt. – El cielo está nublado / cubierto.

It’s raining. – Es regnet. – Está lloviendo.

Last Sunday it was raining. – Am Samstag hat es geregnet. – El sábado estuvo lloviendo.

It’s rainy. – Es ist regnerisch. – Está lluvioso.

rain – der Regen – la lluvia

Today it’s sultry. – Heute ist es schwül. – Hoy hay bochorno.

Yesterday it was humid. – Gestern war es feucht. – Ayer había humedad.

There’s a storm. – Es gibt Gewitter. – Hay tormenta.

There’s thunder and lightning. – Es blitzt und donnert. – Hay rayos y truenos.

violent storm – das Unwetter – el temporal.

There’s a gale. – Es gibt Sturm. – Hay temporal.

The weather is stormy today. – Das Wetter ist stürmisch heute. – El tiempo está tormentoso hoy.

It’s hailing! – Es hagelt! – ¡Está granizando!

The streets are wet. – Die Straßen sind nass. – Las calles están mojadas.

There are puddles in the park. – Es gibt Pfützen im Park. – Hay charcos en el parque.

the rainbow – der Regenbogen – el arcoiris

The wind is blowing. – Der Wind bläst. – Está soplando el viento.

It’s windy. – Es ist windig. – Hay viento.

wind – der Wind – el viento

It’s cool. – Es ist kühl. – Hace fresco.

It’s foggy. – Es ist neblig. – Hay niebla.

fog – der Nebel – la niebla

Winter is here! – Der Winter ist gekommen! – ¡Ha llegado el invierno!

Temperatures go down. – Die Temperaturen sinken. – Bajan las temperaturas.

The weather is bad. – Das Wetter ist schlecht. – Hace mal tiempo.

It’s cold. – Es ist kalt. – Hace frío.

cold – die Kälte – el frío

sleet / freezing rain – der Eisregen – la aguanieve

It’s snowing! – Es schneit! – ¡Está nevando!

It snowed in February. – Im Februar hat es geschneit. – Nevó en febrero.

snow – der Schnee – la nieve

Snow is falling down on the ground. – Der Schnee fällt auf den Boden. – La nieve cae sobre le suelo.

snowflakes – Schneeflocken – copos de nieve

a snow blanket – eine Schneedecke – una capa de nieve

snowstorm – der Schneesturm – la tormenta de nieve

It’s freezing. – Es friert. – Está helando.

ice – das Eis – el hielo

frost – der Frost – la helada

It’s ice-cold! – Es ist Eiskalt! – ¡Hace un muchísimo frío!

What’s the temperature today? – Wie ist die Temperatur heute? – ¿Cuál es la temperatura hoy?

Today it’s zero degrees. – Es ist null Grad heute. – Hoy estamos a cero grados.

Tomorrow it’ll be minus 5 degree Celcius. – Morgen wird es minus 5 Grad Celcius. – Mañana estaremos a menos 5 grados Celcius.

black ice – das Glatteis – la placa de hielo

Ice is slippery. – Das Eis ist glatt. – El hielo está resbaladizo.

The lake is frozen. – Der See ist zugefroren. – El lago se ha congelado.

There are icicles at the window. – Es gibt Eiszapfen am Fenster. – Hay carámbanos en la ventana.

I’m cold. – Es ist mir kalt. – Tengo frío.

And now we have a couple of sentences.

Und jetzt haben wir ein paar Sätze.

Y ahora tenemos un par de oraciones.

What’s the weather like in winter?

The weather is often cool, cloudy, rainy, stormy, windy and foggy.

Wie ist das Wetter im Herbst?

Das Wetter ist oft kühl, bewölkt, regnerisch, stürmisch, windig und neblig.

¿Cómo es el tiempo en otoño?

El tiempo es a menudo fresco, nublado, lluvioso, tormentoso, ventoso y con niebla.

What’s the weather like in winter?

The weather is often cold, foggy, overcast, rainy, the temperatures go down and it snows.

Wie ist das Wetter im Winter?

Das Wetter ist oft kalt, neblig, bewölkt, regnerisch, die Temperaturen sinken und es schneit.

¿Cómo es el tiempo en invierno?

El tiempo es a menudo frío, con niebla, nuboso, lluvioso, bajan las temperaturas y nieva.

What’s the weather like in spring?

The weather is often changeable, sometimes sunny, sometimes rainy, sometimes warm, sometimes cold and the air is cool.

Wie ist das Wetter im Frühling?

Das Wetter ist oft veränderlich, manchmal sonnig, manchmal regnerisch, manchmal warm, manchmal kalt und die Luft ist frisch.

¿Cómo es el tiempo en la primavera?

El tiempo es a menudo variable, a veces soleado, a veces lluvioso, a veces cálido, a veces frío y el aire es fresco.

What’s the weather like in summer?

The weather ist often sunny, warm and dry, it is sometimes very hot, sultry and there are storms.

Wie ist das Wetter im Sommer?

Das Wetter ist oft sonnig, warm und trocken, manchmal ist es sehr heiß, schwül und es gibt Gewitter.

¿Cómo es el tiempo en verano?

El tiempo es a menudo soleado, cálido y seco, a veces es muy caluroso, bochornoso y hay tormentas.

Now it’s your turn! Try first this vocabulary and then describe the weather in your country or region.

Jetzt seid ihr dran! Übt zuerst diesen Wortschatz und dann beschreibt das Wetter in eurem Land oder eurer Region.

¡Ahora es vuestro turno! Practicad primero este vocabulario y después describid el tiempo en vuestro país o vuestra región.